Bayerns Baustellen: Blutige Nasen und Scholl-Zoff
Von Eric Böhm
München - Beim FC Bayern München ist seit der Verpflichtung Matthias Sammers als Sportvorstand wieder Feuer unter dem Dach.
Nach zwei vor allem sportlich lethargischen Jahren ohne Titel geht es beim deutschen Rekordmeister auf und neben dem Platz wieder heiss her.
So trug Luiz Gustavo in einem intensiven Trainings-Zweikampf mit Neuzugang Mario Mandzukic am Samstag eine blutige Nase davon.
Im übertragenen Sinne erwischte es auch Mehmet Scholl, den zurückgekehrten Trainer der zweiten Mannschaft.
Präsident Uli Hoeness stellte in der "Bild" klar, dass der Ex-Nationalspieler sein TV-Engagement nicht verlängern dürfe, "wenn er Trainer bei uns bleibt."
Gegenwind für Scholl
Scholls Vertrag als DFB-Analyst läuft zwar noch zwei Jahre, aber in dieser Zeit gäbe es nach Hoeness' Meinung ohnehin "kein wichtiges Länderspiel."
Während der vergangenen EM hatte seine Kritik an FCB-Stürmer Mario Gomez für Verstimmung an der Säbener Strasse gesorgt.
Dass Scholl mit Bayerns Reserve nach nur drei Spieltagen und einem mageren 1:1 in Heimstetten den angepeilten Drittliga-Aufstieg der zweiten Mannschaft bereits abschreibt, dürfte ihm bei Hoeness und Co. ebenfalls keine Pluspunkte bringen.
Widerspruch zu Sammers Credo
Trotz namenhafter Neuzugänge wie Tobias Schweinsteiger, Altin Lala und Stefan Buck reiche die Qualität nicht aus.
"Der Aufstieg ist in dieser Saison nicht das Ziel! Wir haben vier Spieler, die noch in der A-Jugend spielen dürfen. Wir hatten zudem drei Spieler auf dem Platz, die gerade aus der A-Jugend gekommen sind. Diese brauchen noch ein paar Monate", sagte Scholl in einem Interview des Bayerischen Fussball-Verbands.
Speziell Sammers Forderung nach einer universellen Winner-Mentalität im Verein widerspricht dies - das Konfliktpotenzial zwischen den Europameistern von 1996 scheint hoch.
Hoeness: "Fühle mich sicherer mit Sammer"
Scholl sitzt dabei nicht am längeren Hebel, denn Hoeness bekräftigte gegenüber Fans am Rande des Pichelsteiner-Fests im niederbayerischen Regen seine Rückendeckung für den "Feuerkopf".
"Mit Matthias Sammer im sportlichen Bereich fühle ich mich viel sicherer als in der Vergangenheit", gab Hoeness zu.
Gomez gefordert
In Sachen Gomez nähert sich der Präsident nun aber Scholls Meinung an und schürt gleichzeitig den Zweikampf im gesamten Kader.
"Mario Gomez ist gut, aber nicht sehr gut. Dass wir Alternativen zu Gomez haben, ist Grundvoraussetzung für den Erfolg. Wir dürfen die Spieler nicht immer in Watte packen. Wenn man Spieler nur auf die Schulter klopft, werden sie nicht besser", erklärte Hoeness.
Dieses Statement hätte von Sammer kommen können, dessen Leidenschaft macht sich auch auf dem Trainingsplatz immer mehr bemerkbar.
Müller nimmt Kampf an
Nach Mandzukics Ellbogencheck, dem Luiz Gustavo eine Gesichtsbehandlung durch den Betreuerstab verdankte, sprang Innenverteidiger Dante seinem Landsmann zur Seite und streckte seinerseits den Kroaten nieder.
Weder Trainer Jupp Heynckes noch Sammer griffen ein, sie wollen dem Team eine toughere Mentalität einimpfen und ein Hauen und Stechen um die Stammplätze provozieren.
Die Spieler haben die neuen Anforderungen der sportlichen Führung bereits verinnerlicht.
"Es wird spannend. Eine Garantie zu spielen hat keiner ausser die Kapitäne und Manuel Neuer. Ich haue mich rein", sagte beispielsweise Thomas Müller der "Bild am Sontag".
Lahm und Schweinsteiger im Teamtraining
Am Wochenende tummelte sich - abgesehen von den verletzten David Alaba (Ermüdungsbruch) und Rafinha (Bänderriss) - erstmals der komplette Kader auf dem Platz.
Die beiden nach der EM ausgelaugten Nationalspieler Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger drehten nach der Einheit sogar noch zusätzliche Runden.
Kapitän und Vize stehen in der Pflicht: "wir müssen von unseren Leadern noch mehr erwarten", betonte Heynckes.



















