Rangers-Aus: Sorge um ''soziale Unruhen''
Von Tobias Wiltschek
München - Das Unvorstellbare ist eingetreten.
Die Glasgow Rangers spielen nicht mehr in der schottischen Premier League .
Die grosse Tradition konnte den Klub aus dem Stadtteil Ibrox ebenso wenig vor dem Ausschluss aus der nationalen Eliteliga bewahren wie 54 Meistertitel, 33 Pokalsiege und ein Triumph im Europapokal der Pokalsieger.
Denn die harte Realität kennt keine Geschichte - und die anderen elf Klubs aus der Premier League kannten keine Gnade. Sie straften den einstigen Klassenprimus dafür ab, dass er vor allem zu Zeiten der Jahrtausendwende weit über seine Verhältnisse lebte und damit 166 Millionen Euro Schulden anhäufte.
166 Millionen Euro Schulden
Wegen der horrenden Verbindlichkeiten zeigten die Vereine den nach ihrer Insolvenz neu gegründeten Rangers die Rote Karte und schlossen sie aus ihrem Kreis aus.
"Die Entscheidung, den Antrag abzulehnen, fiel mit überwältigender Mehrheit und ist Ausdruck der tiefen Gefühle all derjenigen, die mit dem schottischen Fussball befasst sind", heisst es in einer Mitteilung des Rangers-Erzrivalen Celtic Glasgow.
Mit Ausnahme der Rangers und dem FC Kilmarnock, der sich bei der Abstimmung am Mittwoch der Stimme enthielt, haben alle Vereine der ersten Liga für den Ausschluss des Rekordmeisters gestimmt .
Tiefer Sturz droht
Damit droht dem Klub, bei dem auch die Deutschen Jörg Albertz und Stefan Klos einst spielten, der Sturz in die Bedeutungslosigkeit. Davor warnte nun der Vorsitzende des schottischen Fussballverbandes eindringlich und mit drastischen Worten.
"Ohne die Rangers könnte es zu sozialen Unruhen kommen", sagte Stewart Regan. "Dieser Klub hat eine riesige Anhängerschaft. Und wenn diese Menschen keinen Verein mehr hätten, den sie unterstützen können, würde das zu allerhand Problemen führen."
Von diesen Worten lassen sich aber längst nicht alle Entscheidungsträger im schottischen Fussball beeinflussen, so dass die Rangers den Gang bis hinunter in die vierte Liga fürchten müssen. Eine Entscheidung darüber soll am 12. Juli fallen.
Untere Klassen wollen Rangers nicht
Nach Informationen von britischen Medien haben sich bereits elf Klubs aus den drei Ligen unter der SPL gegen eine Aufnahme in die zweite Spielklasse ausgesprochen.
Deren Präsidenten vertreten die Meinung der Fans ihrer Vereine und fordern, dass die einst dominierenden Rangers nicht anders behandelt werden als der FC Livingston, der 2006 in einem vergleichbaren Fall wieder von vorn anfangen musste.
Allerdings droht der Liga durch den Verlust der Rangers nun ein ungleich grösserer finanzieller Sachaden. Denn der bestehende TV-Vertrag mit den Sendern "BSkyB" und "ESPN" sieht mindestens vier Old-Firm-Duelle zwischen den Rangers und Celtic vor, die nun vorerst entfallen.
Sender zu Kompromiss bereit
Medienberichten zufolge seien die Sender bestenfalls bereit, eine Saison ohne das brisante Glasgower Derby zu überbrücken. Solch eine Kompromisslösung könnte aber nur dann wirksam werden, wenn die Rangers in die zweite Liga zurückgestuft werden und dann direkt wieder aufsteigen.
Indes werden weitere Einzelheiten zu den dubiosen Geschäftspraktiken des Ibrox-Klubs in den 1980er und 90er Jahren unter der Ägide des damaligen Besitzers David Murray bekannt.
Klos verdient so viel wie Beckham
Wie die Zeitung "Daily Record" meldet, soll beispielsweise der deutsche Torwart Stefan Klos in vier Jahren über zehn Millionen Euro erhalten haben und damit ähnlich gut bezahlt worden sein wie die damaligen Superstars David Beckham, Steve McManaman und Ronaldo.
Der britischen Steuerbehörde wurde aber nur ein Bruchteil der Gehälter angegeben. Viel Geld floss stattdessen in einen vereinseigenen Fonds, von dem der damalige Kapitän Barry Ferguson und Klub-Besitzer Murray neben Klos am meisten profitierten.
Vorbild für die UEFA?
Weitere namhafte Profis, wie Ronald de Boer, Arthur Numan, Tore Andre Flo oder Dado Prso, sollen auf ähnliche Weise vergütet worden sein.
Alle sind in den Neunziger Jahren geholt worden, um aus den Rangers wieder eine Top-Adresse im europäischen Fussball zu machen. Jetzt stehen die Transfers für den Anfang des bitteren Endes eines Traditionsklubs, der auch mit einer dreijährigen Sperre durch die UEFA rechnen muss.
Für den Europäischen Verband könnte die mutige Entscheidung der schottischen Liga Vorbildcharakter haben. Schliesslich will die UEFA mit ihrem "Financial Fair Play" ernst machen und auch in ihren Wettbewerben heillos überschuldete Spitzenklubs hart bestrafen.
SPORT1











