BVB bescheiden: Bayern ist der Favorit
Aus Dortmund berichtet Thorsten Langenbahn
Dortmund - "Puuuh, war das anstrengend", sagte Jürgen Klopp scherzhaft, nachdem er seinen Spielern bei mehr als 30 Grad beim Laktattest zugesehen hatte.
Am Mittwoch hat Borussia Dortmund als drittletzter Bundesligist das Training wieder aufgenommen. Die Stimmung in der Westfalenmetropole ist auch 51 Tage nach der Double-Feier noch meisterlich.
Mit acht Punkten vor den Bayern hatten die Schwarz-Gelben den Titel verteidigt. "Es wäre mir lieber, man könnte den Vorsprung mitnehmen in die neue Saison", sagte Klopp zurückhaltend.
Ziel Titelverteidigung gibt keiner aus
Von der Titelverteidigung will bei dem erklärten Bayern-Konkurrenten jedoch niemand sprechen. "Wir bleiben bescheiden und bodenständig", betonte der BVB-Vorsitzende Hans-Joachim Watzke.
Gemeinsam mit Klopp und Sportdirektor Michael Zorc formulierte er als Ziel in der Liga nicht etwa die erneute Meisterschaft, sondern relativ defensiv "die Qualifikation für die Championsleague".
In der Königsklasse wünscht sich die sportliche Leitung des achtmaligen Meisters nach dem frühen Scheitern im Vorjahr, in dieser Saison mindestens die Gruppenphase zu überstehen.
Neun EM-Teilnehmer im Urlaub
90.000 Dauerkarten hätte der BVB absetzen können. Beim Trainingsauftakt knapp acht Wochen nach dem grossen Meisterkorso durch die Westfalenmetropole mieden die Double-Sieger jedoch den Trubel.
Der Laktattest im Hoeschpark im Dortmunder Norden fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Nur wenige hundert Meter entfernt vom Borsigplatz, der Wiege des Ballspielvereins Borussia 09, schwitzten elf Profis in zwei Gruppen. Am Donnerstag reist der Kader um Kapitän Sebastian Kehl ins erste Trainingslager nach Tirol.
Neben seinen neun EM-Teilnehmern musste Klopp gut sieben Wochen vor dem Ligastart auf Rechtsverteidiger Patrick Owomoyela (Riss der Muskelhülle in der Wade) verzichten. Ersatztorhüter Mitchell Langerak ist noch mit der australischen Auswahl auf Länderspielreise.
Schieber will um seine Chance kämpfen
Neuzugang Julian Schieber (kam für 5,5 Millionen vom VfB Stuttgart) stieg beim Rundenlauf mit steigender Belastung nach Torhüter Roman Weidenfeller als Zweiter aus.
rotzdem war der 23-Jährige zufrieden: "Ich freue mich, dass es losgeht. Jetzt muss ich um meine Chance kämpfen und mich reinarbeiten", sagte der neue Sturm-Konkurrent von BVB-Torjäger Lewandowski.
Talent Leonardo Bittencourt (kam von Energie Cottbus) und Oliver Kirch (1. FC Kaiserslautern) gaben ebenfalls alles. "Ich bin relativ kaputt, aber das gehört dazu", sagte Kirch ausgepumpt.
Watzke schliesst weitere Abgänge aus
"Die Transferbilanz ist ausgeglichen", sagte Watzke. Weitere Abgänge nach den Verlusten von Shinji Kagawa (zu Manchester United) und Lucas Barrios (Guangzhou/China) schloss er aus und schob damit Spekulationen um einen möglichen Lewandowski-Wechsel einen Riegel vor.
Weitere Verpflichtungen seien "Stand jetzt nicht geplant, aber die Transferperiode geht ja bis zum 31.08.", sagte Zorc.
BVB erreicht Rekordumsatz
Allein durch die 54.000 verkauften Dauerkarten hat der BVB schon vor dem Saisonstart rund 20 Millionen Euro eingenommen.
Über das abgeschlossene Geschäftsjahr liess Watzke bereits vor der Bilanzpressekonferenz im August verlauten: "Ziel war es immer, an der 200-Millionen-Umsatz-Marke zu kratzen. Diese haben wir deutlich übersprungen", sagte er.
Wirtschaftlich gebe es aber nach wie vor einen Klub, "der alles überstrahlt und dieses Jahr auch wieder mit der Favoritenbürde gesegnet sein wird", sagte Watzke mit Blick auf den FC Bayern.
Sammer bringt Bayern kein "Dortmund-Gen"
Mit der Verpflichtung von Matthias Sammer als Sportvorstand der Bayern hatte auch Jürgen Klopp nicht gerechnet. "Der spektakulärste Sportdirektor-Transfer in der Geschichte des Fussballs", meinte der 45-Jährige.
Watzke zeigte sich dagegen wenig überrascht: "Dass er irgendwann da landet, ist mir schon klar gewesen", sagte er mit Verweis auf Sammers Wohnsitz München und einen seiner Söhne, der beim FCB spielt.
2002 hatte Sammer als jüngster Trainer der Ligageschichte mit Dortmund die Meisterschaft gewonnen, war zuvor fünf Jahre erfolgreich als Spieler aktiv.
"Dass Bayern sich damit das Dortmund-Gen geholt hat, ist totaler Unfug", findet Watzke: "Borussia Dortmund ist heute komplett anders aufgestellt. Für die Bayern ist er ein absoluter Gewinn."
Kein Bonus für Meisterspieler
"In jedem Spiel alles zu investieren", forderte Klopp unterdessen von seinen Spielern:
"Es wird hier keiner spielen, weil er im letzten Jahr gut war, sondern weil er gut in Form ist. Die Europameisterschaft hat gezeigt, dass nur das Sinn macht."
Zorc sagte trotz aller Zurückhaltung in der Formulierung offensiver Ziele: "Ich glaube, dass die Mannschaft in ihrer Entwicklung noch nicht am Ende ist."
Die Bayern dürfen sich auf einen neuen schwarz-gelben Angriff im Kampf um die Schale gefasst machen - Sammer hin oder her.
SPORT1



















