Götze: Erster Dirigent oder nur zweite Geige?
Von Christian Paschwitz
München - Selbst wenn er weit weg war:
Beim Badespass im Wasser wollte Mario Götze nur ungern zurückstehen.
Während die Teamkollegen im Trainingslager in den Tiroler Alpen Abkühlung in einem Bergsee suchten, wurde auch Dortmunds Jungstar im Urlaub von Paparazzi am Pool abgelichtet.
Kehl macht sich Sorgen
Sebastian Kehl dürfte die gute Stimmung des 20-Jährigen freuen.
"Wenn mich mein Eindruck nicht trügt, hat Mario in den letzten Tagen und Wochen sein Lächeln ein Stück weit verloren", hatte sich der BVB-Kapitän kürzlich im "kicker" gesorgt.
Wegen einer Schambeinentzündung war Götze im vergangenen halben Jahr in der Bundesliga kaum zum Einsatz gekommen; auch bei der EM blieb der deutsche Nationalspieler aussen vor, durfte nur im Viertelfinale gegen Griechenland (4:2) fü elf Minuten ran.
"Das nagt an mir"
Ein Zustand, der den Offensiv-Allrounder zuletzt Frust schieben liess:
"Das nagt an mir. Ich bin mit dieser Situation unzufrieden", hatte Götze während der EM gemault.
Kehl kann es nachempfinden, mahnt jedoch: "Mario sollte sich immer vor Augen führen, dass er noch sehr jung ist, über enormes Potenzial verfügt."
Kein "Götzinho" mehr
Abrufen konnte es Götze zuletzt selten - was manchen Experten verwundert.
Götze galt schliesslich als körperlich wieder absolut fit, Joachim Löw hielt vor der EM grosse Stücke auf ihn.
Doch während des Turniers drängte sich "Götzinho", wie ihn Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer einst nach einer Gala gegen Brasilien nannte, keineswegs auf, die Trainingseindrücke waren offenbar zu dürftig.
Reus prescht vorbei
Statt Götze bekamen aus dem Kreis der Ergänzungsspieler Leverkusens Andre Schürrle und vor allem Marco Reus den Vorzug.
Der Ex-Gladbacher, ab sofort auch Dortmunder Klub-Gefährte, setzte nicht nur wegen seines Tores gegen die Griechen Akzente.
Seinen Stellenwert unterstrich Götzes Kumpel auch beim Turnier-Aus gegen Italien (1:2), als er nach seiner Einwechslung für mächtig Wirbel sorgte.
Klopp zuversichtlich, aber...
Das Götze im Klub nun das gleiche Schicksal droht, ist momentan auszuschliessen.
Jürgen Klopp rechnet fest damit, dass der Youngster schon bald wieder aufblüht:
"Wir werden ihm dabei helfen und versuchen, ihm in der Vorbereitung möglichst viel Spielpraxis zu geben. Wir werden ihn darauf vorbereiten, idealerweise eine ganze Saison in einer richtig guten Verfassung zu bestreiten", sagte der Coach im "Südkurier".
Keine Sonderstellung
In der "Welt" meinte Klopp aber ebenso: "Marco Reus braucht keine Sonderstellung, er will sie nicht, und ich vergebe sie auch nicht."
Dass nach dem Double-Gewinn Motivation für neue Grosstaten fehlt, schliesst der Coach ("Wer das grosse Ganze gefährdet, der kann gehen") in der "Bild" ohnehin aus:
"Sollten wir einen finden, den ich nicht mehr motivieren kann, der wäre hier auch nicht mehr so glücklich. Dem würden wir dann bei einer Veränderung durchaus unter die Arme greifen."
Götze bekommt die Zehn
Bei Götze soll jetzt erst einmal eine Beförderung greifen. Der BVB verlieh seinem Starspieler nun die Chefrolle, gab ihm das Trikot mit der Nummer 10.
"In der Jugend habe ich nur damit gespielt. Toll, dass ich jetzt auch in der Bundesliga wieder mit meiner Lieblingszahl auflaufen darf", so Götze, für den die "besondere Nummer" aber keine Belastung bedeutet:
"Ich sehe die Zehn eher als zusätzlichen Ansporn."
Reus wohl Regisseur
Im abgelaufenen Meisterjahr hatte Götze noch die Nummer 11 - die nun Neuzugang Reus bekommt.
Und auch als Spielmacher bekommt Götze wahrscheinlich den 23-Jährigen vor die Nase gesetzt:
Nach dem Abgang von Shinji Kagawa (zu Manchester United) deutet sich an, dass Reus für den Japaner die Position gleich hinter dem Angriff besetzen wird.
Götze müsste dann weiterhin mit der rechten Seite vorlieb nehmen.
Königstransfer für 17,1 Millionen
Doch nicht nur Dortmunds Königstransfer Reus (17,1 Millionen Ablöse) bedroht Götzes Status.
Mit Kevin Grosskreutz, Jakub Blaszczykowski, Ivan Perisic und Neuzugang Leonardo Bittencourt ist der Konkurrenzkampf im offensiven Mittelfeld sowieso enorm.
Noch gilt für Götze eine Schonfrist.
Vorerst Schonfrist
"Bei uns kann ein Spieler natürlich auch mal nicht in Form sein. Wir würden ihn trotzdem weiter mit Respekt behandeln und versuchen, ihn wieder in Form zu bringen", so Klopp in der "Welt".
Irgendwann aber ist aller Nimbus aufgebraucht:
Auf die Frage, ob er einen Spieler durchschleppen würde, nur weil er als Persönlichkeit einen grossen Wert für die Mannschaft hat, antwortete der Trainer:
"Doch. Aber nicht auf dem Platz."
SPORT1



















