Titel-Zoff um Vettel: Ecclestone greift Ferrari an
Von Marc Ellerich
München - Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone erregt sich über die Diskussionen über einen angeblichen Regelverstoss Sebastian Vettels beim dramatischen Saisonfinale in Sao Paulo .
"Es ist eine Schande", kommentierte der Promoter der Motorsport-Eliteklasse die Diskussionen und Einwände seitens WM-Konkurrent Ferrari, der Red-Bull-Pilot habe bei seinem dritten Titelgewinn in Serie zwei Mal Gelbe Flaggen ignoriert.
Ferrari will Klarheit
"Es war ein super Rennen, eine super Weltmeisterschaft", sagte Ecclestone dem "Telegraph": "Jetzt sprechen alle nur noch über dieses Thema. Das Problem ist, dass keiner Ahnung hat, was wirklich abgelaufen ist."
Ferrari hatte am Mittwoch vom Automobil-Weltverband FIA eine Klärung der Rechtmässigkeit eines Vettel-Überholmanövers verlangt. Der Red-Bull-Pilot soll in der vierten Runde den Toro-Rosso-Fahrer Jean-Eric Vergne überholt haben, während am Streckenrand mit Gelben Flaggen auf eine Gefahrensituation hingewiesen wurde.
FIA: Vettel bleibt Weltmeister
Der Weltverband reagierte tags darauf eindeutig auf Ferraris Forderung.
Vettel habe alles richtig gemacht, teilte Rennleiter Charlie Whiting "auto, motor und sport" mit.
Seitens der FIA hiess es unmissverständlich, Vettel werde seinen Titel behalten dürfen: "Eine weitere Untersuchung oder Proteste wird es nicht geben." (Bericht)
Ferrari wollte die Sache trotz des FIA-Statements nicht auf sich beruhen lassen. Am Donnerstag forderte der Rennstall eine Erklärung an, wie er via "Twitter" mitteilte.
Ferrari hat bis Freitag Zeit, einen Einspruch gegen die Wertung einzulegen, teilte aber bereits am Mittwoch mit, darauf zu verzichten.
"Das haben sie verpasst"
Ecclestone schmeckt das Verhalten des italienischen Traditionsteams ganz und gar nicht.
Das Verhalten der Scuderia sei ein "absoluter Witz", ärgerte sich der 82-jährige Brite. Ferrari hätte während des Rennens gegen einen möglichen Verstoss Vettels protestieren können.
"Das haben sie verpasst. Der Fakt, dass eine grüne Flagge gezeigt wurde, scheint niemanden gestört zu haben."
Gespräch mit di Montezemolo?
Damit hatte sich das greise Formel-1-Oberhaupt aber noch längst nicht beruhigt.
"Was Ferrari in seinem Brief behauptet, ist falsch", wetterte Ecclestone weiter: "Da muss nichts unternommen werden. Es ist einfach absolut falsch."
Das Ganze passe einfach nicht zu Ferrari, stellte der Engländer, der als enger Vertrauter Vettels gilt, fest: "Ich glaube einfach, dass sie unbedingt gewinnen wollten."
Ecclestone scheint davon auszugehen, dass Ferrari die Angelegenheit nicht auf sich beruhen lassen werde: "Was können sie tun? Vor ein Zivil-Gericht gehen? Vielleicht. Aber die Sache ist verloren, bevor sie begonnen hat. Nichts wird passieren."
Ecclestone kündigte an, ein Gespräch mit Ferraris Präsidenten Luca di Montezemolo zu führen.
SPORT1
