Van Gaals missglückter Einstand: ''Ich war geschockt''
München - Louis van Gaal war zu verblüfft, um so richtig aus der Haut zu fahren.
Die fünf rabenschwarzen Minuten bei seiner Rückkehr als Bondscoach der niederländischen Nationalmannschaft nahm der 61-Jährige mit versteinerter Miene zur Kenntnis.
Doch in ihm brodelte es gewaltig. "Ich war geschockt von den individuellen Fehlern. So kann man nicht gewinnen", sagte van Gaal nach dem 2:4 (0:1) im Nachbarschaftsduell in Brüssel gegen Belgien (Bericht).
Drei Gegentreffer zwischen der 75. und 80. Minute hatten dem neuen Bondscoach den Start in seine zweite Amtszeit bei der Elftal mächtig verhagelt.
"Noch viel Arbeit"
Van Gaal machte keinen Hehl daraus, dass er sich seine Rückkehr auf die Trainerbank 16 Monate nach seiner Entlassung beim deutschen Rekordmeister Bayern München anders vorgestellt hatte.
Auch Offensivstar Arjen Robben, der anders als bei den Bayern auf der linken Angriffsseite wirbelte, gab zu: "Es gibt noch viel Arbeit in unserem Laden."
Die Pleite gegen den ungeliebten Nachbarn bedeutete die vierte Niederlage in Folge für die Niederlande, die das EM-Debakel trotz Trainerwechsel noch nicht verdaut zu haben scheint.
Schlechteste Serie seit 1954
So eine Negativserie hat Oranje seit 1954 nicht mehr erlebt. Bis zum Auftakt der WM-Qualifikation am 7. September gegen die Türkei wartet auf van Gaal noch viel Arbeit.
"Wir müssen uns verbessern, aber ich habe nur wenig Zeit", sagte der Nachfolger von Bert van Marwijk.
Grund zur Freude hatten jedoch Klaas-Jan Huntelaar und Rafael van der Vaart.
Der Schalker Huntelaar erhielt von van Gaal den Vorzug vor Robin van Persie und zahlte das Vertrauen mit dem Treffer zum zwischenzeitlichen 2:1 (55.) zurück.
Der ehemalige Hamburger Profi van der Vaart feierte mit seinem 100. Länderspiel ein Jubiläum.
Frankreich und Russland Remis
Auch für Didier Deschamps und Fabio Capello verliefen die Trainer-Premieren alles andere als optimal.
Deschamps musste sich im ersten Spiel als neuer Nationaltrainer Frankreichs in Le Havre gegen Uruguay mit einem torlosen Remis begnügen.
Der Italiener Capello kam bei seinem Debüt mit Russland gegen die Elfenbeinküste nicht über ein 1:1 (0:0) hinaus.
Skandal um Scharner
Seine Zukunft im österreichischen Nationalmannschaft hat derweil Paul Scharner verspielt - zumindest unter Trainer Marcel Koller.
Der Neuzugang des Hamburger SV hatte vor dem 2:0-Sieg des deutschen Gruppengegners in der WM-Qualifikation gegen die Türkei für einen Eklat gesorgt, indem er das Trainingslager eigenmächtig verlassen hatte.
Der skandalfreudige Scharner hatte von Koller eine Stammplatzgarantie gefordert, die der ihm jedoch verweigert wurde. "Unter mir wird er sicher nicht mehr spielen", sagte Koller.
Koller "wie ein Schnitzel weich geklopft"
Scharner schoss zurück: "Mit Koller kommen wir nie zur WM. Er ist wie ein Schnitzel weich geklopft worden, jetzt müssen sie ihn nur noch panieren. Dann ist er ein richtiger Österreicher."
Koller ist Schweizer. Aber das ist aus Sicht Scharners nicht sein grösster Fehler.
Vielmehr habe sich Koller daran versündigt, dem als Dickkopf bekannten Innenverteidiger für die anstehende Qualifikation zur WM in Brasilien 2014 nicht den eingeforderten Stammplatz zuzusprechen.
"Wenn jemand mit mir umspringt wie mit einem jungen Trottel, bin ich tief beleidigt", moserte Scharner.
Zum Abschied kündigte er noch an, Koller einen Brief "mit klaren Fakten und Ansagen" schreiben zu wollen.
SPORT1

