Schumis Abschiedstour wird zum Horrortrip
Von Tobias Wiltschek
München - Seine Abschiedstournee hatte sich Michael Schumacher sicherlich anders vorgestellt.
Seit er am 4. Oktober sein Karriere-Ende angekündigt hatte, ging es für den siebenmaligen Weltmeister bergab.
Auf Platz elf in Japan folgten Rang 13 in Südkorea und nun Platz 22 beim Grossen Preis von Indien .
Setzt sich diese Negativserie fort, dürfte die Laufbahn des Rekord-Champions im Desaster enden.
Frustrierter Schumacher
"Das war nicht unbedingt das Gelbe vom Ei", sagte der 43-Jährige bei "RTL" frustriert, nachdem ihm beim Start Toro-Rosso-Pilot Jean-Eric Vergne den rechten Hinterreifen aufgeschlitzt hatte.
"Nach dem Unfall war das Rennen für mich besiegelt", so Schumacher, der seit dem sechsten Platz von Monza am 9. September nicht mehr in den Punkterängen vertreten war.
Schumi rechtfertigt sich
Zu allem Überfluss drohte ihm in Noida zwischenzeitlich eine Strafe, weil er eine Blaue Flagge übersehen haben soll, als Romain Grosjean zum Überholen angesetzt hatte .
"Ich wollte gerade Grosjean vorbeilassen, dann kam aber jemand aus der Box - ich glaube, es war Maldonado -, der wiederum Grosjean fast ins Aus befördert hat", rechtfertigte sich Schumi.
"Dadurch wurde die Lücke wieder grösser. Die Blauen Flaggen blieben allerdings, was ich nicht ganz verstehe."
Die Rennkommisare dürften es schliesslich ähnlich beurteilt haben und sahen von einer Strafe ab. Andernfalls hätte Schumi eine Rückversetzung für das nächste Rennen gedroht.
Vorzeitig in die Box
Fünf Runden vor Schluss wurde er dann von seinem Team an die Box beordert. Eine Vorsichtsmassnahme in Folge des Unfalls mit Vergne, hiess es dazu offiziell. Dass Schumacher vor dem Grand Prix von Abu Dhabi sein Getriebe straffrei wechseln kann, dürfte bei der Entscheidung aber auch eine Rolle gespielt haben.
Nicht viel besser erging es seinem Teamkollegen Nico Rosberg in den letzten Wochen. Nach zwei Ausfällen in Japan und Südkorea kam der gebürtige Wiesbadener in Noida zwar ins Ziel, doch seine Laune hätte auch nach einem vorzeitigen Aus nicht schlechter sein können.
"Elfter ist der schlimmste Platz, da war das ganze Wochenende umsonst", sagte Rosberg enttäuscht .
Von Senna überholt
Der 27-Jährige wurde acht Runden vor Schluss von Williams-Pilot Bruno Senna überholt und stand damit am Ende zum dritten Mal in Folge ohne Punkte da.
"Es war da draussen sehr ernüchternd. Das kann nicht sein, dass die uns wegputzen", ärgerte sich der Mercedes-Fahrer. Dessen Sieg in Schanghai Mitte April dürfte den Silberpfeilen mittlerweile als Episode aus einer längst vergangenen Zeit vorkommen.
"Die zweite Saisonhälfte war schmerzhaft", musste auch Teamchef Ross Brawn bei "Formula1.com" zugeben.
"Das war umso frustrierender, weil unsere erste Saisonhälfte so viel versprechend verlief und wir in dieser Zeit ein paar gute Resultate erzielten."
"Einfach zu langsam"
Dass sein Team in den vergangenen drei Rennen keinen einzigen Punkt mehr holte und nach wie vor um den fünften Platz in der Konstrukteurs-Wertung bangen muss, ist nicht nur mit Pech zu begründen.
"In der zweiten Hälfte waren wir einfach zu langsam", gestand Brawn. Beweise für diese These gibt es viele:
In Suzuka kam Schumacher nicht am Toro-Rosso von Daniel Ricciardo vorbei, in Südkorea musste er sich Force-India-Pilot Paul di Resta im Kampf um Platz zwölf geschlagen geben, und in Indien wurde Rosberg von Senna problemlos überholt.
Kein schneller Fortschritt
Während der Saison hat Mercedes einige Umstrukturierungen innerhalb des Teams vorgenommen. Die grosse Hoffnung auf einen spürbaren Fortschritt in den letzten drei Rennen leitet Brawn daraus aber nicht ab.
"Es braucht einige Zeit, bis diese Veränderungen Wirkung zeigen, vor allem was die Änderungen in der Aerodynamik-Abteilung angeht", erklärte der Brite.
Vielleicht wird ja wirklich ab 2013 alles besser bei den Silberpfeilen. Die Früchte könnte dann Schumi-Nachfolger Lewis Hamilton ernten.
Brawn würdigt Schumi
Für diesen Fall hofft Brawn, "dass die Leute sehen werden, welchen Anteil Michael daran trägt - nämlich einen grossen". Schumis Arbeit mit den Ingenieuren in der Fabrik habe dabei geholfen, das Team zu formen.
Für seinen Einsatz in den drei vergangenen Jahren hat sich Mercedes ein ganz besonderes Dankeschön ausgedacht. Wie die "Bild am Sonntag" berichtet, bekommt der 43-Jährige sein letztes Formel-1-Auto - den aktuellen W03 - geschenkt.










