Rangelei: Wer nimmt hinter Neuer Platz?
Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch und Matthias Becker
Frankfurt/Main - Ron-Robert Zieler wirkte geknickt, Marc-Andre ter Stegen machte auch keinen besonders zufriedenen Eindruck.
Beim 1:3 gegen Argentinien erlebten die beiden jungen deutschen Nationaltorhüter einen unglücklichen Abend.
"Ich habe mich auf das Spiel gefreut und mich gut gefühlt", erzählte Zieler nach dem Spiel in den Katakomben der Frankfurter Arena.
Kurzeinsatz für Zieler
Doch sein Einsatz gegen das Team um Superstar Lionel Messi dauerte nur eine halbe Stunde.
Jose Ernesto Sosa lief im Strafraum aufs Tor zu, Zieler zögerte etwas beim Herauslaufen, der Ball wurde von einem aufgeworfenen Rasenstück gebremst und der Keeper erwischte den Argentinier.
Der Schiedsrichter entschied auf Strafstoss und zeigte Zieler für seine Notbremse die Rote Karte.
Er sei keiner, der Ausreden suchte, aber durch den kleinen Grashügel sei die Szene schon unglücklich gelaufen, erklärte der 23-Jährige.
"Das Regelwerk ist leider so"
"Das Regelwerk ist leider so, dass Schiedsrichter dazu neigen, da eine Rote Karte zu zeigen", meinte der Schlussmann von Hannover 96, der den Rest der Partie von der Tribüne aus verfolgen musste.
"Fussball kann manchmal grausam sein, es war ein bitterer Abend", meinte der Pechvogel.
"Natürlich war Ron ziemlich betrübt. Das muss er gar nicht sein. Es war einfach eine unglückliche Situation", nahm Bundestrainer Joachim Löw ihn in Schutz.
Die Regel mit der Doppelbestrafung sei "absoluter Blödsinn", schimpfte Löw.
Kaltstart für ter Stegen
Ter Stegen musste einen Kaltstart hinlegen - und hielt gleich den von Messi geschossenen Elfmeter fest.
"Es ist schwer, so in ein Spiel reinzukommen, aber ich denke, dass ich es ordentlich gemeistert habe"", sagte der Mönchengladbacher.
Ter Stegen war erst nach der verletzungsbedingten Absage von Manuel Neuer nachnominiert worden.
Messi statt Playoffs
Der 20-Jährige hatte sich eigentlich auf Gladbachs Playoffs um das Erreichen der Championsleague gegen Dynamo Kiew vorbereiten sollen.
Bei Sami Khediras Eigentor kurz vor der Pause und beim 0:2 durch Messi war er machtlos, beim 0:3 durch Angel di Marias Weitschuss aus 30 Metern reagierte er allerdings kaum.
"Der Schuss kam aus dem Pulk. Es sah vielleicht unglücklich aus, aber ich habe den Ball nicht gesehen", erklärte ter Stegen.
Löw spricht ter Stegen von Schuld frei
Nach seinem verpatzten Länderspiel-Debüt beim 3:5 in der Schweiz Ende Mai war er dieses Mal frei von Schuld, attestierte Löw.
"Marc-Andre muss man nicht aufbauen. Er ist reingekommen und hat gleich einen Elfmeter gegen Messi gehalten. Heute konnte er nichts machen", sagte der Bundestrainer.
"Wir müssen alle wieder nach vorne schauen", meinte ter Stegen, der sich Hoffnungen machen darf, auch zum WM-Qualifikationsspiel gegen die Färöer Inseln eingeladen zu werden.
Die Partie findet in Hannover statt, für Zieler wäre es ein Heimspiel.
Platzverweis als Rückschlag?
Ob sein Platzverweis einen Rückschlag im Kampf um einen Platz hinter Neuer sei, wurde er gefragt.
"Man kann darüber spekulieren, ich bin nicht der Entscheidungsträger", sagte Zieler nach seinem zweiten Länderspiel und ergänzte: "Wichtig ist, dass ich daraus lerne."
Bei seinem Debüt im vergangenen November hatte er beim 3:3 in der Ukraine drei Tore in einer Halbzeit kassiert, aber dennoch eine gute Leistung gezeigt und Lob geerntet.
Ende Mai gab Löw ihm den Vorzug gegenüber ter Stegen und nahm ihn als Nummer drei mit zur EM.
Wiese wohl ohne Zukunft
In Polen und der Ukraine war Tim Wiese noch die Nummer zwei hinter Neuer, doch der Neu-Hoffenheimer wurde von Löw nicht für das Argentinien-Spiel eingeladen.
Auch wenn der Bundestrainer beteuerte, für Wiese sei die Tür nicht endgültig zu, hat er wohl keine Zukunft mehr im DFB-Team.
Für den Ex-Bremer spricht zwar seine Erfahrung in Champions-League-Spielen mit Werder, doch Löw und sein Trainerteam betonten, man wolle hinter Neuer verstärkt auf junge Torhüter setzen.
Leno und Baumann hoffen
Leverkusens Bernd Leno (20), der am Dienstag beim 6:1 gegen Argentinien sein Debüt in der U-21-Auswahl gab, und Oliver Baumann (22/SC Freiburg) dürfen hoffen.
Vielleicht auch Rene Adler, der 2010 als Nummer eins gesetzt, die WM verletzungsbedingt verpasste. Lenos Vorgänger in Leverkusen startet beim Hamburger SV einen Neuanfang.
"Ich versuche, mich in der Bundesliga und in der U 21 zu präsentieren, der Rest kommt von alleine", sagte Leno zu SPORT1.
Zieler, der übrigens für ein Testspiel gesperrt wurde, konzentriert sich ebenfalls auf bevorstehende Aufgaben.
"Ich bin keiner, der zurückschaut oder herum trauert", meinte Zieler zu SPORT1: "Das Leben geht weiter, am nächsten Samstag beginnt erst einmal die Bundesliga."
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