Werder kämpft gegen graues Mittelmass
Von Tobias Wiltschek und Andreas Haupt
München - Nach der längsten Sommerpause in ihrer Geschichte startet die Bundesliga am kommenden Wochenende in die 50. Saison.
Mehr als drei Monate sind seit dem letzten Spieltag der vergangenen Saison vergangen. Die Vereine haben die Zeit genutzt, um sich bestmöglich auf die anstehende Spielzeit vorzubereiten.
Die erste Runde im DFBPokal zeigte jedoch, dass viele Bundesligisten noch nicht in Form sind. Sechs Klubs aus der deutschen Eliteliga sind bereits ausgeschieden.
Ob diese Niederlagen nur Ausrutscher waren oder Hinweise darauf liefern, wie schwer sich die Mannschaften auch in der Bundesliga tun, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen.
SPORT1 macht den Formcheck aller Bundesligisten und wagt eine Prognose für die Saison.
Der zweite Teil der Serie widmet sich dem Mittelfeld mit Teams, die eventuell an den Europapokalplätzen schnuppern oder in die Abstiegsregion rutschen können.
SV Werder Bremen
Nach den unterdurchschnittlichen Plätzen neun und 13 läuft der SV Werder Gefahr, nach einer äusserst erfolgreichen Dekade auf Dauer zur "grauen Maus" zu verkommen.
Grosse Namen wie Tim Wiese, Claudio Pizarro, Naldo oder Claudio Pizarro gingen, finanzielle Mittel für neue Stars waren ohne Präsenz in einem europäischen Wettbewerb nicht mehr vorhanden.
Dazu kam der Krach um Trikotsponsor "Wiesenhof" und das peinliche Pokal-Aus beim 2:4 nach Verlängerung in Münster.
Nils Petersen (ausgeliehen vom FC Bayern München), Mittelfeld-Talent Kevin de Bruyne (Chelsea) und Eljero Elia (kam von Juventus) versprechen viel Offensiv-Potenzial.
Das grösste Fragezeichen bleibt die fast schon traditionell wacklige Defensive um die neue Nummer eins Sebastian Mielitz und dem zum Abwehrchef beförderten EM-Teilnehmer Sokratis. Neuzugang Theodor Gebre Selassie offenbarte im Pokal grosse Schwächen auf der rechten Seite.
SPORT1-Prognose: Werder wird zwar nicht in die Spitzengruppe zurückkehren, aber eine Rückkehr ins internationale Geschäft ist möglich, wenn sich die Abwehr findet.
VfB Stuttgart
In Stuttgart blieb es im Sommer verdächtig ruhig. Nach den Abgängen von Matthieu Delpierre (Hoffenheim), Timo Gebhart (Nürnberg), Khalid Boulahrouz (Sporting Lissabon), Stefano Celozzi (Eintracht Frankfurt) und Julian Schieber (Dortmund) kamen nur drei erfahrene Neuzugänge.
Tunay Torun (Hertha), Tim Hoogland (Schalke) und Rückkehrer Daniel Didavi (Nürnberg) sollen die enstandenen Lücken schliessen. Ansonsten ergänzten nur Nachwuchskräfte den schmalen Kader.
Grosse Sprünge konnten die Schwaben aufgrund ihres Stadionumbaus nicht machen. Trotzdem hat Trainer Bruno Labbadia in der Vorbereitung offenbar eine solide Einheit geformt .
Der souveräne Pokalauftritt bei Falkensee-Finkenkrug und vor allem die starke Leistung im Hinspiel der Playoffs zur Europa-League gegen Kevin Kuranyis Dynamo Moskau lässt hoffen.
SPORT1-Prognose: Der VfB will den eingeschlagenen Weg der finanziellen und sportlichen Konsolidierung weiter fortsetzen. Wenn Verletzungspech ausbleibt, sollte ein Platz in der oberen Tabellenhälfte herausspringen.
Hannover 96
Vor dem Bundesliga-Start geht es für die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka um den Einzug in die Europa-League-Gruppenphase. Im Playoff-Hinspiel treten die Hannoveraner in Breslau gegen den polnischen Meister Slask Wroclaw an.
Mit einem Sieg würden die Niedersachsen nicht nur das Tor zur Gruppenphase weit aufstossen, sondern auch Selbstvertrauen für das Heimspiel gegen Schalke 04 tanken.
Der 6:1-Erfolg im Pokal gegen Oberligist FC Nöttingen gibt noch keinen Grund zum Überschwang.
In der Bundesliga will Hannover wieder angreifen. Der Vorjahres-Siebte war zuletzt zweimal in Folge bester Nord-Klub. Mit der Verpflichtung von Rückkehrer Szabolcs Huszti hat Sportdirektor Schmadtke zusammen mit Slomka das Team gezielt verstärkt.
SPORT1-Prognose: Die Roten dürften auch in der kommenden Saison für einige Überraschungen gut sein. Ein erneuter Einzug in den Europapokal ist aber unwahrscheinlich.
1. FC Nürnberg
Die Nürnberger haben sich unter Cheftrainer Dieter Hecking dank kontinuierlicher Arbeit in der Bundesliga etabliert.
Dennoch bleiben die Franken auf dem Teppich. Im Umfeld ist Abstiegskampf zwar kein Thema, aber Hecking und Manager Martin Bader bremsen die Erwartungen und wollen zunächst die berühmten 40 Punkte einfahren.
Der Kader ist eingespielt, wurde jedoch nur durch Mittelfeldspieler Timo Gebhart (Stuttgart) ergänzt, der Didavis Abschied nach Schwaben kompensieren soll.
Die grösste Gefahr ist, dass sich nach zwei starken Jahren zu grosse Selbstzufriedenheit einschleicht. Das war bereits beim 2:3 nach Verlängerung in der ersten Runde des DFB-Pokals beim TSV Havelse zu beobachten.
SPORT1-Prognose: Vom Potenzial her gehört der Club auf einen soliden Mittelplatz. Nur ein verpatzter Start oder personelle Sorgen könnten das Team in die Abstiegsregion reissen. Für einen einstelliger Tabellenplatz müsste fast alles optimal laufen.
Mainz 05
In Rheinhessen setzen sie auf Kontinuität. Von den Leistungsträgern der vergangenen Saison haben die 05er nur die beiden Angreifer Mohamed Zidan und Sami Allagui abgegeben. Junior Diaz und Chinedu Ede sind die einzigen echten Neuzugänge.
Dass beide keine Stürmer sind, könnte für die Mainzer zu einem Problem werden. Denn mit Maxim Choupo-Moting und Adam Szalai stehen nur noch zwei Angreifer mit Bundesliga-Format im Kader. Anthony Ujah gehört zwar zu den Talenten, muss aber seine Erstliga-Tauglichkeit noch beweisen.
Aufgrund des weitgehend unveränderten Kaders verlief die Vorbereitung relativ reibungslos. Die Harmonie in der Mannschaft stimmt.
Das klare 4:0 im Pokal gegen den Oberligisten SV Rossbach/Verscheid darf aber nicht überbewertet werden, die echten Herausforderungen warten noch auf das Team von Thomas Tuchel.
SPORT1-Prognose: Mainz wird sich auch im vierten Bundesliga-Jahr hintereinander zu kompakt und clever präsentieren, um ernsthaft in Abstiegsgefahr zu geraten.
1899 Hoffenheim
Die historische Pokalpleite beim Viertligisten Berliner AK überschattet auch wenige Tage vor dem Bundesliga-Start die Vorbereitungen im Kraichgau.
Auch die beiden hochkarätigen Neuzugänge Tim Wiese und Eren Derdiyok konnten das 0:4-Debakel in der Hauptstadt nicht verhindern.
Vor dem Start in die Meisterschaft bei Borussia Mönchengladbach hat nun Trainer Markus Babbel alle Hände voll zu tun, seine Spieler wieder aufzurichten und den Fokus auf die Bundesliga zu richten.
An den Ambitionen des Klubs hat sich durch das frühe Pokal-Aus freilich nichts geändert. Babbel soll aus den starken Individualisten eine erfolgreiche Einheit formen.
SPORT1-Prognose: Hoffenheim wird das Pokal-Debakel schnell überwinden und sich in der Bundesliga weiter etablieren. Zu mehr als einem Mittelfeldplatz reicht es aber wieder nicht.
Und so sieht die SPORT1-Prognose für das Mittelfeld aus: 7. Werder Bremen, 8. VfB Stuttgart, 9. Hannover 96, 10. 1. FC Nürnberg, 11. FSV Mainz 05, 12. 1899 Hoffenheim
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