Ende einer Ära: DFB trennt sich von Stenger
Von Martin Volkmar
München - Ziemlich leise und überraschend endet eine Ära:
Nach fast genau elf Jahren trennt sich der DFB von Nationalmannschafts-Pressesprecher Harald Stenger.
Und wer den umtriebigen Hessen kennt, der weiss, dass sein Abschied nach dem Länderspiel am nächsten Mittwoch gegen Argentinien in seiner Heimatstadt Frankfurt alles andere als freiwillig geschieht.
"Die sportliche Leitung hat mir bei der Bekanntgabe der Entscheidung mitgeteilt, dass sie mit meiner Arbeit immer sehr zufrieden war, ich mich stets korrekt und loyal verhalten habe, die Zeit für einen Wechsel aber reif gewesen sei", sagte der 61-Jährige.
"Hätte gern weitergemacht"
"Ich hätte gern weitergemacht. Über weitere Hintergründe möchte ich mich nicht äussern."
Der Job als Pressesprecher der Nationalmannschaft, "mit dem ich mich rund um die Uhr voller Leidenschaft identifiziert habe, war für mich kein Beruf, sondern eine Herzensangelegenheit und eine Berufung", ergänzte Stenger.
Der langjährige Sportredakteur der "Frankfurter Rundschau" genoss und geniesst durch die Bank bei allen Medien aufgrund seiner zuverlässigen, akribischen und kollegialen Arbeitsweise höchste Anerkennung.
Doch beim DFB gab es schon länger die Tendenz, sich von Stenger zu trennen - ungeachtet seiner Popularität auch in der Öffentlichkeit durch die Moderation der täglichen Pressekonferenzen bei WM- und EM-Turnieren.
Zerwürfnis mit Zwanziger
Bereits vor der WM 2010 kam es zum Bruch mit dem damaligen Präsidenten Theo Zwanziger, dem der Mediendirektor zu viele Widerworte gegeben hatte.
Damals protestierten zahlreiche renommierte Sportjournalisten in einer einmaligen Aktion mit einem offenen Brief gegen den Rauswurf Stengers, der daraufhin nach langem Hin und Her bis zur EM 2012 als Pressesprecher der Nationalmannschaft gehalten wurde.
"Ich habe in all den Jahren, auch als DFB-Mediendirektor, einen klaren Kurs gefahren und bin dadurch, dass ich oft unbequeme Positionen bezogen habe, sicher einen riskanten Weg gegangen, würde das aber immer wieder so konsequent machen", meinte Stenger.
Doch bei der DFB-Präsidiumssitzung am Montag, bei der Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff ihre EM-Analyse präsentierten, wurde die Trennung beschlossen.
"Abschalten und die Enttäuschung verarbeiten"
"Ich werde jetzt erst mal ein paar Wochen abschalten und versuchen, den nötigen Abstand zu gewinnen und die Enttäuschung zu verarbeiten", sagte Stenger.
"Danach werde ich mir überlegen, wie es für mich weitergeht. Es besteht eine Tendenz, künftig mehr das 'Savoir vivre' zu geniessen. Gleichzeitig ist für mich derzeit klar, dass ich auf alle Fälle bei der WM 2014 dabei sein werde, ob als Journalist oder in einer anderen Funktion in der Medienarbeit."
Nachfolger Grittner
Nachfolger wird Jens Grittner, der schon seit 1999 in verschiedenen Funktionen beim DFB tätig ist.
Gemeinsam mit Gerd Graus leitete der 42-Jährige die Öffentlichkeitsarbeit der WM 2006 und hat spätestens seitdem ein hervorragendes Verhältnis zu DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, damals Vizepräsident im Organisationskomitee.
Niersbach war 2001 ins WM-OK gewechselt, Stenger am 1. Juli sein Nachfolger als DFB-Mediendirektor geworden.
Drei Welt- und Europameisterschaften mit drei Bundestrainern
Seitdem arbeitete er mit Teacmhef Rudi Völler sowie den Bundestrainern Jürgen Klinsmann und Jogi Löw bei drei Weltmeisterschaften und drei Europameisterschaften zusammen.
Grittner war derweil auch bei der Heim-WM der Frauen 2011 für die Medienarbeit verantwortlich, seitdem amtierte er als Stellvertreter von DFB-Mediendirektor Ralf Köttker.
Auch neuer Serviceman für die DFB-Auswahl
Zudem ersetzt Christian Staatz als neuer adidas-Servicemann für die DFB-Auswahl Manfred Drexler, der nach seiner Karriere als Bundesligaprofi seit 1985 ein fester und wichtiger Bestandteil im Betreuerteam des DFB war.
"Mit Harald Stenger und Manfred Drexler verlassen zwei tolle Persönlichkeiten unser Betreuerteam, die sich um die Nationalmannschaft verdient gemacht haben", erklärte Bierhoff:
"Beide stehen nicht nur für professionelles Arbeiten, sondern haben es auch verstanden, sich als wichtige Bezugspersonen für die Trainer und Spieler zu etablieren. Nun aber freuen wir uns auf die jungen, frischen Gesichter von Jens Grittner und Christian Staatz, die sich bestimmt schnell integrieren werden und voller Tatendrang sind."











