96-Gegner Breslau: Hinten brennt es, vorne klemmt es
Von Christian Stüwe und Jakob Gajdzik
München - Der polnische Meister steht zwischen Hannover 96 und dem erneuten Einzug in die Gruppenphase der Europa League.
Am Donnerstag treten die Niedersachsen im Hinspiel der Playoffs bei Slask Breslau (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) an.
Trainer Mirko Slomka bezeichnete die Aufgabe gegen die Polen als anspruchsvoll, 96-Kapitän Steven Cherundolo warnte vor schnellen Aussenspielern und ballsicheren Stürmern.
Wie schwer die Aufgabe der Niedersachsen gegen den Meister aus dem EM-Ausrichterland aber wirklich ist, ist hierzulande nur schwer einzuschätzen.
Schliesslich wird über den Fussball in der Ekstraklasa nur am Rande berichtet.
Breslau in "einer Mini-Krise"
Andrzej Juskowiak hingegen kennt sich hingegen bestens aus.
"Breslau befindet sich momentan in einer Mini-Krise", berichtet der frühere polnische Nationalspieler und langjährige Bundesliga-Profi im Gespräch mit SPORT1:
"Dafür gibt es zahlreiche Gründe, aber der grösste ist eine fehlende finanzielle Stabilität. Somit konnten wichtige Spieler der vergangenen Saison nicht gehalten werden."
Besonders der Abgang von Piotr Celeban wiege schwer. Der Verteidiger verlängerte seinen Vertrag nicht und kickt nun in Rumänien beim FC Vaslui.
"Er war nicht nur ein grosser Stabilitätsfaktor, sondern hat auch Tore geschossen", berichtet Juskowiak, der in Deutschland für Gladbach, Wolfsburg, Cottbus und Aue stürmte.
Probleme in der Abwehr
Mit Jaroslaw Fojut musste Breslau noch einen weiteren Verteidiger ziehen lassen.
"Die beiden hinterlassen in der Abwehr ein grosses Loch", nennt Juskowiak eine potenzielle Schwachstelle, die 96 nutzen könnte:
"In den letzten Spielen standen nie zwei gleiche Innenverteidiger auf dem Rasen."
In der Liga setzte es für den Titelverteidiger am Wochenende eine 1:2-Auftaktniederlage in Lodz. Immerhin gewann Breslau aber den polnischen Supercup gegen Legia Warschau.
"Das einzig Positive", sagt Juskowiak: "Aber auch da hat die Mannschaft nicht gut gespielt und erst im Elfmeterschiessen gewonnen."
Stürmer beleidigt den Trainer
Dementsprechend könnte "die Stimmung besser sein", berichtet der 41-Jährige: "Der argentinische Stürmer Cristian Diaz hat zuletzt seinen Ärger gegen Trainer Orest Lenczyk kundgetan und ihn beleidigt."
Denn auch für die Angreifer laufe es alles andere als rund.
Diaz und seine Kollegen Johan Voskamp und Luskaz Gikiewicz erspielten sich kaum Chancen, "und wenn sie welche haben, treffen sie nicht".
"Das Problem liegt momentan im Angriff", glaubt Juskowiak und legt sich fest: "Hannover ist klarer Favorit."
Warnung vor Kazmierczak
Schon in den letzten Spielen der Meistersaison habe Breslau relativ schwach gespielt und viele Spiele etwas glücklich gewonnen.
Doch unterschätzen sollte Hannover den Gegner trotzdem nicht, in der Meistermannschaft steckt nach wie vor Potenzial.
"Der defensive Mittelfeldspieler Przemyslaw Kazmierczak war in den letzten Partien bester Spieler und hat auch das Tor gegen Widzew Lodz geschossen", warnt Juskowiak: "Er ist kopfballstark und gefährlich."
Auf den 30 Jahre alten Polen sollte die Slomka-Elf also ein besonderes Augenmerk legen, um den Traum von neuen Höhenflügen in Europa in den zwei Spielen gegen Slask Breslau am Leben zu erhalten.
Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:
Breslau: Kelemen - Socha, Grodzicki, Kowalczyk, Wasiluk - Patejuk, Jodlowiec - Cetnarski, Kazmierczak - Voskamp, Elsner
Hannover: Zieler - Cherundolo, Haggui, Felipe, Pander - Andreasen, da Silva Pinto - Rausch, Huszti (Stindl) - Schlaudraff, Ya Konan (Abdellaoue)
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