Seriensieger Vettel: ''Wir müssen am Boden bleiben''
Von Felix Götz
München - Sebastian Vettel schloss die Augen, atmete tief durch und lauschte sichtlich zufrieden den Klängen der deutschen Nationalhymne.
Der Red-Bull-Pilot hatte soeben den Grossen Preis von Indien mit einem Start-Ziel-Sieg für sich entschieden - zum zweiten Mal in Folge.
"Ein perfektes Wochenende. Ich geniesse den Moment", meinte Vettel, der auf dem Buddh International Circuit in allen drei Trainings-Sessions die Bestzeit fuhr, schnellster Fahrer im Qualifying war, und schliesslich auch das Rennen nach Belieben dominierte.
"Wir hatten hier unglaubliche zwei Jahre. Zwei Mal hierher zu kommen und zwei Mal zu siegen, das ist klasse", sagte der Heppenheimer.
Vieles spricht für Vettel
Besonders wichtig war es für Vettel natürlich, vor seinem in Noida zweitplatzierten WM-Rivalen Fernando Alonso zu landen.
Der Vorsprung des WM-Leaders in der Fahrerwertung auf den Ferrari-Star beträgt nun 13 Zähler bei noch drei ausstehenden Rennen.
Vieles spricht für den Titel-Hattrick. Der RB8 ist deutlich stärker als Alonsos Ferrari, zudem wird Vettel immer mehr zum Überflieger. Er hat einen unglaublichen Lauf.
Vier Siege in Folge
Zum ersten Mal in seiner Karriere triumphierte Vettel bei vier aufeinanderfolgenden Grands Prix, als erster Fahrer seit dem legendären Ayrton Senna führte er bei drei Rennen in Serie alle Runden an.
Statistisch gesehen ist dem 25-Jährigen der Titel gar nicht mehr zu nehmen.
Noch nie wurde ein Pilot in der Formel-1-Historie nicht Weltmeister, wenn er vier Rennen hintereinander gewonnen hatte.
"Ein grosser Schritt"
"Es war ein grosser Schritt in der WM, aber wir müssen am Boden bleiben", mahnte Vettel sich und seine "Bullen" zur Obacht:
"Es ist noch ein weiter Weg. Jedes Rennen kann entscheidend sein, die Dinge können sich rasch ändern. Ein Schritt nach dem anderen."
Red-Bull-Chefdesigner Adrian Newey sieht es ähnlich - vor allem wegen Alonso: "Fernando ist ein grosser Kämpfer. Er ist immer da."
Auffallend häufig lobte Vettel die derzeit "perfekte Teamarbeit" in seinem Rennstall.
Differenzen mit Webber
Doch zum Ende der Pressekonferenz zeigte sich einmal mehr, dass sich der jüngste Doppel-Weltmeister der Formel-1-Geschichte und sein Teamkollege Mark Webber nicht sonderlich gut verstehen.
Als Vettel Alonso nach der Frage, was jeder der beiden WM-Aspiranten am liebsten vom anderen hätte, den Tausch der Baseball-Mütze vorschlug, stand Webber einfach auf und verliess kopfschüttelnd das Podium.
Vielleicht war der Australier auch einfach gefrustet, weil er aufgrund von KERS-Problemen den zweiten Platz an Alonso abtreten musste und letztlich nur Dritter wurde.
Webber und Räikkönen quasi raus
Genau wie Kimi Räikkönen, der Siebter wurde, hat Webber nur noch rein theoretische Chancen auf den Titel.
Er liegt als Vierter 73 Zähler hinter Vettel, beim "Iceman" sind es 67 Punkte Rückstand.
Bleibt also nur noch Alonso, der sich berechtigte Hoffnungen auf den Titel machen darf.
Alonso gratuliert Red Bull
"Wir müssen Red Bull gratulieren, denn sie waren an diesem Wochenende fantastisch unterwegs", gab der Spanier zu: "Aber auch wir dürfen mit unserem Rennen zufrieden sein."
Der Champion von 2005 und 2006 bot eine starke Leistung, zog in den ersten Runden an den beiden McLaren-Fahrern Jenson Button und Lewis Hamilton vorbei, ehe er schliesslich in der 48. Runde auch noch Webber kassierte.
Deshalb sieht Alonso überhaupt keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen: "Wir geben nicht auf. Wir wollen in Brasilien jubeln."
Auf dem Autodromo Jose Carlos Pace vor den Toren Sao Paulos steigt am 25. November das letzte Rennen der Saison.
Hülkenberg zufrieden
Ein positives Fazit durfte Nico Hülkenberg ziehen, der erstmals für seinen indischen Rennstall beim Heimrennen antrat und von Rang zwölf gestartet einen guten achten Platz belegte.
"Platz acht war das Maximum", erklärte der 25-Jährige: "Es war eine gute Leistung vom Team."
Da konnte es der "Hülk" auch verschmerzen, dass der Grossteil der Inder den mautfreien Sonntag nutzte, um auf der sonst teuren Autobahn zum Taj Mahal zu fahren, anstatt sich das Formel-1-Rennen anzuschauen.
