Modrics teures Spiel mit dem Feuer
Von Matthias Becker
München - Es ist ja nicht so, als wäre das alles nicht schon mal dagewesen.
Ein Profi-Fussballer möchte andernorts "eine neue Herausforderung annehmen", wie es dann immer so schön heisst, sein aktueller Verein pocht aber auf die Einhaltung eines gültigen Vertrags.
Der Spieler nimmt das zum Anlass, die (Trainings-)Arbeit einzustellen und hofft durch die Rebellion, den Transfer zum nächst-grösseren Klub zu beschleunigen.
Nicht selten funktioniert das, wer will schon einen Millionen-Verdiener auf der Tribüne sitzen haben, wenn man seine Ablöse auch in neue Beine investieren könnte? .
Luka Modric könnte sich beim Versuch, einen Wechsel zu Real Madrid zu erzwingen aber mächtig verkalkuliert haben.
"Das wird sich für ihn rächen"
Denn der derzeitige Klub des Kroaten, Tottenham Hotspur reagierte wenig amüsiert darauf, dass Modric Ende vergangener Woche das Training einstellte und sich auch weigerte, die Promo-Tour der Spurs in die USA anzutreten.
Dort trifft der Premier-League-Vierte der letzten Saison in Testspielen unter anderem auf L.A. Galaxy und den FC Liverpool. Dass mit Modric eine der Hauptattraktionen fehlt, wird den Veranstaltern in Übersee ebenso wenig gefallen, wie dem konflikterprobten Klub-Boss Daniel Levy.
Stattdessen soll der Kroate zwischenzeitlich in seine Heimat geflogen sein und auf Grünes Licht Richtung Spanien warten.
"Ich glaube, Modric täuscht sich", sagte Spurs-Coach Andre Villas-Boas der spanischen Sportzeitung "AS": "Das wird sich für ihn rächen, mit seinen Handlungen verschlimmert er die Situation. Der Chef ist sehr böse."
Geldstrafe summiert sich
Wie böse Levy ist, kann Modric demnächst wohl seinem Kontostand entnehmen. Schon jetzt haben die Spurs den Spielmacher angeblich mit einer Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro belegt.
Laut "Sun" erhöht sich die Summe jeden Tag, den Modric dem Training fernbleibt, um 20.000 Euro.
"Luka und ich kennen uns sehr gut. Ich traf ihn gestern kurz vor seinem Haus und es ging ihm nicht gut", sagte Mitspieler Rafael van der Vaart: "Er findet es schade, dass es überhaupt soweit gekommen ist. Er ist angeschlagen und traurig mit der ganzen Situation."
Modric darf gehen
Dabei versucht Tottenham gar nicht mehr, den Mittelfeldspieler um jeden Preis zu halten. Wenn ein Verein käme, der die geforderte Ablöse zu zahlen bereit ist, würde man Modric ziehen lassen, liess zuletzt auch Villas-Boas durchblicken.
Auch die "Marca" will erfahren haben, dass die Spurs verhandlungsbereit wären, wenn Real das Angebot nachbessern würde.
Bislang ist aber offenbar kein Klub bereit, die kolportierten gut 51 Millionen Euro auf den Tisch zu legen. Manchester United und - natürlich - Paris St. Germain sollen am 26-Jährigen interessiert sein.
Als Wunschziel von Modric gilt aber längst Real Madrid.
Villas-Boas schwärmt
Die Madrilenen haben selbst schon reichlich Erfahrung mit streikenden Profis gesammelt. Teils wollten die einen Wechsel zu Real (wie einst auch Franck Ribery) beschleunigen, teils aber auch weg von Real (wie der Brasilianer Robinho).
Für Modric hat Real bisher angeblich erst 35 Millionen geboten - und lässt damit noch eine erhebliche Lücke zur Forderung der Spurs. Am Montag soll Jose Mourinho Kaka die Freigabe erteilt haben, was unter Umständen frisches Geld für den Modric-Transfer in die Kassen spülen könnte.
"Er ist gut, sehr gut sogar", schwärmt Andre Villas-Boas vom Kroaten: "Er wäre ein grosser Verlust, denn er ist ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann, Klarheit ins Spiel bringt und auf verschiedenen Positionen einsetzbar ist."
Nur die Kirsche auf der Torte
Mit Cristiano Ronaldo, Mesut Özil, Angel di Maria, Esteban Granero, Nuri Sahin und Jose Callejon ist Real allerdings auch bei einem möglichen Abgang von Kaka schon üppig mit kreativen Geistern ausgestattet.
Ob sich die "Königlichen" Modric als Kirsche auf der Torte tatsächlich gut 50 Millionen Euro kosten lassen, ist da fraglich.
Spurs blockierten Chelsea-Deal
Zumal Tottenhams Anführer Levy für seinen langen Atem bekannt ist. "Ich habe versucht, ihn (Modric, Anm. D. Red.) letzten Sommer zu Chelsea zu holen", erinnert sich Villas-Boas.
Doch obwohl Modric auch damals seinen Wechsel-Willen offen zur Schau stellte, blieben die Spurs hart - und der Spielmacher an der White Hart Lane.
Auch diesmal könnte sein Spiel mit dem Feuer nach hinten losgehen.
SPORT1











