Potenzial ohne Ende, leichtfüssig wie Messi
Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch
Frankfurt/Main - Natürlich fehlt Marco Reus noch einiges zu Lionel Messi.
Der Superstar der argentinischen Nationalmannschaft, die am Mittwoch (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) auf das DFB-Team trifft, hat fünf Meisterschaften und drei Champions-League-Titel mit dem FC Barcelona gewonnen und 170 Tore dabei erzielt. Und er ist amtierender Weltfussballer.
Reus' Erfolgsbilanz ist bei weitem nicht so umfangreich, als "deutscher Messi" wird er in diesen Tagen trotzdem öfters bezeichnet.
Und einen Titel darf der 23-Jährige auch seit ein paar Tagen tragen: Deutschlands Fussballer des Jahres.
Auszeichnung als Ansporn
"Ich freue mich sehr darüber", sagte Reus. Der Titel sei "eine grosse Auszeichnung und ein riesiger Ansporn, um mich weiterzuentwickeln."
Dank seiner überragenden Saison in Gladbach, das in der kommenden Woche um den Einzug in die Championsleague spielt, erhielt Reus die mit Abstand meisten Stimmen und gewann die Wahl vor Mats Hummels.
Sticheleien von seinem neuen Dortmunder Vereinskollegen und Teamkameraden in der Nationalmannschaft musste Reus nicht ertragen.
"Wir kennen Mats alle, er hat immer einen Spruch auf Lager, aber er hat sich mir gegenüber zurückgehalten, was sehr erstaunlich war", meint Reus.
Noch einen Schritt nach vorne machen
Als echter Dortmunder Junge ist er an lockere Sprüche gewöhnt.
Beim BVB lernte er in der Jugend des BVB das Kicken. In der Stadt und im Verein fühlt er sich "superwohl" und hofft, "dass ich unter Jürgen Klopp noch einen Schritt nach vorne machen kann."
Lobeshymne von Favre
Sein ehemaliger Gladbacher Trainer weint Reus mehr als nur eine Träne nach.
"Ihn zu ersetzten ist total unmöglich", klagt Favre. Reus habe "noch so viel Potenzial, das ahnt man in Deutschland noch gar nicht", lobt der Schweizer den offensiven Mittelfeldspieler, der auch im Sturm eine sehr gute Figur abgibt.
"Sein Spielverständnis, seine Spielintelligenz. Das habe ich in meinem ganzen Leben sehr selten gesehen", schwärmt Favre: "Er antizipiert unglaublich, er spürt, was er machen muss."
"Wie Messi, Xavi oder Pique"
Reus zusammen mit anderen Leistungsträgern wie Roman Neustädter und Dante zu verlieren, das sei "wie wenn Barcelona Messi, Xavi und Pique abgeben muss", sagt Gladbachs Coach im Bundesliga Sonderheft von SPORT1.
Dass Favre ihm zutraue, eines Tages bei einem Klub wie Barcelona zu spielen, sei eine Ehre "und ich nehme das als Lob natürlich an", sagt Reus, "aber ich kann die Dinge ganz gut einschätzen und weiss genau, was ich noch lernen muss und wo ich mich im Training verbessern will."
Reus müsse "natürlich noch einige Schritte machen", weiss auch Favre: "Aber wenn er so weitermacht, im Kopf klar bleibt, dann steht ihm eine super Karriere bevor."
Auf den EM-Zug aufgesprungen
Vor knapp einem Jahr debütierte Reus in der A-Nationalmannschaft.
Nach seiner überragenden Saison in Mönchengladbach, starken Leistungen im Trainingslager in Südfrankreich, einem sehr guten Auftritt und einem Treffer beim 3:5 in der Schweiz Ende Mai gab es keinen Zweifel an seiner EM-Teilnahme.
In Polen und der Ukraine musste er jedoch bis zum Viertelfinale auf seinen ersten Einsatz warten. Beim 4:1 gegen Griechenland stand er dann in der Startelf und erzielte gleich ein Tor.
Aufschwung gegen Italien
Im Halbfinale gegen Italien brachte er nach seiner Einwechslung zur zweiten Hälfte frischen Wind ins deutsche Spiel, konnte aber das Ausscheiden nicht verhindern.
"Die EM ist nicht so gelaufen, wie wir es uns vorgestellt haben", gibt er zu. "Wir wollen einen richtigen Neustart machen und damit gegen Argentinien anfangen."
Ein Trost dürfte jedoch sein, dass er dennoch beim Bundestrainer einen sehr guten Eindruck hinterlassen hat.
"In den Vordergrund gespielt"
"Marco Reus hat sich bei der EM mit seiner Spielweise in den Vordergrund gespielt", sagt Löw und betont: "Die jungen Spieler wie er oder Mario Götze werden in Zukunft mehr in den Fokus rücken."
Gegen Argentinien wird er den 17,1 Millionen-Mann wohl zunächst auf der rechten Seite einsetzen, in Dortmund lässt Klopp ihn auf der Zehner-Position des zu Manchester United gewechselten Shinji Kagawa spielen.
"Ich mag diese Position sehr", sagt Reus, sie erinnert ihn an seine Rolle in Gladbach als zweite Spitze, die ihm Favre verordnet hatte.
Für ihn sei Reus "auf jeden Fall ein Stürmer, aber einer, der seine Freiheit braucht", findet Favre.
Auf Messis Spuren?
"Ich würde ihn gerne ganz, ganz vorne sehen", hatte Löw vor der EM erklärt. Da Mario Gomez verletzt ist und Miroslav Klose als einziger Angreifer im DFB-Aufgebot steht, könnte Reus gegen Argentinien auch als falscher Neuner zum Einsatz kommen. Wie Messi in Barcelona.
Vom Superstar der Argentinier ist der deutsche Shootingstar begeistert. "Ich habe selten einen Spieler gesehen, der sich so leichtfüssig bewegt, es macht einfach Spass, ihm zuzusehen", schwärmt er.
Wenn er nicht so bescheiden wäre, wäre das ein Satz, den er auch über sich selbst sagen könnte.
SPORT1











