Zweiklassen-System löst Formel Roulette ab
Von Tobias Wiltschek
München - Was haben sich die Experten während der ersten Saisonhälfte verwundert die Augen gerieben.
Da fuhr auf einmal ein Pastor Maldonado im Williams zum Sieg beim Grossen Preis von Spanien oder ein Sergio Perez im Sauber in Malaysia und Kanada aufs Podium.
Auch der Erfolg von Mercedes-Pilot Nico Rosberg in Schanghai war eine grosse Überraschung.
Von der "Formel Roulette" oder der "Formel Unberechenbar" war die Rede.
Sieben Sieger in sieben Rennen
Die Aussenseiter mischten so stark vorne mit, dass die ersten sieben Rennen sieben unterschiedliche Sieger hervorbrachten.
Seitdem aber haben die Top-Teams die alte Hierarchie Schritt für Schritt wieder hergestellt .
Beim jüngsten Grand Prix von Indien wurden sämtliche ersten sechs Plätze von Red Bull, Ferrari und McLaren belegt - zum ersten Mal in dieser Saison.
Gründe für diese Entwicklung gibt es viele.
Sorgen wegen Pirelli-Reifen
Zum einen trieben die unberechenbaren Pirelli-Reifen den Verantwortlichen bei den Branchenführern die Sorgenfalten auf die Stirn.
"Am Saisonbeginn war es schwierig, das Verhalten der Reifen zu verstehen", erinnert sich Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali. "Es war nicht einfach, das Auto richtig abzustimmen, um die Performance zu maximieren."
Doch je länger die Saison dauerte, umso besser stellten sich die Top-Teams auf die Pneus ein.
Updates für mehr Speed
Dazu arbeiteten sie in ihren Fabriken fieberhaft an neuen Updates, die vor allem auf eine höhere Geschwindigkeit abzielten.
Die Folge: Ferrari und - ab dem Deutschland-Grand-Prix - auch McLaren haben wieder zu alter Stärke gefunden.
Das Update für den Hockenheimring katapultierte Lewis Hamilton und Jenson Button an die Spitze der Speed-Tabelle.
Drei McLaren-Siege in Serie
Danach gewannen die Briten drei Rennen in Folge, während das Williams-Team beispielsweise in diesem Zeitraum nur auf magere sieben Punkte kam.
Hier wird ein weiterer Unterschied der führenden Rennställe zu den kleineren Teams sichtbar.
Teams wie Williams oder Sauber müssen mit zunehmender Dauer der Saison immer mehr Ressourcen für die Entwicklung des aktuellen Autos abziehen und in die Arbeit am kommenden Boliden stecken.
Um zweigleisig zu fahren, wie es Ferrari, McLaren oder Red Bull tun, fehlt diesen Rennställen einfach das Geld.
"Bullen"-Paket schlägt ein
So gesehen ist es keine Überraschung, dass gerade den "Bullen" um WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel mit ihrem neuen Aerodynamik-Paket vor den Asienrennen die bislang letzte grosse Entwicklung in diesem Jahr gelungen ist.
Schliesslich hat das Team aus Milton Keynes nach Informationen von "Motorsport-total.com" mit 280 Millionen Euro einen Jahresetat, der so hoch ist wie der von Williams, Sauber und Force India zusammen.
Dass sich Mercedes nicht weiter vorne halten konnte, hat indes andere Gründe.
Mercedes versäumt Entwicklungen
Die Stuttgarter haben im Laufe der Saison schlichtweg die entscheidenden Entwicklungen versäumt, wie den rechtzeitigen Einsatz eines neuen Auspuffsystems oder die Optimierung des Doppel-DRS.
Davon abgesehen mangelte es den Silberpfeilen das gesamte Jahr hindurch an der Zuverlässigkeit, wie Teamchef Ross Brawn zugeben musste.
"In der zweiten Saisonhälfte waren wir dann einfach zu langsam" erklärte der Brite.
Im Gegensatz zu den anderen Teams aus dem Mittelfeld der Konstrukteurs-Tabelle kann Mercedes zumindest finanziell mit den Schwergewichten der Formel 1 mithalten.
Ab 2013 soll McLaren-Star Lewis Hamilton dafür sorgen, dass man auch sportlich ganz vorne mitmischt.
SPORT1










