Bescheidener Klopp bastelt am nächsten Coup
Von Martin Volkmar
München/Kirchberg - Die Freude, dass es wieder los geht, ist bei Jürgen Klopp beinahe aus jeder Faser seines Körpers zu spüren.
"Die Pause war lang genug", sagte der Meistertrainer von Borussia Dortmund beim Trainingsauftakt am vergangenen Mittwoch.
51 Tage lagen zwischen den Double-Feiern und dem lockeren Aufgalopp, am Tag danach ging es bereits ins erste Trainingslager nach Kirchberg/Tirol .
"Geschichte der Saison muss erst noch geschrieben werden"
Dort bastelt Klopp am nächsten Coup.
"Die Geschichte der 50. Bundesliga-Saison muss erst noch geschrieben werden und unsere auch", meinte der Coach im Gespräch mit SPORT1 zurückhaltend: "Aber wir wollen weiter den maximalen Erfolg."
Dies müsse aber nicht zwangsläufig die historische dritte Meisterschaft in Folge sein. "Wir sind ein Verein, der Erfolg nicht nur über Meistertitel definiert. Das ist der Unterschied zu Bayern München", erklärte er der "Welt".
Bescheidene Saisonziele
Daher hat der BVB, der für die meisten Fans und Experten nach den jüngsten Erfolgen erneut als Favorit in die Saison geht, nur relativ bescheidene Ziele formuliert.
"Wir halten es für möglich, mit dieser Mannschaft wieder die Championsleague zu erreichen. Das ist kein leichtes Ziel, aber es erscheint machbar. Alles andere ist ein Zubrot", meinte Klopp.
Dabei nährt er selber die Vermutungen, dass die Westfalen trotz des Abgangs von Shinji Kagawa (zu Manchester United) und Lucas Barrios (zu Guangzhou Evergrande/China) keineswegs schwächer geworden sind.
Weiter mutig bei Transfers
"Wir haben uns geschworen, bei unseren Transfers mutig zu bleiben und das sind wir geblieben", erklärte Klopp SPORT1.
Was weniger für die vier in Kirchberg präsentierten Neuzugänge Julian Schieber, Oliver Kirch, Leonardo Bittencourt und Mustafa Amini gilt, sondern vor allem für Dortmunds "Königs-Transfer": Marco Reus.
"Marco passt perfekt zu uns"
"Marco ist ein aussergewöhnlicher Spieler. Er passt perfekt zu uns", freute sich Klopp, der auch die hohe Ablöse keinesfalls als Problem sieht:
"Im Fussball gibt es nur ein Prinzip, und das orientiert sich nicht an Ablösesummen, sondern an der Leistung. Was die Ablöse angeht, ist die Entscheidung längst gefallen. Wir haben die 17 Millionen Euro für ihn bezahlt. Und er ist das Geld wert."
Die starken Auftritte des 23-Jährigen bei der EM haben den Coach in seiner Ansicht bestätigt, Reus sei "ein noch besserer Spieler als der, der er in Mönchengladbach schon war".
Für Kagawa hinter der Spitze?
Vieles spricht dafür, dass der Nationalspieler Kagawa auf der Position im zentralen offensiven Mittelfeld ersetzen wird und Mario Götze trotz seiner neuen Rückennummer 10 weiter auf rechts spielen wird.
Ohnehin hat Klopp mit den weiteren Kandidaten Kevin Grosskreutz, Jakub Blasczykowski, Ivan Persisic und Bittencourt ein luxuriöses Überangebot.
"Wenn diese Jungs ihr Potenzial abrufen, haben wir eine richtig gute Offensive", weiss Klopp, der nun nahezu alle Positionen für den Tanz auf drei Hochzeiten hochkarätig doppelt besetzt hat.
Kein Platz für Neid-Debatten: "Dann müsste man sich trennen"
Trotzdem ist der 45-Jährige davon überzeugt, dass die Stimmung in der Mannschaft auch von den potenziellen Bankdrückern nicht nachhaltig gestört werden wird.
Jegliche Neid-Debatte angesichts der hohen Ablöse für Reus werde er im Keim ersticken.
"Wer so etwas in irgendeiner Form thematisiert, hätte den Gedanken, der hinter unserer Mannschaft steht, nicht verstanden. Dann müsste man sich trennen", stellte er klar und nannte als Negativ-Beispiel die Vergangenheit:
"Bei uns gibt es keinen Marcio Amoroso mehr, der einen eigenen Physiotherapeuten und einen eigenen Arzt mitgebracht hat. So etwas wird hier nicht mehr vorkommen. Wer das grosse Ganze gefährdet, der kann gehen."
SPORT1



















