Vom Schattenmann zum Messi-Entfessler
Vom DFB-Team berichtet Matthias Becker
Frankfurt/Main - Für Alejandro Sabella ist es nichts Neues, nicht unbedingt die erste Wahl zu sein.
1978 habe Sheffield United grosses Interesse an einem 17 Jahre alten argentinischen Mittelfeldtalent namens Diego Maradona gehabt, schreibt das englische Fussball-Magazin "FourFourTwo".
Der Transfer sei nicht zu stemmen gewesen, deshalb verschlug es letztlich den sechs Jahre älteren Sabella nach Sheffield.
"Ich weiss nicht, ob sie Maradona wirklich wollten", wiegelt der im Gespräch mit dem Magazin ab.
Für Sabella war der Gang nach England aber kein schlechter. Zwar stieg Sheffield in seiner ersten Saison ab, er selbst hinterliess aber einen derart guten Eindruck, dass er 2000 ins Jahrhundertteam von United gewählt wurde - und als Magier am Ball in Erinnerung blieb.
Standortbestimmung gegen DFB-Team
Als Magier gilt Sabella auch jetzt, in seiner zweiten Karriere als Trainer. Die Fans von Estudiantes de la Plata verliehen ihm diesen Titel, nachdem er den Klub 2009 im ersten Jahr seiner Tätigkeit zum Gewinn der Copa Libertadores, der südamerikanischen Championsleague, führte.
Sein Ruf hat ihn bis ins Amt des argentinischen Nationaltrainers gespült, mit der Albiceleste steht er gegen Deutschland (ab 20.15 Uhr) vor einer wichtigen Standortbestimmung.
"Das ist ein sehr wichtiger und ernster Test, weil wir gegen eine der besten Mannschaften der Welt spielen", sagt Sabella auf "dfb.de".
Dritter Trainer in zwei Jahren
Nach Jahren voller Enttäuschungen soll der 57-Jährige das Nationalmannschaft wieder zum Stolz des Landes machen. Diese Aufgabe traute der Verband AFA auch Maradona einst zu.
Im Gegensatz zu Sheffield bekam die AFA den Weltmeister von 1986 zwar, nach dem tränenreichen Debakel gegen das DFB-Team im WM-Viertelfinale 2010 musste aber sogar Maradona gehen.
Das frühzeitige Aus bei der Copa America 2011 im eigenen Land kostete Nachfolger Sergio Batista den Job - Sabella übernahm.
Lob für Löw
Der hat von seinen bisherigen elf Partien als Chef-Coach immerhin knapp zwei Drittel gewonnen. Viel wichtiger noch: Im Gegensatz zu Maradona hat er offenbar nicht nur die emotionale Ansprache ans Team drauf, sondern auch das nötige Fachwerkzeug.
Vor seinem Erfolg mit Estudiantes war er lange Jahre als Assistent tätig, unter anderem auch bei der Nationalmannschaft. Ein Lebenslauf, der ihn mit dem deutschen Bundestrainer Joachim Löw verbindet.
Grossen Respekt habe er vor dessen Arbeit, versichert Sabella. Zu den traditionell körperlich-taktischen Fähigkeiten sei auch "ein spielerisch-technischer Reichtum hinzugekommen".
Vertrauen in Messi
Wie Löw strebt auch Sabella ein konsequentes Spiel nach vorne an. Kein Wunder, stehen ihm mit Lionel Messi, Sergio Agüero, Angel di Maria und Gonzalo Higuain doch einige der weltbesten Offensivkünstler zur Verfügung.
"Ich bevorzuge ein 4-3-3, weil uns das mehr Offensivkraft gibt", erklärt Sabella "FourFourTwo". Insgesamt sei das Spiel der Albiceleste nun vertikaler ausgerichtet, was vor allem Messi, in der Nationalmannschaft oft gehemmt und stark kritisiert, entgegenkomme.
"Messi in der Mannschaft zu haben, kann überhaupt nichts Negatives sein. Er ist ein Geschenk - alle Argentinier sollten froh sein, ihn zu haben", fordert Sabella.
"Kein Spieler kann alles alleine machen"
Der dreimalige Weltfussballer, seit Amtsantritt des Trainers Kapitän, zahlt das Vertrauen zurück.
Nach eher schleppendem Start in die Qualifikation zur WM 2014 in Brasilien traf der Superstar sowohl beim 3:1 in der Schweiz als auch beim Test gegen Erzrivale Brasilien dreifach - den spektakulären Siegtreffer zum 4:3 inklusive.
"Wir sprechen hier von einem grossartigen Spieler, der eigentlich überhaupt nicht schlecht spielen kann", schwärmt Sabella, weiss aber auch: "Kein Spieler kann alles alleine machen."
Krönung bei der WM?
Wenn das Team funktioniert, muss er das ja auch nicht. Siehe Barcelona.
Messi die Unterstützung durch System und Kollegen zu geben, damit er seine einzigartigen Fähigkeiten auch beim Nationalteam in einem grossen Turnier abruft, wird die wichtigste Aufgabe für Alejandro Sabella bleiben.
Gelingt das, wird der ehemalige Schattenmann vom Magier ja vielleicht sogar zum König.
SPORT1











