Eingespielt gegen den Abwärtstrend
Von Matthias Becker
München - In sein viertes Bundesliga-Jahr geht Thomas Tuchel nun, für überraschende Antworten ist der Trainer des FSV Mainz 05 aber immer noch gut.
Nach Sinn und Zweck des 9-tägigen Trainingslagers im österreichischen Bad Tatzmannsdorf wurde Tuchel befragt.
Teambuilding? Taktikschulung? Nein!
"Wir haben das Trainingslager hauptsächlich deshalb gemacht, um den Jungs etwas Abwechslung zu bieten. Sonst kann man irgendwann das Trainingsgelände am Bruchweg nicht mehr sehen", gab Tuchel offen zu.
Trainingslager zum Tapetenwechsel: Ein Luxus, den sich die Mainzer in einer reibungslosen Vorbereitung locker leisten können.
Die Transferplanungen waren zeitig abgeschlossen, ohnehin hat sich im Kader nicht viel geändert. Von acht Vorbereitungsspielen bisher gewannen die Nullfünfer sieben, spielten nur gegen ein Team von Austria Wien aus der vollen Belastung heraus 1:1.
"Hier gibt es keine Skandale und Schlägereien, alle gehen ordentlich miteinander um. Alle trainieren hart und sind gut drauf", fasste Tuchel zusammen.
Mit Heinz Müller (Oberschenkelverletzung), Radoslav Zabavnik (Muskelfaserriss) und Zdenek Pospech (Muskelverhärtung) ist die Zahl der derzeit Angeschlagenen zudem überschaubar. Für die Mainzer kann die Saison also kommen.
Teil 6 der SPORT1-Bundesliga-Vorschau:
* Das ist neu:
Neu ist, das nichts neu ist. Im vergangenen Sommer musste Mainz 05 einen doppelten Umbruch verarbeiten.
Mit Lewis Holtby, Andre Schürrle und Christian Fuchs verliessen die dominierenden Spieler der vorherigen Rekordsaison (Platz 5) den Klub. Zudem stand der wirtschaftlich und emotional wegweisende Umzug vom alten Bruchwegstadion in die Coface Arena an.
An diesen Umstellungen hatte die Mannschaft spürbar zu knabbern, Tuchel brauchte Zeit, um den zahlreichen Zugängen seine Spielidee einzuimpfen.
In dieser Saison heisst das Schlagwort in Mainz, wo erstaunlicherweise der älteste Bundesligakader (26,2 Jahre) gemeldet ist: Weiterentwicklung.
Mit Aussenverteidiger Junior Diaz und Chinedu Ede gönnen sich die Mainzer nur zwei echte Zugänge.
"So vermeidet man in der Vorbereitung eine lange Eingewöhnungszeit und muss nicht bei Null anfangen", erklärt auch Mainz-Legende Christof "Bum-Bum" Babatz im SPORT1-Bundesliga-Sonderheft.
Wie wichtig den Rheinhessen das Vertrauen in die eingespielte Mannschaft ist, zeigt die Tatsache, dass der Verein auf eine Verpflichtung von Ex-Spieler Andrej Voronin verzichtete, die laut Manager Christian Heidel finanziell machbar gewesen wäre, aber:
"Wir bauen ein junges Team mit Perspektive auf. Andrej zu holen, wäre der falsche Weg gewesen."
* Das soll besser werden:
In der vergangenen Saison hat in Mainz ein schleichender Abwärtstrend eingesetzt. Das dritte Jahr unter Tuchels Regie brachte die wenigsten Heimpunkte (24), die meisten Gegentore (51), die wenigsten Punkte (39) und die schlechteste Platzierung (13.).
Dieser Trend soll nun umgekehrt werden. Vorteil für die Mainzer könnte dabei die taktische Flexibilität sein. Zwischen 4-3-2-1, 4-2-3-1 und 4-4-2 mit Raute können die Nullfünfer alles spielen.
Vor allem in letzterem System macht Vorjahres-Zugang Anthony Ujah als zweite Spitze in der Vorbereitung auf sich aufmerksam. Das ist aber auch nötig, schliesslich wurden mit Mohamed Zidan (7 Tore) und Sami Allagui (4) die treffsichersten Stürmer abgegeben.
Ujah (2) und der vergangene Spielzeit lange verletzte Adam Szalai (3) sollen häufiger zuschlagen, um diese Lücke zu schliessen.
* Das sagt der Manager:
"Unser Umbruch fand vor der letzten Saison statt. Jetzt haben wir mit Mohamed Zidan nur einen Abgang aus dem Stamm der Rückrundenmannschaft und grosses Vertrauen in eine eingespielte und funktionierende Mannschaft", sagt Heidel zu SPORT1:
"Neben unseren Neuzugängen Junior Diaz und Chinedu Ede kehrt auch der lange verletzte Stammspieler Marcel Risse in die Mannschaft zurück."
* Saisonziel:
"Das Basisziel von Mainz 05 in der Bundesliga wird auf Jahre zunächst einmal der Klassenerhalt bleiben. Das ist uns in den vergangenen drei Jahren immer sehr souverän gelungen und das wünschen wir uns auch in der kommenden Saison", erklärt Heidel SPORT1:
"Alles Weitere lassen wir auf uns zukommen."
* SPORT1-Prognose:
Die Eingespieltheit kann für Mainz in dieser Saison zum grossen Vorteil werden. Tuchel hatte viel Zeit, um mit seinem Kader zu arbeiten - und dass er überdurchschnittliche Qualitäten als Trainer hat, ist inzwischen ja bekannt. Gelingt der Saisonstart, mit Spielen gegen Freiburg, Fürth und Augsburg binnen der ersten vier Spieltage, kann es eine gemütliche Saison zwischen den Plätzen 8 und 12 werden.



















