Deutsche Sechserpacker: Bereit für Höheres
Von der U-21-Auswahl berichtet Thorsten Mesch
Offenbach - Mit einem offenen Lachen ging Lewis Holtby vom Rasen direkt zu den wartenden Journalisten.
Der Kapitän der deutschen U-21-Auswahl war hochzufrieden, denn seine Mannschaft hatte gerade einen Kantersieg gefeiert und er selbst hatte zwei Tore beigesteuert.
"Wer hätte vor dem Spiel gedacht, dass wir gegen eine Fussballnation wie Argentinien 6:1 gewinnen?", meinte der Mittelfeldspieler und ergänzte: "Auch wenn heute noch nicht alles perfekt war, war es ein sehr schöner Abend."
Das fanden auch die 4822 Zuschauer im neuen Stadion am Bieberer Berg.
In Offenbach sehen die Fans sonst nur Drittligafussball, der heimische OFC krebst nach fünf Spieltagen im Tabellenkeller herum.
Playoff-Teilnahme nach acht Siegen fix
Am Dienstagabend sahen sie ein mit Bundesligaspielern gespicktes Team, das nach der verpassten Olympia-Teilnahme ein grosses Ziel vor Augen hat.
"Wir wollen uns für die EM qualifizieren und Europameister werden", erklärte Holtby.
Die Chancen auf die Teilnahme am Turnier in Israel stehen gut.
Nach acht Siegen ist die Mannschaft von Trainer Rainer Adrion bereits für die Playoffs im Oktober qualifiziert.
Adrion freut sich
Die letzten beiden Gruppenspiele gegen Weissrussland und Bosnien-Herzegowina sollen Testläufe sein - genau wie die Partie gegen Argentinien.
"Es war ein tolles Ergebnis und eine tolle Leistung", freute sich Adrion.
Für den Coach und sein Team war es das erste Spiel nach mehrmonatiger Pause und eins unter nicht ganz einfachen Voraussetzungen.
"Weiter demütig spielen"
"Wir hatten eine kurze Vorbereitung, erst Montagmorgen waren alle Leute da", berichtete Adrion, der umso zufriedener war: "Kompliment an die Mannschaft. Man hat die Spielfreude, Einsatzbereitschaft und Identifikation mit unseren Zielen gemerkt."
Schliesslich gehe es darum, "uns auf die Playoff-Spiele für Israel im Oktober vorzubereiten".
"Mit acht Siegen aus acht Spielen verschafft man sich Respekt", meinte Holtby, "aber wir werden einfach versuchen, weiter demütig Fussball zu spielen und nicht arrogant zu werden."
Dutt lobt das Team
Lob bekamen Holtby und Co. nicht nur vom Trainer, sondern auch von ihrem neuen Chef.
"Sehr schöne Tore, sehr hohe Spielfreude, viele One-Touch-Situationen", fasste DFB-Sportdirektor Robin Dutt zusammen.
Für die Tore hatten beim 6:1 (2:1) gegen die nach dem Seitenwechsel abbauenden Argentinier neben Holtby auch jeweils zweimal Maximilan Beister vom Hamburger SV und der eingewechselte Neu-Hoffenheimer Kevin Volland gesorgt.
Leno hat Geduld
Volland gab ebenso sein Debüt in der U 21 wie sein Klubkollege Stefan Thesker, Nürnbergs Sebastian Polter, Oliver Sorg (SC Freiburg), Karim Bellarabi (Bayer Leverkusen) und sein Vereinskamerad Bernd Leno.
"Es war schön, in der U 21 zu spielen. Es ist zwar eine Stufe unter der A-Nationalmannschaft, aber es ist schon etwas Besonderes", sagte Leno zu SPORT1.
Über seine Chancen, mittelfristig auch in die A-Nationalmannschaft eingeladen zu werden, macht sich der Torhüter keinen Kopf.
"Ich weiss, dass ich Qualitäten habe, aber ich bin trotzdem erst 20 Jahre alt. Das darf man auch nicht vergessen", meinte Leno: "Ich versuche, mich in der Bundesliga und in der U 21 zu präsentieren, der Rest kommt von alleine."
Holtby weiss um Konkurrenz
So sieht es auch Holtby, der sich für höhere Aufgaben empfahl, aber um die grosse Konkurrenz im DFB-Team weiss.
"Man muss die Geduld nicht verlieren, aber man darf auch nicht vergessen, dass wir eine starke A-Nationalmannschaft haben, die auf jeder Position doppelt oder sogar dreifach besetzt ist", sagte der Schalker.
Wenn aber doch irgendwann einmal die Einladung von Joachim Löw käme, "würde sicher die eine oder andere Freudenträne kommen."
SPORT1











