''Schweinsteiger fehlt die Anerkennung auf dem Platz''
Von Reinhard Franke
München - Auf dem Patz war er der Mann für die besonderen Momente.
Auch nach seiner Profi-Laufbahn blieb es stets interessant, wenn Mario Basler sich zu Wort meldete. Zurückhaltung war nie sein Ding.
Der SPORT1-Experte, am Sonntag zu Gast im Volkaswagen Doppelpass, spricht vor dem Auftakt der 50. Bundesliga-Saison Klartext.
Der Ex-Nationalspieler, derzeit Trainer des Regionalligisten Rot-Weiss Oberhausen, redet über Rekordmeister FC Bayern, Titelverteidiger Borussia Dortmund, Matthias Sammer - und übt harsche Kritik an Bastian Schweinsteiger und stichelt gegen Mario Gomez.
SPORT1: Herr Basler, vor dem Startschuss zur neuen Saison sehen alle Experten nur Bayern München und Borussia Dortmund als mögliche Meisterschaftskandidaten. Sie auch?
Mario Basler: Ich glaube, dass auch Schalke 04 und Leverkusen eine gute Mannschaft haben. Klar sind Bayern und der BVB auf dem Papier erst mal die zwei grossen Favoriten, aber man sollte da abwarten, wie die Beiden in die Saison reinkommen. Ich sehe es nicht so eindeutig. Ich bin auch ein bisschen Schalke-Fan und es wäre dem Verein zu wünschen, dass er eine wichtige Rolle um den Titel mitspielen kann.
SPORT1: Die Bayern haben in Matthias Sammer ihren prominentesten Neuzugang. Ist er der Schlüssel zum Erfolg?
Basler: Matthias Sammer steht nicht auf dem Platz. Er ist der Sportdirektor und kann nicht mitspielen. Da wird zu viel auf ihn fokussiert und man darf das nicht überbewerten. Sammer ist nicht der alleinige Heilsbringer, damit Bayern München nach zwei schwachen Jahren plötzlich alles gewinnt.
SPORT1: Aber er wird die Titelgier, das Anspruchsdenken und diese Besessenheit zurückbringen, oder?
Basler: Er ist sicherlich eine hervorragende Verpflichtung für die Bayern. Matthias wird einen anderen Zug reinbringen, wie man schon im Pokal und im Supercup gesehen hat.
SPORT1: Wie bewerten Sie die Neuzugänge der Münchner und die des BVB? Beim Pokalspiel in Regensburg haben Bayerns Neue eine erste Duftmarke gesetzt.
Basler: Da sollte man abwarten und vorsichtig sein, wie die Spieler dann in der Liga einschlagen. Die neuen Bayern-Spieler scheinen gut angekommen zu sein, auch ein Marco Reus scheint in Dortmund da weiter zumachen, wo er in Gladbach aufgehört hat. Aber nicht mit jedem Spieler, der viel Geld kostet, kann automatisch jedes Spiel gewonnen werden.
SPORT1: Und Dortmund?
Basler: Borussia Dortmund hat wieder eine sehr gute Mannschaft vor allem durch Reus. Vielleicht sind die Namen bei Bayern München in der Öffentlichkeit ein bisschen bekannter, aber letztendlich glaube ich, dass sich der BVB vor Bayern nicht verstecken muss, auf dem Papier her und vom fussballerischen Vermögen her ähnlich wie die Bayern eine sehr ausgeglichene, hochwertige Mannschaft beisammen hat.
SPORT1: Die Bayern haben mit Mario Gomez, der noch verletzt ist, und Bastian Schweinsteiger zwei Sorgenkinder. Wie sehen Sie die beiden Nationalspieler?
Basler: Ich habe ja zu Gomez in den letzten Monaten meinen Teil gesagt. Ich glaube, dass man mit Mario Mandzukic einen Stürmer hat, der hervorragend zu Bayern München passt und meines Erachtens besser ist als Mario Gomez. Man hat in den ersten Spielen die Klasse von Mandzukic schon gesehen und es wird sich weiter auszahlen, dass man so einen Spieler verpflichtet hat.
SPORT1: Was sagen Sie zu Bastian Schweinsteiger?
Basler: Zu ihm gibt es nicht viel zu sagen. Er ist in der letzten Zeit sehr oft verletzt und hat immer wieder mit Wehwehchen zu kämpfen. Auch da muss man einfach sehen, wie er sich weiterentwickelt. Im Supercup lief es wieder nicht so gut für ihn. Er will der Chef sein, aber man ist nicht automatisch der Chef, wenn man einen Elfmeter verschiesst oder reinschiesst. Ich glaube einfach, dass Schweinsteiger diese Ausstrahlung und die Anerkennung auf dem Platz fehlt, wie sie Stefan Effenberg oder Lothar Matthäus bei Bayern gehabt haben.
SPORT1: Deutliche Kritik an Bayerns Vize-Kapitän...
Basler: Dass Schweinsteiger ein toller Fussballer ist, wissen wir, aber er muss es auch mal wieder auf dem Platz zeigen. Die letzten anderthalb Jahre hat man davon einfach nicht viel gesehen.
SPORT1: Von Dortmunds Marco Reus hat man dagegen im letzten Jahr viel gesehen. Er wurde Fussballer des Jahres und sein Ex-Trainer Lucien Favre sagte, dass Reus sich auch bei Barcelona durchsetzen könnte.
Basler: Marco Reus ist ein hervorragender Fussballer. Das haben wir im letzten Jahr bei Borussia Mönchengladbach gesehen und auch jetzt zeigt er beim BVB gleich am Anfang seine Klasse. Die Dortmunder haben da einen tollen Fang gemacht. Ich glaube, dass der Junge in den nächsten Jahren der Fussballer schlechthin sein wird in der Bundesliga. Der passt optimal zum BVB, nicht nur, weil er ein Dortmunder Junge ist. Das wird funktionieren.
SPORT1: Und wer holt am Ende die Schale, Herr Basler?
Basler: Ich glaube ein drittes Mal hintereinander keinen Meistertitel zu holen, das wäre fatal für Bayern München. Es wäre ihnen zu wünschen, dass sie es schaffen, aber in den letzten zwei Jahren haben wir uns auch geirrt. Wir lassen uns einfach mal überraschen.
SPORT1



















