Serie A: Rotstift-Politik und Krisenbewältigung
Rom - Im früheren Lire-Paradies regiert der Rotstift.
Im Zeichen der Rezession haben Italiens Eliteklubs vor der am Samstag beginnenden Saison ihre Ausgaben für neue Spieler drastisch zusammengestrichen und auch viele Stars verloren.
Gerade einmal rund 305 Millionen Euro und damit gleich fast die Hälfte weniger (minus 48,4 Prozent) investierten der erneut hochfavorisierte Meister Juventus Turin, AC Mailand, Inter Mailand, Lazio Rom und ihre Rivalen noch in Transfers.
Die wirtschaftliche Vernunft im Land des viermaligen Weltmeisters zahlt sich zumindest insgesamt aus. Nach den Verpflichtungen bis kurz vor dem Anpfiff der neuen Spielzeit belief sich der Transfer-Saldo der Serie A immerhin auf ein Plus von gut 16,5 Millionen.
Vor Jahresfrist wies die Bilanz der Liga noch ein Minus von 59 Millionen aus.
Milan: Sparkurs gerät zur Zäsur
Beim Nobelklub AC Mailand geriet der rigorose Sparkurs in Verbindung mit einer Verjüngungskur gleich zur Zäsur.
Für Milans Fans besonders schmerzhaft war der Verkauf der Stars Zlatan Ibrahimovic und Thiago Silva für insgesamt 63 Millionen Euro an Paris St. Germain, ausserdem trennten sich die Rossoneri von altgedienten "Senatoren" wie Gennaro Gattuso, Filippo Inzaghi, Alessandro Nesta und Mark van Bommel.
Zuletzt liess Milan auch noch Stürmerstar Antonio Cassano zum Lokalrivalen Inter ziehen.
Für Verstärkungen nahmen die Erfüllungsgehilfen von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi lediglich 17 Millionen Euro in die Hände.
Doch ob der Vizemeister mit den Neuzugängen Giampaolo Pazzini, Riccardo Montolivo, Bakaye Traore, Mattia De Sciglio und Stephan El Shaarawy seine Ziele Meisterschaft und Championsleague erreichen kann, erscheint zumindest fraglich.
Juve rüstet auf
Zumal Meister Juventus tief in die Tasche griff und seinen Erfolgskader um die Vize-Europameister Andrea Pirlo, Gianluigi Buffon und Claudio Marchisio sowie den Ex-Leverkusener Arturo Vidal für die Rückkehr in die europäische Königsklasse noch einmal für 45 Millionen Euro aufrüstete.
Gleich elf Millionen Euro war dem jungen Juve-Boss Andrea Agnelli Nationalspieler Sebastian Giovinco vom FC Parma wert, dazu kamen Bayern Münchens früheres Abwehr-Ass Lucio von Inter Mailand sowie die Jungstars Mauricio Isla und Kwadwo Asamoah von Udinese Calcio.
Ein Handicap für die "alte Dame" ist allerdings die zehnmonatige Sperre von Juve-Coach Antonio Conte im Zuge des Manipulationsskandals. Conte soll 2010 beim AC Siena von Ergebnisabsprachen gewusst und seine Kenntnisse nicht an den Verband weitergegeben haben.
Turin und sein Trainer, der seine Unschuld beteuert, kündigten schon den Gang in die dritte Instanz an, doch zunächst wird wohl wie schon beim 4:2-Supercupsieg zu Monatsbeginn in Peking gegen den SSC Neapel Assistenztrainer Massimo Carrera auf der Bank sitzen.
Bergamo startet mit Punktabzug
Im dunklen Schatten der Affäre beginnt die Saison auch für Atalanta Bergamo und Rückkehrer Sampdoria Genua. Bergamo startet zum zweiten Mal in Folge mit einem Punktabzug (zwei Zähler), und für die Samp steht vor dem ersten Match schon ein Minuspunkt zu Buche.
Darüber hinaus sind mehrere Profis wegen Sperren für ihre Verwicklungen in den Skandal zum Zuschauen verurteilt.
Bislang von der Affäre nicht betroffen ist Lazio Rom. Nationalspieler Miroslav Klose ist beim Hauptstadt-Klub nach seiner insgesamt gelungenen Debüt-Saison für den neuen Trainer Vladimir Petkovic ein Fixpunkt.
Schon vor seiner dritten Erstliga-Saison steht Junioren-Nationalspieler Alexander Merkel. Der ehemalige Stuttgarter gehört nunmehr endgültig CFC Genua, nachdem Milan sämtliche Transferrechte an dem 20-Jährigen abgegeben hat.
SPORT1











