Carvajal geht, Reals Nachwuchsproblem bleibt
Von Thorsten Mesch
München - Der Wechsel von Rechtsverteidiger Dani Carvajal von Real Madrid nach Leverkusen ist in trockenen Tüchern.
"Heute habe ich einen wichtigen Schritt in meiner Karriere getan. Ich werde die nächsten fünf Jahre für Bayer 04 Leverkusen spielen", twitterte der Rechtsverteidiger am Montag.
Am Dienstag soll der Transfer nach dem Medizin-Check endgültig über die Bühne gehen. Über fünf Millionen Euro soll sich die Ablöse belaufen.
Für ihn sei "der Schritt von der zweiten spanischen Liga in die Bundesliga eine grosse Chance", teilte der 20-Jährige weiter mit.
Keine Chance in Reals Erster
Eine Chance, die er in Madrid nie bekommen hat.
Carvajal schaffte zwar mit Real Madrid Castilla, der Reservemannschaft des spanischen Rekordmeisters, den Aufstieg in Segunda Division.
Der Sprung in die Profimannschaft blieb dem U-19-Europameister von 2011 jedoch verwehrt.
Sanmartin in die Bundesliga?
Carvajals Castilla-Teamkollege Jose Luis Sanmartin, genannt "Joselu", war mit 19 Treffern Torschützenkönig der Gruppe 1 der Segunda Division B. Doch auch er steht kurz davor, die Madrilenen zu verlassen.
Der 22-Jährige, der am letzten Spieltag der vergangenen Saison beim 8:1 gegen Almeria sein Profidebüt feiert und dabei ein Tor erzielte, wurde zuletzt mit 1899 Hoffenheim, Borussia Mönchengladbach, dem FC Arsenal und West Ham United in Verbindung gebracht.
Von acht Millionen Euro Ablöse ist die Rede.
Auch Juanfran vorm Abgang
An Rechtsaussen Juanfran soll Real Betis Sevilla interessiert sein. Insgesamt könnte der Erlös aus dem Verkauf der drei Reservespieler 15 Millionen Euro in Reals Kasse bringen, rechnete die "Marca" aus.
Doch können mögliche Einnahmen nicht die Probleme überdecken, die Madrids Nachwuchsleute haben.
Wie schwer es ist, den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen, zeigt auch ein Blick in den Profikader der "Königlichen".
Casillas und Arbeloa die Ausnahme
Während bei Erzrivale FC Barcelona mit Xavi, Andres Iniesta und Co. allein acht Eigengewächse in der Stammformationen stehen und auch dahinter zahlreiche Katalanen mit den Hufen scharren, schafft bei Königlichen kaum ein Akteur den Sprung ins erst Team:
Ausser Torwart Iker Casillas und Aussenverteidiger Alvarao Arbeloa kommen nur noch Mittelfeldmann Esteban Granero und Stürmer Jose Callejon aus der Real-Jugend.
An Arbeloa, der gerade mit Spaniens Nationalmannschaft Europameister wurde, kommt Carvajal nicht vorbei.
Für Mourinho unbedeutend
Seinen einzigen Einsatz im Team von Trainer Jose Mourinho hatte er im vergangenen Jahr in einem Benefizspiel.
Als Reals Coach ihn im Sommer 2010 mit auf US-Tour nehmen wollte, verletzte sich Carvajal kurz vorher beim Baden am grossen Zeh und musste in Spanien bleiben.
Mourinho berief den Abwehrspieler zwar für das Champions-League-Achtelfinale bei Olympique Lyon in den Profikader, doch in Frankreich war Carvajal nur Zuschauer.
Leverkusen als grosse Chance
Im Dezember 2011 sollte er dann im Pokal gegen Ponferradina endlich debütieren, doch sein Einsatz kam nicht zustande, weil sich Mourinho mit Castilla-Coach Jose Alberto Toril zerstritten hatte.
Als Carvajal zusammen mit seinen Teamkollegen Alejandro Fernandez Iglesias, kurz "Alex", und Alvaro Morata für den Gewinn der U-19-EM geehrt wurde, sass er verletzt auf der Tribüne.
In Leverkusen will er sich nun seinen Traum erfüllen, endlich auf der grossen Fussballbühne zu glänzen.
SPORT1











