''Wir sind nicht auf Bayern München fixiert''
Von Reinhard Franke
München - Er ist der Kopf von Borussia Dortmund.
Und das "Echte Liebe", das unter dem Logo glänzt, hat Hans-Joachim Watzke zu 100 Prozent verinnerlicht.
Trainer Jürgen Klopp hat das sportliche Sagen, Watzke, seit 2005 BVB-Geschäftsführer, hält im Hintergrund die Fäden in der Hand.
2006 bewahrte er den Verein vor der Insolvenz, 2008 verpflichtete er Klopp als Trainer. Mit diesem Geniestreich ging es für den BVB endgültig bergauf. Es folgten zwei Meisterschaften und ein Pokalsieg.
Mit der Vertragsverlängerung von Jakub Blaszczykowski hat der Klub einen weiteren Schritt bei seinen langfristigen Personalplanungen gemacht. Zuletzt hatten schon Mario Götze und Mats Hummels ebenso ihre Kontrakte verlängert wie Klopp und Sportdirektor Michael Zorc (BERICHT: Freude über Kuba, Ärger bei Klopp).
Als nächstes sollen Kevin Grosskreutz, Neven Subotic, Marcel Schmelzer und Roman Weidenfeller verlängern, das Gehaltsvolumen wurde auf 48,5 Millionen Euro erhöht.
Bei SPORT1 spricht Watzke vor dem Test gegen St. Gallen über die Vorbereitung beim BVB, die Zugänge, Erzrivale Schalke 04, den FC Bayern - und schliesst einen Verkauf von Robert Lewandowski kategorisch aus.
SPORT1: Herr Watzke, die Vorbereitung beim BVB läuft nicht wirklich rund. Woran liegt's?
Hans-Joachim Watzke: Man muss auch sagen, dass wir erst seit Sonntag komplett sind. Da ist es klar, dass es noch etwas holprig ist. Ansonsten war alles normal, es gab keine Verletzten. Es ist alles okay. Ich mache mir keine Sorgen.
SPORT1: Mit welchen Gedanken gehen Sie in die neue Saison? Denken Sie an den dritten Meistertitel in Folge?
Watzke: Da denken wir momentan keine Sekunde daran. Wir haben ja gesagt, dass die höchste Wahrscheinlichkeit für die Meisterschaft beim FC Bayern liegt. Wir beschäftigen uns nie mit Saisonausgängen, sondern jetzt mit der Saisonvorbereitung und dann idealerweise mit dem ersten Spiel, das wir gewinnen wollen. Alles andere wird nächstes Jahr entschieden. Wir haben unser Ziel klar formuliert. Wir wollen in die Championsleague, an alles andere denken wir noch nicht.
SPORT1: Warum betreibt der BVB als Double-Gewinner ein so grosses Understatement?
Watzke: Das haben wir die letzten zwei Jahre auch getan und es hat uns nicht geschadet. Es ist unsere Philosophie, dass wir versuchen wollen die Dinge auf dem Platz zu lösen und nicht ausserhalb des Platzes.
SPORT1: Die Mannschaft wurde punktuell verstärkt. Marco Reus' Transfer stand schon im Winter fest. Hinzu kamen Julian Schieber, Oliver Kirch und Leonardo Bittencourt. Reicht das?
Watzke: Ja. Marco Reus ist eine Top-Verstärkung, aber dafür haben wir auch Shinji (Shinji Kagawa, Anm. d. Red.) verloren. Julian Schieber soll die Position von Lucas Barrios (zu Guangzhou Evergrande, Anm. d. Red.) bekleiden und Leo Bittencourt ist ein Spieler mit einem hohen Potenzial. Was er daraus macht, muss man abwarten. Mit Oliver Kirch brauchten wir jemand für die rechte Seite. Ich glaube, dass wir das Niveau der letzten Saison auf jeden Fall gehalten haben.
SPORT1: Der FC Chelsea wollte Robert Lewandowski für 21 Millionen Euro verpflichten. Können Sie einen Verkauf definitiv ausschliessen?
Watzke: Natürlich. Es gab kein Angebot von Chelsea. Die können sich das aber auch komplett sparen. Wir brauchen kein Angebot, egal, was kommt, wir werden es ablehnen. Zum Thema Lewandowksi müssen wir auch kein Wort mehr sagen. Ich würde mein Leben darauf setzen, dass er bleiben wird.
SPORT1: Die Bayern haben mit Matthias Sammer einen Ex-Borussen verpflichtet. Spüren Sie schon den Atem der Münchner?
Watzke: Überhaupt nicht. Ich schätze Matthias sehr, aber wir sind nicht auf Bayern München fixiert. Wir sind Borussia Dortmund und schauen auf uns. Wir wollen unsere Leistung bringen, Spiele gewinnen und am Ende im besten Fall wieder jubeln. Die Bayern sind nicht der Ausgangspunkt unseres Denkens.
SPORT1: Kommen wir zu einem anderen Konkurrenten. In der letzten Saison flogen zwischen Schalke und dem BVB die Giftpfeile hin und her. Zuletzt hat Schalkes Manager Horst Heldt wieder gestichelt. Wie ist das aktuelle Verhältnis?
Watzke: Was soll ich zu Schalke noch sagen? Ich habe gesagt, dass Schalke seit einiger Zeit gute Arbeit abliefert und eine gute Mannschaft hat. Wir sind zu ewiger Rivalität verpflichtet, aber das heisst ja nicht, dass wir kein kollegiales Verhältnis haben können.
SPORT1: Ist das Verhältnis zu Schalke-Boss Clemens Tönnies kollegial?
Watzke: Wir sehen uns ab und zu und haben überhaupt kein Problem miteinander. Wenn es irgendeinen Sachverhalt gibt, zu dem ich glaube, meine Meinung sagen zu müssen, werde ich es tun. Ob das dann irgendjemandem passt oder nicht, ist mir dann auch egal. Wir müssen uns nicht jeden Tag um den Hals fallen, aber wir respektieren uns.
SPORT1: Wie geht Ihr Klub nach der enttäuschenden vergangenen Spielzeit in die neue Champions-League-Saison?
Watzke: Es gibt keine Garantien. Es würde jetzt auch nichts bringen zu sagen, dass wir ganz anders gewappnet sind. Wir müssen das voll konzentriert angehen, haben in der letzten Saison auch gemerkt, dass da anders Fussball gespielt wird. Ich hoffe, dass die Mannschaft jetzt soweit ist, die eine oder andere Schlussfolgerung daraus zu ziehen.
SPORT1: Zuletzt wurden beim BVB ganz still und leise die Verträge verlängert. Jürgen Klopp, Sportdirektor Michael Zorc, Mario Götze, Ivan Perisic und aktuell Blaszczykowski haben alle bis 2016 unterschrieben, Mats Hummels gar bis 2017. Wie gelingt Ihnen das?
Watzke: Weil wir nicht so viel reden, sondern handeln. Borussia Dortmund kann allen Beteiligten immer ein gutes Gesamtpaket bieten. Ein Gesamtpaket aus den meisten Zuschauern in Europa, fantastischen Fans, toller Historie - es passt alles. Die Leute fühlen sich offenbar sehr wohl.
SPORT1: Ist Borussia Dortmund stärker als letztes Jahr?
Watzke: Nein. Ich weiss nur, dass wir wieder eine sehr gute Mannschaft haben. Ob wir am Ende drei Prozent stärker oder zwei Prozent schwächer sind, das ist doch gar nicht entscheidend. Irgendwann bist du an einem Punkt, wo du dein Niveau halten musst. Wenn uns das gelingen sollte, dann sind wir alle sehr froh.
SPORT1: Sehen Sie keine Gefahr, dass der BVB aufgrund der vergangenen zwei erfolgreichen Jahre etwas satt geworden sein könnte?
Watzke: Bei mir ist die Wahrscheinlichkeit gleich null. Beim Trainer auch. Ich glaube zudem, dass sich die Mannschaft nichts an Gier und Leidenschaft nehmen lässt. Das muss die Truppe zeigen und das wird sie auch zeigen.
SPORT1



















