Aggressive Bayern verdienen sich Streicheleinheit
Vom Supercup berichten Mathias Frohnapfel und Matthias Becker
München - Bernie legte Arjen Robben den Arm auf die Schulter oder herzte Robben das Bayern-Maskottchen?
Egal wie, das Bild wenige Minuten vor der Pokal-Übergabe in der Allianz Arena hatte Symbolcharakter:
Die Bayern hatten nach zwei Jahren Abstinenz mal wieder einen Titel für ihre Sammlung eingeheimst und zugleich einiges für den innerbetrieblichen Frieden getan .
Dass der 53 Zentimeter hohe Supercup verglichen mit Meisterschaft und Pokal ein Leichtgewicht darstellt: Ja mei, meinten die Bayern-Stars nach dem 2:1-Erfolg über Double-Sieger Borussia Dortmund .
Bayern mit Ausrufezeichen
"Es war wichtig für uns, ein Zeichen zu setzen", sagte Robben nach dem Ende der Pleitenserie von fünf Niederlagen gegen Schwarz-Gelb.
Noch vor zwei Monaten hatten Teile der Fans den eigenwilligen Niederländer im Freundschaftsspiel gegen Holland ausgepfiffen, der Elfmeter-Fehlschuss im Champions-League-Finale brannte wie eine frisch mit Jod versorgte Narbe.
Diesmal gab es nach 65 Minuten Robben-Sprechchöre und der Flügeldribbler war in der ersten Halbzeit Franck Ribery gar aufmunternd mit der Hand durch die Haare gefahren.
2:0 stand es da schon für die Roten und Robben demonstrierte mit der Streicheleinheit auch: Der alte Zwist mit Ribery soll vergessen sein.
Robben hofft auf weitere Titel
"Wir sind auf einem guten Weg, die Organisation hat gestimmt", erklärte Robben anschliessend im Bauch der Münchner Arena.
Und Mario Mandzukic liess vergessen, dass der Torschütze vom Dienst, Mario Gomez, nach seiner OP aktuell auf Krücken unterwegs ist.
Der Neuzugang traf zum 1:0, bereitete das zweite Tor mit einem feinen Zuspiel auf Robben vor, ehe Müller nach dessen Pfostenschuss vollstreckte.
Mandzukic eröffnet den Konkurrenzkampf
Die 13 Millionen Euro, die der FCB an Wolfsburg für Mandzukic überwiesen hat, scheinen gut angelegt. Macht der Kroate so weiter, dürfte spannend werden, wie Trainer Jupp Heynckes nach Gomez' Genesung aufstellt.
"Ich gucke nicht auf mich selbst", stellte Mandzukic dazu kühl fest. "Jetzt müssen wir weitermachen, die besten Titel kommen noch. Wir standen gut auf dem Platz und haben gekämpft."
Den neuen bayerischen Kampfeswillen bekamen vor der Pause BVB-Stürmer Robert Lewandowski und Kollegen zu spüren, als Luiz Gustavo und Jungspund Emre Can kräftig zulangten.
Aggressivität als ein Schlüssel
"Die Mannschaft hat klug und aggressiv gespielt, das hat uns vorher gegen Dortmund gefehlt", kommentierte auch Karl-Heinz Rummenigge.
"Das tut der bayerischen Seele gut, dass wir nach fünf Niederlagen jetzt mal wieder gewonnen haben", sagte der FCB-Vorstandsboss.
Unbeantwortet bleibt die Frage, ob der Bayern-Kader stark genug ist, um nach zwei Jahren dem BVB wieder die Meisterschale zu entreissen.
Die von Präsident Uli Hoeness angekündigte "Bombe" war im bisherigen Einkaufspaket nicht enthalten, auch wenn sich die Neuzugänge wie Mandzukic und Dante bisher gut präsentieren.
Kommt noch eine "Bombe"?
"Wir werden das in Ruhe intern diskutieren, ob das der Kader ist, mit der wir in die Saison gehen", meinte Rummenigge. Dann öffnete er noch rasch Raum für alle Spekulationen und sagte: "Do the unexpected."
Heynckes glaubt dagegen eher nicht an Neuzugänge. "Wir haben einen sehr guten Kader. Ich denke, dass wir mit diesem Kader in die Runde gehen, da die Transfers schwer zu realisieren sind", erklärte er.
Sammer mahnt
Sorgen müssen sich die Münchner lediglich um ihre Verletztenliste: Bastian Schweinsteiger ist auf dem Weg der Besserung, wurde gegen Dortmund aber noch geschont.
Dafür erwischte es Manuel Neuer. Der Nationalkeeper klagte nach der Partie über eine Beckenkammprellung und musste das Länderspiel am Mittwoch gegen Argentinien absagen.
Und auch wenn Sport-Vorstand Matthias Sammer fast schon im Sprint an den Reportern vorbeihetzte, schien auch er einverstanden mit dem Duell gegen seinen Ex-Klub.
"Wenn wir jetzt sagen würden, alles ist gut, wäre das falsch", mahnte er zugleich.
Zorc beklagt "zu viele Fehler"
Sammers früherer Weggefährte beim BVB Michael Zorc verschmerzte die Niederlage derweil rasch.
"Wir sind am Ende nicht belohnt worden, auch weil wir in den ersten 20, 30 Minuten zu unkonzentriert waren, zu viele Fehler gemacht haben", befand Zorc.
Die Analyse von Mats Hummels fiel ähnlich aus. "Die ersten zehn Minuten waren mit und ohne Ball sehr schwach von uns, wir lagen dann verdient hinten", sagte Hummels im Gespräch mit SPORT1.
Ärger über nicht gegebenen Elfer
Zum vermeintlichen Handspiel von Philipp Lahm kurz vor Schluss meinte er nur lakonisch: "In München einen Elfer zu kriegen, ist schon ziemlich schwierig. Da muss einer mit beiden Armen einem ins Gesicht schlagen, damit das passiert."
Jürgen Klopp befand es gerechtfertigt sich über den nicht gegebenen Elfmeter aufzuregen, räumte aber ein: "Wir hatten aber grössere Chancen, als der Elfmeter klar war."
Trotzdem mochte er nicht alles in Grund und Boden reden und erinnerte die BVB-Anhänger an die gute Schlussphase. "Wir hätten das Spiel noch drehen können".
SPORT1



















