Hitzfeld: Bayern braucht Dzeko nicht
Von Reinhard Franke
München - Eigentlich schien alles klar zu sein, doch der Transfer des Ex-Wolfsburgers Edin Dzeko zum FC Bayern wird immer mehr zur Hänegpartie.
Der langjährige Bayern-München-Coach Ottmar Hitzfeld, der den FC Bayern 2001 zum Champions-League-Triumph gegen den FC Valencia geführt hatte, sieht sogar keine Notwendigkeit, dass die Bayern den ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönig Dzeko vom englischen Champion Manchester City loseisen.
"Ich denke, wenn Pizarro kommt und Petersen bleibt, dann hat man genügend Stürmer. Noch einen Kracher zu holen, wäre nicht nötig. Ausser der Trainer sagt: Ich setze in Zukunft auf ein System mit zwei Spitzen", sagt Hitzfeld in der "Abendzeitung".
Aber bei einer 4-2-3-1-Formation habe man Mario Gomez und dahinter Claudio Pizarro. "Ein weiterer Hochkaräter kann gar nicht spielen", sagte Hitzfeld.
Zuviel Konkurrenz schädlich
Zuviel Konkurrenz könne ausserdem schädlich sein, betonte der erfahrene Fussballlehrer und zog Vergleiche zum niederländischen Nationalmannschaft, wo Robin van Persie und Klaas-Jan Huntelaar bei der EM-Endrunde in Polen und der Ukraine um einen Platz im Angriff von Oranje kämpften.
Der Vize-Weltmeister schied in der deutschen Vorrundengruppe ohne Punktgewinn sang- und klanglos aus.
Hitzfeld: Guardiola sicherlich ein Glücksgriff
Von einer anderen Überlegung ist Hitzefeld sehr vel mehr angetan. Der 63-Jährige bewertet die Anstrengungen des Rekordmeisters, den bisherigen FC-Barcelona-Trainer Josep Guardiola zu verpflichten, sehr positiv.
"Wenn man ihn bekommen kann und er sich zutraut, in der Landessprache die Mannschaft zu trainieren, dann wäre das sicherlich ein Glücksgriff", sagte der 63 Jahre alte Schweizer Nationaltrainer im Interview der "Abendzeitung".
Laut Hitzfeld würde der Katalane gut in die Bayern-Familie passen, weil er "ein Teamplayer ist, mit dem man reden kann, der sehr ausgeglichen wirkt".
Allerdings müsse der 41-Jährige Deutsch lernen. Hitzfeld: "Bei einem grossen Klub mit grosser Medienlandschaft muss man sich verständigen können."
Schuster skeptisch
Spanien-Experte Bernd Schuster äussert sich bei SPORT1 noch vorsichtig über diese mögliche Konstellation.
"Guardiola hat bisher ja nur Barcelona trainiert. Das hat hervorragend funktioniert, weil er den Verein von unten bis oben kannte wie kein Anderer. Ob das bei einem anderen Verein klappt, muss man aber abwarten", sagte der 52-Jährige.
Martinez sorgt für Irritationen
Ein weiterer Name wird an der Säbener Strasse immer konkreter genannt: der Spanier Javi Martinez.
Die Beraterfirma von Martinez hat jetzt eine Einigung mit den Bayern dementiert. "Das ist falsch, weder haben wir eine Einigung mit ihnen erzielt, noch stehen wir mit ihnen in Kontakt", wird Antonio Sanz, Sprecher der Agentur Bahia, in der spanischen Sporttageszeitung "Mundo Deportivo" zitiert.
Alles, was man über das Interesse des FC Bayern wisse, seien Gerüchte, die man aus der Presse erfahren habe. Auch Martinez' Klub Athletic Bilbao soll laut Sanz im Dunkeln tappen und mit dem deutschen Vizemeister gar nicht über einen Transfer des 23-Jährigen verhandeln.
"Wenn die Bayern ein ernsthaftes Interesse haben, sollen sie es mit einem Angebot beweisen. Wenn sie das machen, kommunizieren wir das an Athletic, dann sehen wir weiter", sagte Sanz. .
Ablösesumme in Höhe von 40 Millionen Euro
Zudem betonte Sanz, dass ein Interessent die vertraglich festgeschriebene Ablösesumme in Höhe von 40 Millionen Euro für den Defensivspieler aufbringen müsse. Bilbao, wo Martinez noch bis 2016 unter Vertrag steht, bestehe auf der Klausel.
Laut "Bild" hofft der FC Bayern aber, nur 20 Millionen zahlen zu müssen.
.Zuvor hatte die Münchner "tz" vermeldet, dass Martinez ein lukratives und langfristiges Vertragsangebot des FC Bayern mit einem Jahresgehalt von angeblich sieben Millionen Euro netto akzeptiert habe.
Auch Barca und ManCity interessiert
Der als Innenverteidiger und Mittelfeldspieler einsetzbare Baske hatte am Donnerstag selbst angekündigt, sich erst nach der EM in Polen und der Ukraine zu seinen Plänen zu äussern.
"Ich denke hier nicht an die Zukunft oder an andere Mannschaften", sagte er. Neben dem FC Bayern werden auch der FC Barcelona und Manchester City als Interessenten gehandelt.
Fakt ist, dass wie bei Dzeko noch kein Vollzug vermeldet werden kann.
Denn Bilbao-Präsident Jose Urrutia will offenbar keineswegs abrücken von der festgeschriebenen Ablösesumme. Da kommen noch ein paar zähe Verhandlungsrunden auf Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger zu.
SPORT1



















