Nächster Anlauf gegen das Fahrstuhl-Image
Von Jakob Gajdzik
München - Sie sind gekommen, um zu bleiben. Und das bereits zum fünften Mal.
Seit dem ersten Abstieg von Eintracht Frankfurt im Jahr 1996 hat es das Bundesliga-Gründungsmitglied nie mehr länger als sechs Jahre (2005-2011) geschafft, im Oberhaus wieder Fuss zu fassen.
Dieses Ziel soll für die Hessen mit dem direkten Wiederaufstieg aus der Zweiten Liga nun erneut angegangen werden.
"Das Ziel kann nicht sein, immer gegen den Abstieg zu spielen", sagt der ehemalige Eintracht-Profi und derzeitiger Coach der Frankfurter U 23, Alexander Schur zu SPORT1.
Probleme in der Abwehr
Der mittlerweile 40-Jährige, der von 1995 bis 2006 am Main spielte und seit seinem legendären Aufstiegstreffer 2003 gegen den SSV Reutlingen (6:3) in jeder Eintracht-Chronik steht, sieht nun die Chance, wieder zu einer dauerhaften Bundesliga-Adresse zu werden und das "Fahrstuhl-Syndrom" vergessen zu lassen.
"Man sollte analysieren, was in den letzten Jahren falsch gelaufen ist, um diese Fehler in Zukunft nicht mehr zu machen und versuchen die Stärken der Stadt Frankfurt und dem Umfeld in den Vordergrund zu rücken, um langfristig in der ersten Liga zu bleiben", so Schur.
Trainer Armin Veh sieht dieses Ziel aber bereits vor dem Startschuss der Saison in Gefahr und verweist auf Probleme in seiner Verteidigung.
Nach dem Abgang von Gordon Schildenfeld zu Dynamo Moskau steht mit Heiko Butscher nur ein Innenverteidiger von Erstliga-Format im Kader.
Viel Arbeit für den Manager
"So können wir nicht in die Saison gehen", warnte der Coach bereits - und bekommt Unterstützung.
"Wenn Armin Veh sagt, er hat hinten Probleme, dann muss man da gut zuhören und versuchen, eine gute Mannschaft zusammenzustellen", sagt Schur zur aktuellen Lage in der Abwehr. "Für Frankfurt ist es wichtig, auf so einen erfahrenen Trainer zu hören."
Viel Arbeit also für Manager Bruno Hübner, der sich anschickt, bald erste Erfolge zu vermelden.
Auch dank des Transfers von Schildenfeld, der den Hessen knapp 2,5 Millionen Euro beschert.
Bislang sieben neue Spieler
So soll eine erneute Ausleihe von Gladbachs Bamba Anderson kurz bevorstehen. "Der Spieler will, die Eintracht will. Nur Gladbach hat noch ein paar wirtschaftliche Bedenken", sagte Andersons Berater Wolfgang Vöge auf Nachfrage von "hr-online".
Weitere Kandidaten für die Defensive sind der Ex-Kölner Henrique Sereno, Inter Mailands Nachswuchsverteidiger Luca Caldirola und der 15-fache norwegische Nationalspieler Vadim Demidov vom spanischen Erstligisten Real Sociedad.
Letzterer soll aber Premier-League-Absteiger Wolverhampton Wanderers bevorzugen.
Bisher haben die Hessen für die Mission Klassenerhalt Stefano Celozzi, Bastian Oczipka, Stefan Aigner, Martin Lanig, Takashi Inui, Kevin Trapp und Olivier Occean unter Vertrag genommen.
Eintracht verhandelt mit Neapel
"Ich denke schon, dass man mit den bisherigen Neuverpflichtungen ein Konzept verfolgt", sagt Schur zur Transferpolitik und sieht auch den mittlerweile 30-Jährigen Occean von Mitaufsteiger Greuther Fürth als guten Griff: "Der kann die nächsten zwei Jahre seine Tore in der Bundesliga machen."
Ob Occean im kommenden Jahr an der Seite von Aufstiegs-Stürmer Erwin Hoffer (9 Tore/4 Assists) stürmen wird, ist allerdings noch unklar.
Die Eintracht steht weiterhin in Verhandlungen mit dem SSC Neapel, dem der zuvor ausgeliehene "Jimmy" noch gehört.
Sollte der Deal scheitern, hat man bereits Augsburgs Stürmer Thorsten Oehrl als Ersatz ins Auge gefasst.
Umstellung der Spielweise
Doch auch so sieht Schur die Mannschaft für die Bundesliga gut gerüstet: "Die Mannschaft hat schon in der Zweiten Liga ihr grosses Potenzial bewiesen, zusammen mit den bisherigen Verstärkungen ist das eine gute Basis."
Allerdings ist klar, dass die Hessen, die sich in der Zweiten Liga durch eine dominante Spielweise und den besten Sturm (76 Treffer) auszeichneten, ihre Spielweise umstellen müssen.
"In der Bundesliga kommt eine ganz andere Qualität auf einen zu, so dass man da eher etwas defensiver agieren wird", analysiert Schur, streicht aber auch heraus: "Ich denke dennoch, dass Frankfurt eine gute Rolle spielen wird."
Wer wird Hauptsponsor?
Mit Spielern wie Oka Nikolov, Pirmin Schwegler, Benjamin Köhler und Zweitliga-Torschützenkönig Alex Meier stehen zahlreiche Erstliga erprobte Akteure im Kader.
Unklar ist indes, wer der neue Hauptsponsor der Eintracht sein wird. Nach dem Ausstieg des langjährigen Vertragspartners Fraport (seit 2001) ist die Frankfurter Brust noch blank.
Alles deutet darauf hin, dass der Bierbrauer Krombacher am 19. Juli offiziell als neuer Geldgeber präsentiert wird, weswegen sich auch mittlerweile der langjährige Premiumpartner Licher verabschiedet hat.
"Veh kennt Bundesliga"
Schur setzt in jeder Hinsicht auf die starken Männer am Riederwald.
"Veh kennt die Bundesliga und auch Heribert Bruchhagen und Hübner haben Erfahrung, die muss man nutzen", nennt er die Trümpfe beim neuerlichen Anlauf, sich in der Bundesliga zu etablieren.
In der Hoffnung, dass es beim fünften Mal dauerhaft klappt.
SPORT1



















