Favre stellt Gladbachs Millionensturm in Frage
Aus Mönchengladbach berichtet Thorsten Langenbahn
Mönchengladbach - Geduld. Die zeichnete in der vergangenen Saison das Spiel von Borussia Mönchengladbach aus.
Doch nicht nur vielen Fans scheint es derzeit nicht schnell genug zu gehen, um sich mit den ganz Grossen in Europa messen zu können.
Die Euphorie bei den Anhängern der "Fohlen" war bei der Europa-Rückkehr nach 16 Jahren grenzenlos, die Erwartungshaltung gigantisch.
Beim 1:3 gegen Dynamo Kiew (Spielbericht) wollten einige offenbar zu viel - und liefen so in ihr Verderben.
Torhüter ter Stegen sauer
"Nach dem 1:0 wollen wir immer mehr, immer mehr, immer mehr - und das klappt einfach nicht", kritisierte Gladbachs Torhüter Marc-Andre ter Stegen.
Der Nationaltorhüter fügte an: "Wenn man 1:0 führt, kann man nicht alles aufmachen und so weiterspielen wie man möchte."
Eine deutliche Ansage an die Adresse von Granit Xhaka. Der 19-jährige Hoffnungsträger, für 8,5 Millionen Euro vom FC Basel gekommen, hatte in der 36. Minute bei einem Zuspiel für Luuk de Jong gepatzt.
Die Ukrainer nutzten den Fehler eiskalt aus, trafen über einen schnellen Konter zum 2:1 - innerhalb von acht Minuten war die Partie gedreht.
Favre: "Wir haben den Kopf verloren"
"Nach dem 1:1 haben wir den Kopf verloren. Es hat die Geduld gefehlt", sagte Trainer Lucien Favre nach der deutlichen Pleite im Play-off-Hinspiel um den Einzug in die Gruppenphase der Champions League.
Drei Tore unter Favre - die hatte es in der vergangenen Saison nur nach Elfmeterschiessen im DFBPokal gegeben.
Dabei waren die Gastgeber vor 45.075 Zuschauern im Borussia-Park verdient in Führung gegangen. Die frühe Führung durch Alexander Ring glich einem Traumstart.
"Wir haben das Spiel nach dem 1:0 eigentlich im Griff", sagte Innenverteidiger Martin Stranzl.
"Aber dann machen wir Fehler in der Vorwärtsbewegung, die du international nicht machen darfst - das wird auf diesem Niveau bestraft", sagte der Österreicher.
Xhaka und de Jong harmonieren nicht
Neben der Geduld fehlte aber auch die Abstimmung in der 4-4-2-Formation. Im Zusammenspiel der Neuzugänge Xhaka und de Jong haperte es noch reichlich.
Die zentrale Achse der Borussia funktionierte nicht. Von den drei Neuen in der Startelf hinterliess der spanische Innenverteidiger Alvaro Dominguez trotz der drei Gegentreffer noch den besten Eindruck.
"Eigentlich brauchst du fünf bis sechs Spiele in der Liga, bis die neuen Spieler im System drin sind", sagte Stranzl. Doch diese Zeit hat die Borussia nicht.
Sein Trainer ging noch einen Schritt weiter. "Ich probiere weiter, 4-4-2 mit zwei Stürmern zu spielen. Aber ich musste feststellen, unsere Stürmer sind zu ähnlich. Ich muss eine Ergänzung finden", sagte Favre.
De-de-Sturm ohne Durchschlagskraft
Eine deutliche Ansage an den 21 Jahre jungen Zwölf-Millionen-Einkauf de Jong. Der Niederländer scheiterte im Vorjahr schon einmmal in der Königsklassen-Quali, als er mit Twente Enschede gegen Benfica Lissabon rausflog.
Der De-de-Sturm mit Igor De Camargo und Luuk de Jong sucht noch nach der richtigen Balance. Anders als in der vergangenen Saison mit Marco Reus und Mike Hanke.
"Da haben wir fast ohne Stürmer gespielt und haben trotzdem die nötige Effizienz gehabt", stellte Favre fest. Die grösste Gefahr ging gegen Kiew vom agilen Juan Arango aus, aber der Passgeber zum 1:0 zielte bei seinen Torschüssen jeweils knapp daneben.
"Wir werden schon am Wochenende sehen, wie es passt. Wir haben heute die Lücken nicht gefunden. Es fehlte die Durchschlagskraft", erklärte Favre.
De Jong: "Wir haben ihnen die Tore aufgelegt"
Bis auf einen harmlosen Kopfball blieb de Jong in seinem Pflichtspieldebüt für die Borussia ohne echte Torchance. Dass sein erster Borussen-Treffer das Eigentor zum 1:3 sein sollte, war bitter für den 21-Jährigen.
"Wir haben ihnen die Tore aufgelegt", sagte der Zwölf-Millionen-Mann aus Enschede. "Die Enttäuschung ist gross. Nicht nur bei mir, sondern im ganzen Team."
Bereits am Samstag im Bundesliga-Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim soll der Schuss nicht schon wieder nach hinten losgehen.
Mit einem Sieg am ersten Spieltag wollen die "Fohlen" sich neues Selbstvertrauen für das Rückspiel am Mittwoch in Kiew holen.
Hanke lauert auf seine Chance
"Vielleicht schaffen wir das Wunder. Wir müssen daran glauben", sagt de Jong kämpferisch über die bevorstehende Herausforderung in der Ukraine.
Sein Sturmkonkurrent Mike Hanke geht im Gespräch mit SPORT1 noch mehr in die Offensive: "Ich bin optimistisch, dass wir auswärts drei Tore schiessen können. Die Qualität haben wir. Wir müssen dort mit breiter Brust antreten."
Der zweitbeste Torschütze der Vorsaison will von den Unstimmigkeiten im VfL-Angriff profitieren. "Ich hoffe auf meine Chance", sagt der 28-Jährige.
Doch auch Hanke muss geduldig sein. So wie vielleicht der gesamte Verein, falls es am Ende doch nur für die Europa League reichen sollte.
SPORT1











