Nicht effektiv, zu offen, aber angriffslustig
Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch und Matthias Becker
Frankfurt/Main - Es war einer dieser Abende, an denen einfach nichts funktionierte.
Zuerst wollte der Ball nicht ins gegnerische Tor, dann dezimierte sich die deutsche Elf selbst, ein Eigentor und zwei Geniestreiche der Gäste führten schliesslich zu einem 0:3-Rückstand.
"Der Spielverlauf war einfach gegen uns", fasste Bundestrainer Joachim Löw nach dem 1:3 gegen Argentinien zusammen.
Die Partie könnte aus Sicht der deutschen Nationalmannschaft unter der Rubrik "unglückliche Niederlage" abgeheftet werden, doch das allein träfe den Kern der Sache nicht.
Denn die Schwachstellen, die Löws Team gegen die Südamerikaner um Superstar Lionel Messi offenbarte, waren die altbekannten.
Fehlende Durchschlagskraft in der Offensive, Konzentrationsschwächen in der Abwehr und individuelle Fehler hatten schon zum Halbfinal-Aus bei der EM in Polen und der Ukraine geführt.
Torchancen nicht genutzt
48 Tage nach dem 1:2 gegen Italien begann die deutsche Auswahl wie in Warschau gut, erspielte sich Torchancen, die sie jedoch nicht nutzte.
Allen voran Mesut Özil, der gleich zwei vergab. Auch bei der EM hatte der Spielmacher die nötige Konsequenz im Abschluss vermissen lassen. "Wir hatten viele Ballgewinne, viele Möglichkeiten. Die Chancenverwertung gilt es zu verbessern", urteilte Löw.
"Die Effektivität ist in der Weltspitze wichtig", erklärte Teammanager Oliver Bierhoff. Er muss es wissen, schoss er doch bei der EM 1996 Deutschland mit zwei Toren zum bislang letzten Titel.
Özil mit Kunstpausen
Özil leistete sich zudem, wie phasenweise bei der EM, immer wieder Kunstpausen. Zu seiner Entschuldigung könnte man anführen, dass er erst kurz vor dem Spiel von einer anstrengenden USA-Reise mit Real Madrid zum Team gestossen war.
Aber sein Vereinskollege Sami Khedira, dem auch die zweiwöchige Tour mit vier Testspielen in den Knochen steckte, trat wesentlich dynamischer auf.
Sehr gute Ansätze zeigte Marco Reus. Der Dortmunder spielte frech auf, hatte besonders in der Anfangsphase einige starke Szenen.
"Er hat grosse Fähigkeiten, das hat man gesehen", meinte Löw und ergänzte: "Ich war sehr zufrieden mit den ersten 25 Minuten."
Klose beweglich und anspielbar
Auch Miroslav Klose war als Sturmspitze beweglich und immer anspielbar, doch er bekam insgesamt zu wenige Bälle, was natürlich auch mit der Unterzahl des DFB-Teams zusammenhing.
"Nach der Roten Karte und dem Eigentor war es in Unterzahl nicht einfach, einen Zugriff auf das Spiel zu bekommen", analysierte Löw.
"Heute waren leider gewisse Dinge da, die uns unserer Chance beraubt haben. Es war mehr drin", fasste Lars Bender zusammen, der im zentralen Mittelfeld an der Seite von Khedira spielte und seine Aufgabe ordentlich löste.
Defensivleistung nicht zufriedenstellend
Nicht zufriedenstellend war hingegen die Defensivleistung. Vor allem im Abwehrzentrum taten sich Lücken auf, die zu Chancen für Argentinien führten.
"In einigen Situationen hätten wir das besser lösen können. In Unterzahl haben wir das Zentrum zu früh aufgemacht", gestand Löw ein und ergänzte: "Das war in Unterzahl gar nicht nötig. Das müssen wir besser machen, keine Frage."
Jerome Boateng, der auf der rechten Abwehrseite begann und nach Mats Hummels' früher Verletzung den Dortmunder in der Innenverteidigung ersetzte, hatte zwar auch gute Szenen, wirkte aber insgesamt fahrig.
Abwehr nicht sattelfest
Die Abwehr war nicht sattelfest, hatte allerdings in der Konstellation mit Boateng, Holger Badstuber, Benedikt Höwedes und Marcel Schmelzer noch nie zusammengespielt.
Hinter der Abwehr absolvierten die Torhüter Ron-Robert Zieler und Marc-Andre ter Stegen jeweils erst ihr zweites Länderspiel.
Zieler leitete mit seinem Foul an Jose Sosa und seinem Platzverweis die Niederlage ein, auch wenn ter Stegen den anschliessenden Strafstoss von Messi hielt. In Unterzahl hatte das DFB-Team nicht mehr die Kraft, das Spiel in der zweiten Halbzeit umzubiegen.
Löw nicht ganz unzufrieden
Löw war am Ende trotz der Niederlage nicht ganz unzufrieden.
"Was wir in der Vergangenheit nicht so geschafft haben, den Gegner früh anzugreifen, ist in einigen Situationen gelungen. Wir hatten einige gute Aktionen", stellte er fest.
Nun gilt es, für die im September den Spielen gegen die Färöer und Österreich beginnende WM-Qualifikation die richtigen Schlüsse zu ziehen.
"Ich kann taktische Dinge herausziehen, Spieler einschätzen, ob sie Fehler gemacht haben", sagte der Bundestrainer: "Aber ich kann keinem Spieler einen Vorwurf machen, dass er nicht alles gegeben hat."
SPORT1











