Ballyhoo um Balotelli: Premiere mit hitzigem Vorspiel
Kiew - Hitzköpfe auf beiden Seiten, Kampfansagen und markige Worte der Experten:
Das erste K.o.-Duell der Fussball-Grossmächte England und Italien birgt eine Menge Brisanz.
Vor dem EM-Viertelfinale am Sonntag in Kiew steht vor allem der italienische Skandalstürmer Mario Balotelli vom englischen Meister Manchester City im Blickpunkt.
"Wir werden ihm ganz schön die Hölle heiss machen", sagte Mittelfeldspieler James Milner, Balotellis Klubkollege.
Balotelli in der Startelf?
Dann kündigte Milner an, Joleon Lescott, ein weiterer "Citizen", werde Balotelli "schon aus dem Spiel nehmen". Dabei ist noch gar nicht klar, ob Balotelli (21) von Beginn an spielen wird.
Beim 2:0 gegen Irland wurde er nur eingewechselt, machte ein Traumtor, das er mit wüsten Beschimpfungen Richtung Trainerbank feiern wollte.
Mitspieler Leonardo Bonucci hielt ihm geistesgegenwärtig den Mund zu.
Mancini fordert Vernunft
"Ich schlage ihm vor, einfach das zu spielen, was er kann, und nicht mehr eine solche Nervensäge zu sein", soll Balotellis italienischer Klubtrainer Roberto Mancini laut Berichten mehrerer englischer Medien gesagt haben:
"Mario, ich wünsche dir nur das Beste, aber schiess doch das nächste Mal ein Tor ohne die ganze Dramatik danach."
Für den ehemaligen Nationalspieler der Squadra Azzurra ist der Fussballer Balotelli aber über jeden Zweifel erhaben.
"Niemand sonst könnte England solche Probleme bereiten", sagte Mancini: "Mario ist unglaublich wichtig, man kann ihn einfach nicht auf der Bank lassen. Er müsste immer spielen, mit ihm ist das Nationalmannschaft viel stärker. Mario ist ein echter Champion - und Champions helfen dir, etwas zu gewinnen."
Elfmeterschiessen trainiert
Doch die Engländer, die nur 1980 in der EM-Vorrunde (0:1) und 1990 im WM-Spiel um Platz drei (1:2) bei Turnieren auf Italien trafen, haben vor nahezu nichts Angst.
Nach dem Erfolg des FC Chelsea im Champions-League-Finale gegen Bayern München nicht einmal vor dem Elfmeterschiessen.
"Ich würde schiessen, wenn man mich fragt. Und ich bin sicher, jeder andere würde das auch", sagte Abwehrspieler Glen Johnson vom FC Liverpool am Freitag mit breiter Brust.
Teammanager Roy Hodgson hat seine Spieler schon während des gesamten Turniers Elfmeterschiessen üben lassen, offenbar haben sie auch dabei Selbstvertrauen getankt.
Schlechte Statistik
Dass die Three Lions in den vergangenen 22 Jahren bei fünf WM- oder EM-Turnieren ausschieden, weil sie in der finalen Lotterie versagten, soll nur noch eine Statistik sein.
Auch wenn es bei weitem nicht die einzige ist, die dem Fussball-Mutterland Angst machen müsste.
Denn, unglaublich aber wahr, ausserhalb des heimischen Wembley-Stadions haben die Briten laut "Mirror" noch nie ein K.o.-Spiel gegen eine andere Fussball-Grossmacht gewonnen.
Und überhaupt haben sie nur ein K.o.-Spiel bei einer EM überstanden: 1996 in Wembley gegen Spanien, es war auch der einzige Erfolg in einem Elfmeterschiessen.
Ancelotti fordert Balotelli und Cassano
Doch die Zeiten haben sich geändert. England spielt heute defensiv stabiler, eher wie Italien.
Dafür spielt der viermalige Weltmeister bei dieser EM bisher ungewohnt offensiv, eher so wie früher England.
"Die Engländer sind wie Soldaten", sagte der italienische Startrainer Carlo Ancelotti, der sich ebenfalls für Balotelli und den anderen italienischen Star-Kicker Antonio Cassano stark machte.
England hofft auf Rooney
Auch die Briten hoffen auf einen charakterlich nicht ganz einfachen Stürmer: Wayne Rooney, der im ersten Spiel nach seiner Rotsperre gleich das 1:0-Siegtor gegen die Ukraine schoss.
Der 26-Jährige von Manchester United gab sich auch optimistisch. "Wir haben eine gute Chance", sagte er: "Es wird nicht einfach, aber wir sind selbstbewusst genug, sie zu schlagen."
Allen Statistiken und allem Ballyhoo im Vorfeld zum Trotz.
SPORT1

