''Wir machen uns nicht in die Hose''
Von Martin Volkmar
München - Am 29. Oktober 1996 hat Borussia Mönchengladbach im UEFA-Cup beim AS Monaco zum bisher letzten Mal ein Spiel in einem internationalen Wettbewerb bestritten.
Heute kehren die "Fohlen" im Playoff-Hinspiel der Champions League gegen Dynamo Kiew auf die grosse Bühne zurück .
"Kiew ist eine Riesenmannschaft ", sagte Gladbachs Trainer Lucien Favre: "Es ist schwer, aber machbar."
Die Borussia peilt den Einzug in die Gruppenphase an, dann winken dem Klub Zusatzeinnahmen von acht Millionen Euro.
Auch deshalb ist Max Eberl besonders heiss auf die Partie. Im SPORT1-Interview spricht der Sportdirektor über die Bedeutung des Spiels, die Aussenseiterrolle der Borussia und das nötige Selbstvertrauen.
SPORT1: Herr Eberl, 16 Jahre hat Borussia Mönchengladbach nicht international gespielt. Welche Bedeutung hat es für Sie, mit so einem Highlight auf diese Bühne zurückzukehren?
Max Eberl: Es ist ein ganz besonderes Erlebnis für uns. In den 70er Jahren ist Gladbach ja ein ständiger Gast in Europa gewesen, dann relativ lange nicht mehr, und erst 1995 und 1996 dann noch zwei Mal. Dass wird jetzt dabei sein dürfen, vielleicht sogar in der Königsklasse, ist für den Verein etwas ganz Besonderes.
Lucien Favre hat nach der Auslosung gesagt, Kiew sei der härteste Gegner, den man bekommen konnte. Wie schätzen Sie das Team ein?
Ich sehe es ähnlich. Wenn man bedenkt, dass Dynamo Moskau und Dynamo Kiew vom Papier her die zwei schwersten Aufgaben bedeuten, haben wir eine davon bekommen. Kiew war in den letzten Jahren immer in Europa vertreten, sei es in der Champions League oder der Europa League. Bekanntermassen werden im Osten auch sehr hohe Ablösesummen bezahlt und so wurde der Kader entsprechend hochwertig zusammengestellt mit Spielern wie Nico Kranjcar oder Raffael.
Sehen Sie die Borussia als Aussenseiter?
Wir wissen, dass wir der Underdog sind. Aber das waren wir auch in der letzten Saison einige Male. Deshalb werden wir uns sicher nicht vor Angst in die Hose machen. Wir haben das nötige Selbstvertrauen, um zu sagen: die sollen kommen.
Es geht jetzt Schlag auf Schlag. Vier Tage nach dem Duell gegen Kiew kommt Hoffenheim zum Bundesliga-Auftakt, dann folgt das Rückspiel. Wie gut ist die Mannschaft vorbereitet?
Natürlich haben wir einen kleinen Umbruch im Kader zu verzeichnen. Mit Dante, Neustädter und Reus haben wir drei sehr wichtige Spieler verloren. Das alles haben wir versucht, mit neuen Spielern zu kompensieren. Aber das geht nicht von jetzt auf gleich.
Sondern?
Die letzte Mannschaft hat zwei, drei Jahre gebraucht, um den erfolgreichen Fussball der vergangenen Saison zu spielen. Ähnlich ist es jetzt wieder. Deswegen fordert der Trainer auch immer wieder Geduld, um die jungen Spieler auf dieses Niveau zu heben. Und dann ist es durchaus möglich, dass sie sich als echte Verstärkung auch für die Zukunft herausstellen.
Wie klappt es bisher mit der Integration der Neuen?
Ganz gut. Wenn man bedenkt, dass Alvaro Dominguez erst sein drittes Spiel gemacht hat, harmoniert er doch schon recht souverän mit Martin Stranzl und Marc-Andre ter Stegen. Auch Granit Xhaka hat durch seine Präsenz im Mittelfeld schon eine gute Rolle eingenommen. Luuk de Jong wird noch etwas Zeit brauchen, um das Zusammenspiel mit Igor de Camargo, Juan Arango oder Patrick Herrmann zu perfektionieren. Die ersten Schritte sind getan, aber es wird sicher noch etwas dauern.
Sie haben Tabellenplatz acht als grobes Saisonziel ausgegeben. Die Mehrheit der Experten sieht das Team aber wieder ganz vorne. Warum stapeln Sie tief?
Vielleicht schwimme ich etwas gegen den Trend, aber das ist meine Wahrnehmung. In der vorletzten Saison wurden wir 16., in der letzten Vierter. Meiner Meinung nach liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Wenn man die ganzen Abgänge und Transfers in einen Topf wirft, komme ich zu der realistischen Zielsetzung, dass wir auf Dauer im einstelligen Tabellenbereich landen wollen.
Damit dürfte nicht jeder Gladbach-Fan zufrieden sein...
Mit der Erwartung, weiter oben zu bleiben, sind schon einige auf die Nase gefallen. Ich empfinde es auch nicht als Tiefstapelei. Wir wollen den nächsten Schritt machen und nicht mit Bayern, Dortmund und Schalke konkurrieren. Auch Hoffenheim, Leverkusen und Wolfsburg sind uns von den wirtschaftlichen Möglichkeiten her voraus. Danach kommen dann Klubs wie Stuttgart, Hannover, Bremen oder eben Gladbach. Addiert man all diese Teams, sind wir unter den ersten zehn.
SPORT1

