Zu wenig für den Titel
Was für ein ernüchternder Abend für die deutsche Nationalmannschaft und den gesamten deutschen Fussball.
Wieder ist eine DFB-Auswahl kurz vor dem grossen Ziel gescheitert - und was viel schlimmer ist: Sie hat es sich diesmal ganz alleine zuzuschreiben.
Die Mannschaft von Joachim Löw hat eine starke EM gespielt - bis zum Halbfinale.
Und sie hat ihr Riesenpotenzial, vielleicht das Grösste in der DFB-Historie, nicht umgesetzt, als es darauf ankam - wieder einmal.
Fussball ist ein einfaches Spiel: Am Ende gewinnt nicht unbedingt die bessere Elf, sondern diejenige, die den Ball ins Tor schiesst.
Das hat der FC Bayern traumatisch im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea erlebt.
Und auch die deutsche Mannschaft war nicht präsent, als es um alles ging. Und das ist eben auf allerhöchstem Niveau zu wenig für den lange ersehnten Titelgewinn.
Wie man es anders macht, zeigten die Italiener: Mutig nutzte die eigentlich unterlegene "Squadra Azzurra" die einmalige Chance, konzentriert in der Defensive und effektiv in der Offensive.
Das genaue Gegenteil zeigte leider die DFB-Elf: Zur Unzeit patzte die bis dahin so starke Abwehr und nach vorne hatte man irgendwann das Gefühl, dass es auch in den nächsten Stunden nicht für ein Tor aus dem Spiel heraus reichen würde.
Das Glück, was das Team bei Portugals zwei Lattentreffern oder in der Zitterphase gegen Dänemark hatte, war offenbar aufgebraucht.
Und die Mannschaft setzte nahtlos ihre für eine EM indiskutable Chancenverwertung fort, die sich ja schon in den anderen Spielen beinahe gerächt hatte.
Somit verlor Deutschland gegen "Angstgegner" Italien auf der ganzen Linie: In der Defensive, in der Offensive - und vor allem auch auf der Trainerbank.
Nachdem Joachim Löw bisher alles richtig gemacht hatte bei seinen Personalentscheidungen, machte er diesmal fast alles falsch.
Ohne Not riss er das gegen die Griechen funktionierende Team auseinander, setzte stattdessen auf die Totalausfälle Gomez und Podolski.
Das alles ändert nichts an den Verdiensten von Löw, der ein Team mit grossartiger Perspektive zusammengestellt hat, ebenso wenig wie an den Verdienstenvon Gomez, der die ersten beiden Spiele fast im Alleingang gewann, und auch an denen von Podolski.
Aber letztlich waren sie alle - genauso wie der Rest der Mannschaft - nicht in dem Moment auf ihrem Topniveau, als es um alles oder nichts ging.
Immerhin: Die Mannschaft ist jung genug, um aus diesen bitteren Erfahrungen für die nächsten Turniere ihre Lehren zu ziehen und es bei der WM 2014 besser zu machen.
Aber auch das hört man leider so ähnlich schon seit der WM 2006.











