Pleiten, Pech und Pannen statt Wiedergutmachung
Vom DFB-Team berichten Matthias Becker und Thorsten Mesch
Frankfurt/Main - In der Neuauflage der WM-Viertelfinals von 2010 und 2006 unterlag das DFB-Team in Frankfurt gegen Argentinien deutlich mit 1:3 (0:1).
48 Tage nach der bitteren Niederlage im EM-Halbfinale sorgten ein Eigentor von Sami Khedira (45.+1 ) sowie Treffer von Weltfussballer Lionel Messi (52.) und Angel di Maria (73.) für den nächsten Nackenschlag.
Innenverteidiger Benedikt Höwedes erzielte das einzige Tor für die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw, die nach einer Roten Karte gegen Torhüter Ron-Robert Zieler wegen Notbremse 60 Minuten in Unterzahl auskommen musste.
"Einige taktische Fehler gemacht"
"Wir haben 20, 25 Minuten sehr gut angefangen. Die Rote Karte hat uns ins Hintertreffen gebracht. Dann kam auch noch das Eigentor hinzu. Danach war es schwer für uns gegen so Klasseleute wie Messi, Higuain oder di Maria. Wir haben einige taktische Fehler gemacht, aber die Spieler haben alles gegeben", sagte Löw in einer ersten Analyse.
"Wir hatten uns viel vorgenommen. Bis zur Roten Karte haben wir vieles sehr gut umgesetzt. Danach war es schwer für uns. Das Ergebnis war letztendlich verdient", sagte Khedira. Kapitän Miroslav Klose sprach von einem "kuriosen Länderspiel".
Starker Beginn dank Reus
Einen Neustart wollte die Löw-Elf gegen Argentinien wagen, hatte Marco Reus am Tag vor dem Spiel gesagt. Und er selbst gab die Richtung vor.
Als er vor der Partie die Auszeichnung als Fussballer des Jahres entgegen nahm, brandete der Applaus in der ausverkauften Frankfurter Arena sogar lauter auf als in dem Moment, als bekanntgegeben wurde, dass Superstar Messi von Beginn an spielen würde.
Schon nach drei Minuten hatten die deutschen Fans erneut den Jubel auf den Lippen. Statt selbst abzuschliessen legte Reus nach einem herrlichen Dribbling aber noch mal quer - und fand keinen Abnehmer.
Bender statt Kroos in der Startelf
Falls die DFB-Anhänger wegen des EM-Aus tatsächlich verstimmt gewesen sein sollten, blühte die Liebe zur Mannschaft schnell wieder auf.
Denn das deutsche Team, in dem überraschend Lars Bender statt Toni Kroos als zweiter Sechser neben Khedira auflief, zeigte sich zu Beginn beweglich, spielfreudig und kombinierte schnell in die Spitze.
Allerdings liess der Abschluss wieder mal zu wünschen übrig, Mesut Özil scheiterte nach schöner Vorarbeit von Ersatz-Kapitän Miroslav Klose freistehend aus kurzer Distanz an Argentiniens Torhüter Sergio Romero (12.), Marcel Schmelzer passte lieber in die Mitte, als freistehend abzuziehen (42.).
Pechsträhne lässt Spiel kippen
Superstar Messi fand zunächst nicht richtig in die Partie, die besten Gelegenheiten hatten trotzdem die Argentinier. Zunächst verpasste Gonzalo Higuain aus fünf Metern die Führung (9.), dann köpfte Ezequiel Garay nach einer Messi-Ecke über das Tor (23.).
Eine wahre deutsche Pechsträhne liess das Spiel dann kippen. Zunächst musste Mats Hummels nach einem Zusammenprall mit Higuain wegen einer leichten Halswirbelverrenkung ausgewechselt werden (25.).
Fünf Minuten später legte Neuer-Ersatz Zieler den alleine auf ihn zustürmenden Ex-Bayern-Profi Jose Sosa im Strafraum und flog vom Platz.
Khedira überwindet ter Stegen
Es war im 863. Länderspiel der erste Platzverweis für einen deutschen Torhüter überhaupt.
Den fälligen Elfmeter schob Messi dem eingewechselten Marc-Andre ter Stegen unter lautem Gejohle der Zuschauer zwar noch in die Arme. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte musste er aber doch noch hinter sich greifen.
Nach einer Ecke von links überlistete Khedira seinen Schlusmann per Querschläger und machte den Pannen-Hattrick für das Löw-Team perfekt.
Messi trifft per Flachschuss
Auch nach der Pause wurde die deutsche Mannschaft nicht gerade vom Glück geküsst. Reus traf per Fernschuss nur den Pfosten. Im Nachsetzen versenkte Özil zwar den Ball im Netz, stand aber im Abseits (49.).
Auf der Gegenseite liess Messi dann kurz seine ganze Klasse aufblitzen und versenkte nach Vorarbeit von Higuain mit links gnadenlos flach zum 2:0.
Bei immer noch fast 30 Grad machte sich die deutsche Unterzahl nicht nur bei dieser Szene mehr und mehr bemerkbar. Messi lupfte den Ball nach einer starken Einzelaktion haarscharf neben den rechten Pfosten.
Premiere für Höwedes
Löw reagierte und brachte mit Andre Schürrle, Ilkay Gündogan und Toni Kroos drei frische Kräfte. Schürrle scheiterte mit einem Rechtsschuss aus 20 Metern nur knapp an Romero (68.).
Das Tor machten, mal wieder, die Argentinier. Angel di Maria liess mit einem 35-Meter-Kracher ter Stegen alt aussehen. Kurz darauf traf Messi auch noch den Pfosten.
Zwar gelang Benedikt Höwedes mit seinem ersten Länderspieltor nach schöner Götze-Vorarbeit noch der Ehrentreffer, aber auch so blieb unter dem Strich ein unglücklicher und ernüchternder Abend für das DFB-Team stehen.

