Schmiergelder: Blatter mit dem Rücken zur Wand
München/Zürich - Es wird eng für Joseph S. Blatter:
Die Schlinge um den Hals des scheinbar allmächtigen Präsidenten des Fussball-Weltverbandes FIFA zieht sich zu.
Denn laut der Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zug drängt sich immer mehr der Verdacht auf, dass der mittlerweile 76-Jährige in seiner damaligen Funktion als FIFA-Generalsekretär sehr wohl von Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe gewusst hat.
Empfänger dieser Beträge waren sein Amtsvorgänger Joao Havelange (96) und dessen ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixeira (65).
"FIFA hatte Kenntnis von Schmiergeldern"
Der Walliser Blatter leitete schon damals das Tagesgeschäft der FIFA von Zürich aus.
"Nicht infrage gestellt werden kann die Feststellung, dass die FIFA Kenntnis von Schmiergeldern an Personen ihrer Organe hat", heisst es in der nun publizierten Einstellungsverfügung.
Die Gelder waren geflossen von der inzwischen insolventen FIFA-Vermarktungsagentur ISL unter Führung von Jean-Marie Weber, der als langjähriger FIFA-Geschäftspartner ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu Blatter, der 1998 zum FIFA-Chef gewählt wurde, gepflegt haben soll.
Provisionen im dreistelligen Millionenbereich
Laut offiziellem Gerichtsbeschluss hat die ISL zwischen 1989 und 1998 "Provisionen von 122.587.308,93 Schweizer Franken bezahlt (102 Millionen Euro). Zwischen 1999 und 2001 sind weitere 37.399.114.05 Franken (31 Millionen Euro) verzeichnet.
Insgesamt sind somit rund 160 Millionen Schweizer Franken (133,22 Millionen Euro) geflossen. Dies berichtet die Schweizer "Handelszeitung".
Der Brasilianer Havelange, der von 1974 bis 1998 die FIFA angeführt hatte, erhielt demnach im Jahr 1997 1,5 Millionen Schweizer Franken (ca. 1,25 Millionen Euro) von ISL. Der Vermarkter war im Mai 2001 in Konkurs gegangen.
Das langjährige FIFA-Exekutivmitglied Teixeira, der Anfang des Jahres nach 13 Jahren als Präsident des brasilianischen Fussball-Verbandes zurückgetreten war, kassierte zwischen 1992 und 1997 sogar 12,7 Millionen Franken (ca. 10,5 Millionen Euro).
Bundesgericht lehnt Beschwerde ab
Die brisanten Schriftsätze waren publiziert geworden, da zuvor das Schweizerische Bundesgericht die Beschwerde gegen eine Veröffentlichung abgelehnt hatte.
Die FIFA versuchte, die Brisanz aus den nun publizierten Zahlen und Veröffentlichungen zu nehmen.
"Das Bundesgerichtsurteil liegt auf der Linie, die die FIFA und der FIFA-Präsident seit 2011 verfolgen, als der Weltfussballverband seinen Willen zur Veröffentlichung der ISL-Einstellungsverfügung bekannt gab", hiess es in einer offiziellen Erklärung.
Blatter sei nicht in den Fall verwickelt, das habe bereits die Staatsanwaltschaft Zug festgehalten, derzufolge "keine Schweizer beteiligt" seien. Es bleibt allerdings mehr als ein "Geschmäckle"...
Akteineinsicht verlangt
Im Mai 2010 hatte die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug ein Verfahren gegen die zwei FIFA-Funktionäre Havelange und Teixeira eingestellt. Mehrere Journalisten hatten daraufhin Akteneinsicht verlangt.
Die FIFA unterstrich derweil, dass das Bundesgericht in seinem Urteil auf Seite 3 unter Punkt B.1.4 festhalte: "Die Namen sämtlicher nicht beschuldigter Dritter, natürlicher und juristischer Personen, werden nicht offengelegt und in der Einstellungsverfügung anonymisiert. Davon ausgenommen sind die Namen der ISMM/ISL."
Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Zug im Mai 2010 ein Verfahren gegen den Weltverband und Havelange und Teixeira eingestellt.
Dafür waren 5,5 Millionen Franken (4,58 Millionen Euro), davon 2,5 Millionen Franken (2,08 Millionen Euro) von der FIFA, als Entschädigung von den beschuldigten Parteien gezahlt worden. Sonderermittler Thomas Hildbrand hatte den Vorwurf der "ungetreuen Geschäftsbesorgung und Veruntreuung" erhoben.
Erfolg der Medien
Vier Schweizer Zeitungen und die britische "BBC" hatten die Herausgabe der Einstellungsverfügung verlangt. Dagegen wehrten sich Havelange und Teixeira sowie zunächst auch die FIFA.
Ende Dezember 2010 hatte das Obergericht des Kantons Zug entschieden, die Einstellungsverfügung den Medien zugänglich zu machen. Erst danach stieg die FIFA aus dem Verfahren aus.
Joseph "Sepp" Blatter steht jetzt mit dem Rücken zur Wand.
SPORT1

