Nie mehr DFB-Elf? Wiese ausgebootet
Von Martin Volkmar
München/Frankfurt - Tim Wieses Karriere in der Nationalmannschaft ist nach nur sechs Länderspielen offenbar zu Ende.
Bundestrainer Joachim Löw nominierte den neuen Keeper von 1899 Hoffenheim nicht für das Testspiel am kommenden Mittwoch in Frankfurt gegen Argentinien - und wird wohl auch künftig auf den 30-Jährigen verzichten.
"Hansi Flick und ich haben mit Tim in Hoffenheim ein ausführliches Gespräch geführt", sagte Torwarttrainer Andreas Köpke:
"Wir haben ihm mitgeteilt, dass wir bei unseren Planungen für die WM-Qualifikation zunächst mal stärker auf die jüngeren Torhüter setzen wollen, er aber nicht vollends abgeschrieben ist."
Leno und ter Stegen lauern
Dennoch dürften Wieses Chancen auf eine Zukunft im DFB-Team nicht nur wegen seines Alters äusserst gering sein.
Schliesslich lauern hinter Stammtorwart Manuel Neuer und EM-Fahrer Ron-Robert Zieler die Youngster Marc-Andre ter Stegen, Bernd Leno sowie mit etwas Abstand Sven Ulreich und Oliver Baumann.
Wiese selber wollte sich zunächst nicht zu seiner Ausbootung äussern, der Frust wird aber gross sein. Schliesslich war er auch deshalb von Werder Bremen nach Hoffenheim gewechselt, um dort einen neuen Angriff auf Manuel Neuer zu starten.
WM 2014 war das Ziel
"Es gibt nichts Schöneres, als in der Nationalmannschaft zu sein", sagte Wiese kürzlich noch der "Sport Bild".
"Und die WM 2014 wäre für mich vielleicht die letzte Möglichkeit, mit der Nationalmannschaft einen Titel zu gewinnen."
Stattdessen wird seine Laufbahn im Nationalteam wohl ohne grosse Höhepunkte enden: Bei der WM 2010 und der EM 2012 war er nur Ersatzmann und bei seinen gerade mal sechs Länderspielen gab es keinen Sieg.
Prominentes Quartett wird geschont
Dagegen erhalten die anderen vier prominenten Abwesenden im Test gegen Argentinien nur eine schöpferische Pause.
Neben den beiden Kapitänen Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger vom FC Bayern fehlen auch die Arsenal-Profis Per Mertesacker und Lukas Podolski.
Das habe aber nicht mit der EM-Endrunde zu tun, wo der Verteidiger nur Ersatz war und der Stürmer nicht überzeugen konnte, erklärte Löw.
Löw: Premier League wichtiger
"Drei Tage nach dem Länderspiel in Frankfurt beginnt in England die Premier-League-Saison", sagte der Bundestrainer.
"Daher ist es für Per, der lange verletzt war, und Lukas, der als Zugang um einen Stammplatz kämpft, zunächst einmal wichtiger, sich die letzten Tage vor dem Saisonstart auf die bevorstehenden Aufgaben mit ihrem Verein in London vorzubereiten."
Lahms Frau erwartet erstes Kind
Bei Schweinsteiger, der nach seinen anhaltenden Knöchelproblemen noch immer nicht topfit ist, war ein Verzicht erwartet worden.
Spielführer Lahm hingegen fehlt wegen der bevorstehenden Geburt seines ersten Kindes.
"Philipp wollte unbedingt spielen, aber nach einem längeren Telefonat habe ich dann die Entscheidung mit Rücksicht auf seine private Situation so getroffen", sagte Löw.
Weniger Rücksicht nahm der 52-Jährige bei Mario Götze, der trotz seiner jüngsten Augenentzündung und dem damit verbundenen Trainingsrückstand berufen wurde.
BVB erstmals mit den meisten Spielern
Damit stellt Borussia Dortmund mit sechs Spielern erstmals seit langer Zeit die Mehrheit im DFB-Aufgebot, da vom mit fünf Mann vertretenen FC Bayern auch der verletzte Mario Gomez nicht dabei ist.
Dennoch setzt Löw im Sturm lediglich auf Routinier Miroslav Klose und verzichtete auf einen Nachrücker wie Cacau, Julian Schieber oder Stefan Kiessling.
Insgesamt sind 17 EM-Teilnehmer dabei sowie die kurz vor der Endrunde aussortierten Julian Draxler und Sven Bender.
Das 19-köpfige deutsche Aufgebot:
Tor: Manuel Neuer (Bayern München), Ron-Robert Zieler (Hannover 96)
Abwehr: Jerome Boateng, Holger Badstuber (beide Bayern München), Lars Bender (Bayer Leverkusen), Mats Hummels, Marcel Schmelzer (beide Borussia Dortmund), Benedikt Höwedes (Schalke 04)
Mittelfeld: Sven Bender, Mario Götze, Ilkay Gündogan, Marco Reus (alle Borussia Dortmund), Julian Draxler (Schalke 04), Mesut Özil, Sami Khedira (beide Real Madrid), Toni Kroos, Thomas Müller (beide Bayern München), Andre Schürrle (Bayer Leverkusen)
Angriff: Miroslav Klose (Lazio Rom)
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