Der ganz normale Messi-Wahnsinn
Aus Frankfurt berichtet Matthias Becker
Frankfurt/Main - Immerhin ein deutscher Fan ging am Mittwochabend doch noch vollends beglückt nach Hause.
In der 90. Minute stürmte der wild entschlossene junge Mann auf den Rasen der Frankfurter Arena und kannte nur ein Ziel: den Mittelkreis.
Da wartete Weltfussballer Lionel Messi gerade auf den Abpfiff zum 3:1-Erfolg der Argentinier gegen das DFB-Team .
Er nahm das Angebot des Flitzers zum Handschlag höflich an, der Eindringling liess sich anschliessend widerstandslos vom Platz geleiten - er hatte sein Ziel erreicht.
Bejubelt schon vor dem Spiel
Irgendwie drehte sich auch an diesem Abend mal wieder alles nur um Messi bei der argentinischen Nationalmannschaft.
Als sein Name bei der Mannschaftsaufstellung verlesen wurde, jubelten die 48.000 Zuschauer - egal ob Anhänger der deutschen Elf oder der Albiceleste - als sei Deutschland gerade durch ein Traumtor mit 1:0 in Führung gegangen.
Und als Messi sich eine Stunde nach Schlusspfiff in den Katakomben des Stadions den TV-Kameras stellte, verloren die argentinischen und internationalen Journalisten die Contenance und überrannten die Absperrungen, um ihm nah zu kommen.
Ganz normaler Wahnsinn
Nur dem beherzten Eingreifen der Ordner, die einen menschlichen Schutzring um den kleinen Künstler bildeten, war es zu verdanken, dass Messi nicht an der Wand zerdrückt wurde wie eine Fliege.
Dass der 25-Jährige trotzdem freundlich Fragen beantwortete, zeigt, dass er diesen Wahnsinn gewohnt ist. So ist es eben, wenn man der Beste der Welt ist.
Lob vom Trainer
Dabei hatte der Kapitän der Argentinier gemessen an seinen Massstäben gar keinen überragenden Auftritt gezeigt.
In Halbzeit eins war er bei Lars Bender und dem Rest der deutschen Defensive gut aufgehoben, scheiterte zudem mit einem schwach geschossenen Elfmeter an Marc-Andre ter Stegen .
"Der Elfer war einfach zu schlecht geschossen", gestand Messi selbstkritisch ein.
Der traumwandlerisch sichere Abschluss zum 2:0 und einige feine Einzelaktionen sorgten im zweiten Abschnitt aber doch noch für ein Raunen im Publikum.
"Messis Leistung war vor allem in der zweiten Halbzeit gut. Er hat ein Tor gemacht, den Pfosten getroffen und viele gute Pässe gespielt", lobte der argentinische Nationaltrainer Alejandro Sabella seinen Superstar.
Keine One-Man-Show
Seit Sabellas Amtsantritt hat Messi im Nationaltrikot zehn Tore geschossen, gegen Deutschland traf er zum fünften Mal in Folge.
Und doch war es keine One-Man-Show, die zum Sieg der Gäste führte. Auch die übrigen Offensivkräfte der Albiceleste sorgten für viel Betrieb.
Gonzalo Higuain liess sich auch vom frühen Zusammenprall mit Mats Hummels nicht bremsen und riss als kraftvoller Stossstürmer immer wieder Lücken in die deutsche Abwehr.
Angel di Maria war an allen drei Toren beteiligt und auch der nach der Pause eingewechselte Sergio Agüero fügte sich nahtlos ein.
In der Heimat wurde der Erfolg wohlwollend aufgenommen. "Ein 3:1 gegen Deutschland ist nicht gerade wenig. Das muss gefeiert werden. Das Team hat einen Schritt nach vorne gemacht", bilanzierte "Ole".
Messi hofft auf Schub für WM-Quali
Vor allem der Platzverweis gegen Ron-Robert Zieler kam den Argentiniern natürlich entgegen.
"In Überzahl konnten wir den Ball laufen lassen, haben das Spiel kontrolliert und letztlich auch verdient gewonnen", sagte Messi. Er freute sich vor allem über den Schub, den der Erfolg gegen die "Weltmacht" Deutschland für die WM-Qualifikation geben kann:
"Wir haben jetzt mehrere wichtige Siege in Folge eingefahren. Es ist schon lange her, dass uns so etwas gelungen ist. Wir haben den Weg gefunden, setzen uns gegen starke Gegner durch und suchen unser Heil in der Offensive."
Gutes Verständnis beim Offensiv-Trio
Vor allem Messis gutes Verständnis mit den Kollegen Higuain und Agüero tut dem argentinischen Spiel gut und gibt Hoffnung für den Kampf um die Tickets für die WM bei Erzrivale Brasilien.
"Mit drei vorne drin läuft es einfacher. Es hängt natürlich davon ab, was der Trainer haben will. Aber die letzten Male, als er uns so spielen liess, lief es gut", erklärte Messi.
Komplimente für die Abwehr
Coach Sabellas Augenmerk liegt aber auch darauf, die Defensive des zweimaligen Weltmeisters wetterfest zu machen.
"Die Abwehr war besser als gegen Brasilien. Ich bin zufrieden mit der Leistung meiner Abwehrspieler", sagte Abella.
Marcos Rojo, Pablo Zabeleta und Co. konnten die Frankfurter Arena aber gänzlich unbehelligt von Flitzern oder Reportern verlassen.
Lionel Messi stand da noch hinter dem menschlichen Schutzring und posierte für Fotos.
SPORT1











