Top-Teams dicht: Massa der Platzhalter für Mister X
Von Julian Meissner
München - Nun ist es also amtlich: Ferrari hat den Vertrag mit Felipe Massa verlängert und damit das Rennen um die Cockpits bei den Top-Teams für die kommende Saison beendet.
"Wir sind froh, dass wir die Zusammenarbeit mit Felipe um ein weiteres Jahr verlängern konnten", erklärte Stefano Domenicali .
"Er ist nun seit mehr als zehn Jahren Teil unserer Familie und hat speziell im letzten Teil der Saison unter Beweis gestellt, dass er auf höchstem Niveau wettbewerbsfähig sein kann, genau wie es von einem Fahrer hinter dem Ferrari-Lenkrad erwartet wird", so der Teamchef des italienischen Traditionsrennstalls.
Seit der Sommerpause ist Massa mit 56 Zählern der erfolgreichste Punktesammler hinter dem neuen Gesamtführenden Sebastian Vettel (93) und damit sogar besser als Alonso (45).
Alonso: "Wir sind das beste Team"
Der spanische Doppel-Champion hatte sich stets für Massa stark gemacht und twitterte nach der Bekanntgabe: "Ich bin so glücklich, ein Jahr mit Felipe Massa als Teamkollegen weiterzumachen. Ich bin mir sicher, dass wir das beste Team sind."
Über die Ferrari-Traumpaarung Alonso/Vettel, die die "BBC" am Montag schon als perfekt ab 2014 vermeldete, wird trotz dieser Aussage weiter heiss spekuliert werden.
Die Entscheidung pro Massa, die nach den guten Leistungen der jüngeren Vergangenheit längst keine Überraschung mehr ist, dürfte auch politisch geprägt sein. Massas Manager ist schliesslich Nicolas Todt, Sohn des FIA-Präsidenten und ehemaligen Ferrari-Teamchefs Jean Todt.
Di Montezemolo zieht die Strippen
Massa ist innerhalb der Scuderia aufgrund seiner Leistungsschwankungen längst nicht unumstritten, das letzte Wort hat jedoch Präsident Luca di Montezemolo. Und der will die traditionell gute Beziehung der Italiener zum Weltverband nicht aufs Spiel setzen.
Zumal Nico Hülkenberg - neben Paul di Resta bis dato ein Kandidat für den Posten neben Alonso - aus dem Rennen ist. Der Deutsche steht vor einem Engagement bei Sauber für den zu McLaren abwandernden Sergio Perez .
Fahrerkarussell kommt zum Stillstand
Womit die interessanten Cockpits für nächstes Jahr komplett besetzt wären. Bei Red Bull, Ferrari, McLaren und Mercedes sind die Fahrerpaarungen schon offiziell .
Lotus wird dem Vernehmen nach mit Star-Comebacker Kimi Räikkönen und auch dem fahrerisch immer wieder aus der Rolle fallenden Romain Grosjean weitermachen.
Einzig Sauber dürfte sich für die Besetzung des Platzes neben Hülkenberg noch Zeit lassen. Dabei wird eine nicht unerhebliche Rolle spielen, ob die Schweizer in der Team-WM noch an Mercedes vorbeiziehen, die Schwaben haben momentan 20 Punkte Vorsprung.
Sollte das nicht der Fall sein, müsste man wohl aufgrund der geringeren Einnahmen aus dem Einnahmentopf der Formel 1 auf einen Piloten mit starkem finanziellen Background bauen.
Adjutant für Alonso
Dieser Faktor wiederum spielt bei Ferrari eine untergeordnete Rolle, man denkt bei allen politischen Verstrickungen familiär in Maranello. "Wir haben Felipe immer unterstützt, auch in den schwierigsten Momenten seiner Karriere, und wir sind sicher, dass er weiss, wie er das Vertrauen zurückzahlt", erklärte Domenicali.
Und Massa sagte: "Das Team und alle Fans können sich sicher sein, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde, damit die Scuderia die gesteckten Ziele jedes Jahr erreichen kann."
Seine Aufgabe für den Rest der laufenden Saison und das nächste Jahr ist klar definiert: Massa ist Alonsos Adjutant im Kampf des Spaniers um den WM-Titel - und der Platzhalter für Mister X ab 2014.
Hahnenkampf im roten Renner?
Dass dies bereits übernächste Saison Vettel sein wird, ist eher unwahrscheinlich. Di Montezemolo hat klar gemacht, dass er nicht "zwei Hähne in einem Hühnerstall" will, sprich keine zwei Superstars in roten Renner.
Wobei in der Formel 1 viel gesagt wird, was sich am Ende nicht immer als hundertprozentig der Wahrheit entsprechend entpuppt.
So twitterte Alonso am Dienstag ziemlich treffend: "Nach acht verschiedenen Teamkollegen... ist die Verlängerung von Felipe ein weiteres Beispiel dessen, was ich immer sage: Glaube nicht alles, was Du liest - bevor es offiziell ist."
SPORT1
