''Gladiator'' Alonso: Ferrari-Fans wollten es
Von Marc Ellerich
München - Ferraris Superstar Fernando Alonso hat das Verhalten seines Rennstalls im Titel-Zoff um Triple-Champion Sebastian Vettel gerechtfertigt.
"Im Internet kursierten viele Videos. Es war klar, dass unsere Fans eine Erklärung fordern würden", sagte der Spanier beim Ferrari-Weltfinale am Wochenende in Valencia: "Daher war es richtig, dass Ferrari bei der FIA um Klärung gebeten hat."
Die Scuderia hatte in der vergangenen Woche vom Automobil-Weltverband FIA schriftlich um eine Klärung einer Situation aus der vierten Runde beim Brasilien-GP in Sao Paulo gebeten.
Videos hatten den Eindruck erweckt, Sebastian Vettel, der beim Saisonfinale seinen dritten Titel in Serie einfuhr, habe den Toro-Rosso-Fahrer Jean-Eric Vergne überholt, während Gelbe Flaggen geschwenkt wurden. Dies ist verboten und wird mit einer Zeitstrafe geahndet.
Womöglich wäre dann Alonso und nicht Vettel Weltmeister geworden.
Die FIA antwortete auf Ferraris Anfrage, Vettel habe alles richtig gemacht und bleibe Weltmeister.
"Es interessiert mich nicht"
Alonso meinte dazu: "Wir haben eine Antwort bekommen, und ich denke, das Ganze hat sich nun beruhigt."
Er habe den Wirbel um das Vettel-Manöver angeblich nicht besonders aufmerksam verfolgt, behauptete der Pilot aus Oviedo: "Aber ich hatte das Gefühl, dass wir unseren Fans eine Antwort schuldig waren."
Dass sein Team oder er infolge des Schreibens an die FIA als schlechte Verlierer galten, unter anderem bei Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone, der Ferraris Verhalten einen "absoluten Witz" nannte, sei ihm egal.
"Ehrlich? Es interessiert mich nicht, wie die Meinung über mich in Deutschland oder sonstwo ist", sagte Alonso: "Für mich zählt, dass Menschen, die mich auf der Strasse treffen, mich umarmen und mich Gladiator oder Samurai nennen."
Seitenhieb auf Vettel
Und auch einen Seitenhieb auf Vettel konnte sich dessen spanischer Widersacher nicht verkneifen.
"Um zu den ganz Grossen des Sports zu zählen, reichen Titelgewinne nicht aus", behauptete der Ferrari-Lenker: "Es zählen auch Situationen dazu, wie wir sie während der Saison erlebt haben."
Mit seiner Leistung in den 20 Rennen sei er ohnehin sehr zufrieden, betonte der 31-Jährige: "Unterm Strich haben wir zwar um drei Punkte den Kürzeren gezogen, doch ich hatte die beste Saison meines Lebens."
Und weiter: "Es war ein perfektes Jahr. Der einzige Schwachpunkt war das Auto."
Ohrfeige für Ecclestone
Tags zuvor hatte sich auch Ferraris Oberhaupt Luca di Montezomolo zu Wort gemeldet.
Scharf rechnete der Präsident der Roten mit Ecclestone ab, der den Rennstall deutlich kritisiert hatte.
"Ecclestone? Man muss Respekt für die Älteren zeigen, besonders, wenn sie nicht mehr wissen, was sie reden", wurde der Italiener von der "Gazzetta dello Sport" zitiert: "Dennoch, ein gewisses Alter ist nicht mehr vereinbar mit gewissen Positionen und Verantwortungsbereichen."
Kritik an Schumi
Auch seinen ehemaligen Vertrauten Michael Schumacher, der mit Ferrari fünf Mal Weltmeister wurde, nahm di Montezemolo nicht von seiner Kritik aus.
Er verspüre eine "gewisse Enttäuschung", dass Schumacher kurz vor Ende des Rennens Vettel kampflos habe passieren lassen: "Ich hätte mir von Michael Schumacher ein anderes letztes Rennen erwartet."
Harte Worte. Was bleibt, ist der Eindruck, als habe Ferrari auch eine Woche nach dem Saisonfinale weiterhin hart mit der Niederlage gegen Vettel und Red Bull zu kämpfen.
SPORT1










