Wegen Schweini: Wutrede von Heynckes
Vom Bayern-Trainingslager berichtet Mathias Frohnapfel und Christian Ortlepp
Riva del Garda - Jupp Heynckes hat mit einer feurigen Rede zum Ende des Bayern-Trainingslagers überrascht.
Der Bayern-Trainer ärgerte sich insbesondere über den "unseriösen Journalismus" im Zusammenhang mit Bastian Schweinsteiger.
Eine Münchner Zeitung hatte geschrieben, dass der Nationalspieler selbst den Wunsch geäussert habe, nicht auf die China-Reise gehen zu müssen.
SPORT1 hatte dagegen am Donnerstag vermeldet, dass Heynckes festgelegt hatte, Schweinsteiger solle in München ein individuelles Programm machen.
Diese Information bestätigte Heynckes in seiner Wutrede in Riva del Garda.
"Ich überlasse nichts dem Zufall"
"Ich habe Bastian schon nach der EM gesagt, dass er nicht mit nach China geht und mit Fitnesstrainer Thomas Wilhelmi an der Säbener Strasse trainieren wird."
Und der 67-Jährige fügte an: "Ich überlasse nichts mehr dem Zufall, habe klare Vorstellungen."
Den Mittelfeldstrategen piesacke seit längerem ein Nerv, die alte Verletzung am Knöchel sei indes längst "vergessen".
Auch Lahm bleibt in München
Seine Entscheidung, Schweinsteiger nicht auf den strapaziösen Trip nach Asien zu nehmen, habe bereits während des Turniers in Polen und der Ukraine "Formen angenommen".
Bereits in den Trainingstagen zuvor war Heynckes mit seiner engagierten Arbeit aufgefallen, jetzt sagte er mit hochrotem Kopf: "Alles ist wohlüberlegt und getimt."
Zudem erklärte er: "Dass Philipp Lahm nicht mitgeht, ist eine Überraschung für Sie. Das wusste nur ich."
Es sei besser, wenn der Bayern-Kapitän in München ein speziell auf ihn ausgerichtetes Programm absolviere.
Pirlo-Meldung nervt FCB-Trainer
Heynckes regte sich enorm über die Berichterstattung auf.
Vor allem bei der zwischenzeitlichen Meldung, dass der FCB angeblich an Pirlo interessiert sei, stellten sich seine Nackenhaare senkrecht.
"Da hab ich die Hände über den Kopf zusammengeschlagen", sagte er und klagte: "Die Arbeit wird nicht bewertet, sondern nur, ob man Titel gewinnt."
Dann zählte der 67-Jährige all die beeindruckenden Marken des FCB in der Vorsaison auf und zeigte damit zugleich, wie sehr die anschliessende Kritik ihm wehgetan hat.
"Ich hatte keinen Urlaub"
73 Punkte habe Bayern geholt, 2010 hätten schon 70 Punkte für den Titel gereicht. Und er erinnerte daran, dass das Team 18-mal zu null gespielt hat, in der Rückrunde drei Punkte mehr holte als in der Vorrunde.
Dortmund sei aber eben noch stärker gewesen.
"Ich hatte keinen Urlaub, das sag ich Ihnen ehrlich", polterte der Bayern-Coach.
Erst jetzt nachdem er die Gründe für die drei verlorenen Titel aufgearbeitet habe, erhole er sich gut.
Heynckes angriffslustig
Dennoch blieb Heynckes in Angriffsmodus. Als ein Journalist nachfragte, ob er oder Lahm den Impuls gegeben habe, dass auch der Abwehrspieler in München trainiert, sagte Heynckes sarkastisch: "Die Frage ist schon eine halbe Beleidigung gegen mich."
Natürlich habe nur er allein entschieden.
Ebenso deutlich stellte er seine Meinung zur Verpflichtung des neuen Sport-Vorstands Matthias Sammer dar.
"Ich habe mein Okay gegeben, man kann doch keinen neuen Sport-Vorstand ohne Zustimmung des Trainers installieren."
Viele Gespräche mit Sammer
Seit dem Start der Trainingseinheiten in Arco am Sonntagabend hat man Heynckes immer wieder auf und neben dem Feld in Gesprächen gesehen, eine enge Verzahnung des neuen Teams war so erkennbar.
"Es wird keine Probleme geben, er ist Vollprofi und weiss, wo sein Aufgabenbereich", sagte Heynckes auf SPORT1-Nachfrage über Sammer und nannte den Ex-BVB-Spieler einen "Partner auf Augenhöhe".
Gute Zusammenarbeit mit dem Sport-Vorstand
Die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen DFB-Sportdirektor, der offiziell Heynckes Vorgesetzter ist, werde gewiss für beide Seiten und die Mannschaft "befruchtend" sein.
"Wenn Sie sich unsere Vita anschauen, dann werden Sie sehen, es passt."
Heynckes zeigte sich kämpferisch und sagte mit Blick auf die neue Saison: "Ich habe mit spanischen Präsidenten gearbeitet. Wenn Sie da keine Cojones (Eier, Anm. d.Red.) haben, sind Sie verraten und verkauft."
SPORT1



















