Breno-Tragödie: Überfordert mit dem Leben
Von Andreas Kloo
München - Am 13.12.2007 schien der FC Bayern einen grossen Transfercoup gelandet zu haben.
An diesem Tag vermeldeten die Münchner die Verpflichtung des 18-jährigen Breno Vinicius Borges, genannt Breno.
Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge nannte den 12 Millionen Euro teuren Abwehrspieler eine Verpflichtung für die Zukunft, Giovane Elber, der Breno in Brasilien entdeckt hatte, sprach gar von einer "Granate".
"Er ist kopfballstark, robust, schnell, beidfüssig und für sein Alter besitzt er eine enorme Ruhe. Er ist ruhig am Ball, er schlägt ihn nie blind nach vorne und sucht immer den Mitspieler. Er grätscht nur selten und versucht immer vor seinem Gegenspieler am Ball zu sein", beschrieb der frühere Bayern-Stürmer die Fähigkeiten Brenos damals.
Eine echte Tragödie
Die grossen Hoffnungen in Breno erfüllten sich nicht. Heute, viereinhalb Jahre später, ist mehr zerstört als nur Brenos Fussball-Karriere.
Es ist eine Tragödie, wie sie im Buche steht. Eine Tragödie über einen jungen Mann, der nie erwachsen geworden ist und nicht gelernt hat, sich in einer fremden Welt zurechtzufinden.
Am Mittwoch wurde der Brasilianer wegen schwerer Brandstiftung zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.
Breno reagiert gefasst
"Es ist eine schwere Stunde für Breno, er ist sehr gefasst", sagte sein Verteidiger Werner Leitner zur Gemütslage des Brasilianers.
"Er ist stabil und wird die ersten schweren Tage überstehen", versuchte er Sorgen um Breno zu zerstreuen.
Leitner prüft, gegen das Urteil des Landgerichts München I Berufung einzulegen.
"Sein Leben ruiniert"
Andere machen sich mehr Sorgen um Breno:
"Sein Leben ist jetzt ruiniert. Man muss sich ernsthaft Gedanken machen um Breno. Das ist ein schwerer Schlag", sagte Lazio Roms Sportdirektor Igli Tare zu SPORT1 in einer ersten Reaktion auf das Urteil.
Bei den Römern sollte Breno einen Neuanfang wagen. Der Vertrag lag schon bereit.
Depressionen und Alkoholprobleme
Ähnlich geschockt äusserte sich Elber gegenüber der "Sport Bild": "Seine Karriere ist vorbei. Das ist eine Katastrophe." Besorgt stellte er fest: "Das Gefängnis wird ihm nicht helfen. Der Junge ist krank, er hat Probleme. Er braucht Hilfe."
Dass Breno unter psychischen Problemen litt, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Er war wegen Depressionen in ärztlicher Behandlung, und kämpfte mit einem Alkoholproblem.
Brenos Psychiater berichtete vor Gericht von bis zu zehn Flaschen Bier oder einer Flasche Whisky am Tag.
Auch von Tablettensucht ist die Rede.
Wenig Spielpraxis zu Beginn
Letztlich fand sich Breno alleine in München - weit weg von seiner brasilianischen Heimat - nicht zurecht. Ein Gutachter beschreibt ihn als eindimensionale Persönlichkeit, er habe nur "Familie und Fussball."
Doch anfangs fehlte ihm meist der Fussball. Breno kam nur selten zum Einsatz.
Ganze fünf Bundesligaspiele absolvierte der Abwehr-Hüne in seinen ersten eineinhalb Jahren beim FCB.
Kreuzbandriss als Anfang vom Ende
Im Januar 2010 liehen die Bayern Breno zum 1. FC Nürnberg aus. Dort begann er aufzublühen, und zeigte das Potenzial, das Elber schon im Dezember 2007 versprochen hatte:
Doch ein Kreuzbandriss, den er sich im März 2010 gegen Bayer Leverkusen zuzog, beendete Brenos kurzen Aufschwung.
Danach kam er nie mehr auf die Beine. Vor jener folgenschweren Nacht, in der seine Villa in Flammen aufging, hatte Breno die Hiobsbotschaft von einer weiteren Knieoperation erhalten.
Psychisch am Ende war er wohl schon vorher.
Elber gibt Bayern Mitschuld
In seiner Heimat Brasilien war er schon mit 17 Jahren beinahe ein Star, wurde beim FC Sao Paulo zum besten Abwehrspieler der Liga gewählt, in München kannte ihn zunächst niemand.
Auch der FC Bayern muss sich die Kritik gefallen lassen, sich gerade in der Anfangszeit nicht genügend um Breno gekümmert zu haben.
Elber liess in dieser Hinsicht zuletzt kein gutes Haar an seinem Ex-Klub: "Der FC Bayern hat eine Mitschuld, dass es mit Breno so weit gekommen ist ", ist sich Elber sicher.
Im Alltag überfordert
"Junge Spieler aus Südamerika haben doch keine Ahnung, wie das Leben hier funktioniert. Manchmal braucht man auch als Spieler beim FC Bayern ein Kindermädchen", führte Elber weiter aus.
Arztbesuche, zum Einkaufen gehen - harmlos erscheinende Aktivitäten überforderten Breno offenbar schon. Auch weil er die deutsche Sprache nie richtig lernte.
Untersuchungen wegen Medikamentenschrank
Zur Kritik von Elber gesellten sich zuletzt neue Vorwürfe gegen den FCB. Offenbar war ein Medikamentenschrank im Klubgebäude frei zugänglich. Dort soll sich Breno Schlafmittel herausgenommen haben.
Die Staatsanwaltschaft bestätigte nach eingeleiteten Ermittlungen gegen den FCB inzwischen die Existenz dieses geöffneten Medikamentenschranks.
Der FC Bayern bedauerte in einer Pressemitteilung das Urteil gegen Breno. Die Münchner hätten sich gewünscht, dass er eine zweite Chance bekommt.
Zumindest sie können aus der Tragödie Breno etwas lernen.
SPORT1



















