''Auf dem Platz denke ich nicht ans Geld''
Von Thorsten Langenbahn
Mönchengladbach - Luuk de Jong ist der Rekordeinkauf in Borussia Mönchengladbachs 112-jähriger Vereinsgeschichte.
Für 14 Millionen Euro wechselte der Torjäger von Twente Enschede an den Niederrhein, wo der 21-Jährige einen Fünfjahresvertrag bis 2017 unterschrieb.
In den Niederlanden wurde er 2010 Meister, ein Jahr später Pokalsieger.
Im SPORT1-Interview spricht der Oranje-Stürmer über seine Ziele mit Gladbach, das Zusammenspiel mit Super-Talent Granit Xhaka, seine Champions-League-Erfahrung und seinen Landsmann Arie van Lent .
SPORT1: Sie sind der bislang teuerste Spieler in Gladbachs Klubgeschichte. Spüren Sie den Erwartungsdruck, den das mit sich bringt?
Luuk de Jong: Nein, ich fühle keinen besonderen Druck. Natürlich ist das viel Geld, das sie für mich bezahlt haben. Aber man muss auch sehen: Mein Vertrag bei Twente lief noch zwei Jahre und ich war dort der beste Torschütze. In so einem Fall ist immer viel Geld im Spiel. Ich habe darüber auch mit dem Trainer gesprochen. Für mich ist das kein Problem. Wenn ich auf dem Platz stehe, versuche ich meine Arbeit so gut wie möglich zu machen und denke nicht ans Geld.
SPORT1: Ist die Bundesliga die bislang grösste Herausforderung in Ihrer Karriere?
De Jong: Wir haben mit Twente in der Championsleague gespielt. Das ist der höchste Level. Es war toll gegen Inter Mailand, Tottenham Hotspur oder Werder Bremen - das sind die Spiele, die man sich wünscht. In der Bundesliga gibt es viele gute Mannschaften und grosse Vereine. Es wird schön, gegen die zu spielen. Da ist es jede Woche wichtig, seine Leistung zu bringen.
SPORT1: Sie sollen der Ersatz für Marco Reus sein. Wie gross sind die Fussstapfen des bisherigen Gladbacher Torjägers?
De Jong: Er hat mit seinem Wechsel zu Dortmund einen grossen Schritt gemacht. Aber ersetzen? Das ist immer schwierig zu sagen. Man kann Spieler nicht so einfach miteinander vergleichen. Ich bin ein anderer Spieler als Marco. Was ich sagen kann: Ich werde mein Bestes geben.
SPORT1: Welche Rolle können Sie in der Mannschaft spielen?
De Jong: So wie wir momentan spielen, teilweise mit zwei Stürmern im Zentrum, ist das kein Problem für mich. Ebenso wie mit einem Angreifer und einer Nummer 10 dahinter. Ich kann auch als Zehner spielen, aber ich bevorzuge die Position im Sturm. In der Vorbereitung müssen sich jetzt die Automatismen einspielen. Das wird kommen.
SPORT1: 25 Tore haben Sie vergangene Saison in der Eredivsie für Twente erzielt. Welche Ziele haben Sie mit Gladbach?
De Jong: Ich will wichtig für die Mannschaft sein, mit Toren und Vorlagen. Eine Treffer-Anzahl sage ich nie voraus. Ich möchte der beste Schütze in unserer Mannschaft sein - das ist erst einmal mein Ziel.
SPORT1: Viele Hoffnungen ruhen auch auf Granit Xhaka. Wie wichtig ist der 19-jährige Schweizer als Spielmacher für Sie?
De Jong: Er ist ein grossartiger Spieler für uns Stürmer. Er spielt mit seinem linken Fuss super Pässe. Aber auch andere Mittelfeldspieler bei uns haben einen guten Blick für ihre Mitspieler und verfügen über viel Kreativität. Die Balance zwischen jungen und erfahrenen Spielern passt.
SPORT1: Wie bewerten Sie die Chancen, über das Play-off die Gruppenphase der Champions League zu erreichen?
De Jong: Das hängt davon ab, was für einen Gegner wir bekommen. Da sind viele starke Mannschaften dabei. Das wird hart. Aber die Gruppenphase ist das grosse Ziel.
SPORT1: Der FC Kopenhagen, Dynamo Kiew oder Spartak Moskau könnten mögliche Kontrahenten sein. Haben Sie einen Wunschgegner?
De Jong: Schwer zu sagen. Kiew muss zuerst Feyenoord schlagen (lacht). Gegen eine holländische Mannschaft, das wäre nicht schlecht. Im vergangenen Jahr haben wir mit Twente gesagt, Benfica Lissabon wäre ein guter Gegner, weil die anderen vermeintlich besser waren. Wir haben Benfica bekommen und sie waren trotzdem zu gut für uns. Es ist also wirklich schwierig vorauszusagen.
SPORT1: Die Fans haben beim 4:1 im Test gegen den VfL Bochum zuerst Ihren Namen und danach den von Arie van Lent skandiert. Kennen Sie ihn?
De Jong: Arie van Lent? Ja, ich habe den Namen irgendwo gelesen. War er auch Angreifer bei Mönchengladbach, kann das sein?
SPORT1: So ist es. Aber das ist inzwischen auch acht Jahre her, dass ihr Landsmann am Bökelberg gespielt hat.
De Jong: Da war ich vielleicht noch ein bisschen zu jung...
SPORT1: Haben Sie eigentlich die enttäuschende Europameisterschaft mit den Niederlanden schon abgehakt?
De Jong: Ja. Für mich als junger Spieler war es eine gute Erfahrung. Jedes Training mit der Nationalmannschaft bringt mich weiter und ist gut für mich. Natürlich war das Vorrunden-Aus nicht das, was wir erwartet haben. Aber es ist passiert. Jetzt müssen wir nach vorne schauen und sehen, was mit unserem neuen Trainer Louis van Gaal möglich ist.
SPORT1



















