Die Melodie der Künstler
Mit einer Machtdemonstration hat sich Spanien wieder zum Europameister gekrönt.
Die Iberer haben damit Geschichte geschrieben, als erstes europäisches Team drei grosse Turniere nacheinander gewonnen und sind mit Deutschland als Rekordeuropameister gleichgezogen.
Selbstverständlich ist der Titelgewinn für die Mannschaft von Trainer Vicente del Bosque auch absolut verdient.
Die Spanier hatten auch bei dieser EM den qualitativ besten Kader, trotz der Ausfälle von Rekord-Torjäger David Villa und Abwehrchef Carles Puyol.
Sie haben die wenigsten Gegentore kassiert (eines) und die meisten geschossen (zwölf).
Im Finale gegen ein lange Zeit starkes Italien versprühten sie orchestriert von den grossartigen Komponisten Andres Iniesta und Xavi auch endlich den Glanz, den viele neutrale Fans im Turnierverlauf bisher vermissten.
Dass ihnen ausserhalb von Madrid und Barcelona, von Sevilla und Valencia nicht alle Herzen zufliegen werden, dafür können sie nichts, es ist eine allzu menschliche Reaktion.
Zu offensichtlich führte das Finale von Kiew vor Augen, weshalb gegen diese Spanier derzeit kein Kraut gewachsen ist. Die "Furia Roja" schnürt dem Gegner mit ihrer Ballbesitz- und Pass-Dominanz die Luft zum Atmen ab.
Geduldig lassen die Spanier den Ball zirkulieren, warten auf die Ermüdung des Kontrahenten und die Chance, von der sie wissen, dass sie garantiert kommen wird.
Wenn der Gegner seine wenigen eigenen Gelegenheiten nicht nutzt, wie Italien im Endspiel, heisst der Sieger am Ende zwangsläufig Spanien.
Als "Tiki-Takenaccio" wurde dieser Stil während der EM verspottet. Wie ein Spiel des FC Barcelona ohne die kreativ-chaotischen Wow-Momente Lionel Messis sehe das aus, hiess es.
Dass diese Kritik zu kurz greift, zeigte das Finale von Kiew, das zur Zauberstunde der Dominatoren des Weltfussballs verkam. Und das trotz eines aufregenden und mutigen Italiens.
Die freudetrunkenen Iberer können diese Momente des Glücks in Zeiten einer monumentalen Wirtschaftskrise nur zu gut gebrauchen.
Dass in anderen Teilen des Kontinents die Melodie des spanischen Spiels nicht mehr nur Fans hat, wird ihnen egal sein.
Denn den Knopf zum Abschalten des spanischen Orchesters kann derzeit niemand finden.
SPORT1











