Vettel zu Ferrari: Was ist dran an den Gerüchten?
München - Dass Sebastian Vettel davon träumt, eines Tages für Ferrari zu fahren, ist bekannt.
Der Heppenheimer selbst hat dies häufig genug betont und damit entsprechende Spekulationen heraufbeschworen.
Auch Berichte, wonach Vettel bereits einen Vorvertrag bei der Scuderia ab 2014 abgeschlossen habe, sind nicht neu.
Dennoch sorgte die "BBC" für heftigen Wirbel, als sie dieses Thema nach dem Grand Prix von Südkorea aufgriff. Vor allem der Zeitpunkt der Meldung überraschte. Schliesslich platzte sie mitten in den WM-Showdown zwischen Vettel und seinem Ferrari-Rivalen Fernando Alonso.
SPORT1 trägt die Fakten zu diesem Thema zusammen und beantwortet die wichtigsten Fragen.
* Seit wann wird Vettel mit Ferrari in Verbindung gebracht?
Die Gerüchte geistern bereits seit 2008 durch die Medien, als Vettel seine erste komplette Saison in der Formel 1 fuhr und ausgerechnet im italienischen Monza seinen ersten Grand-Prix-Sieg feierte. Damals hiess es, er habe sich mit der Scuderia auf eine Zusammenarbeit spätestens ab 2012 geeinigt. Im vergangenen Jahr wurde dann erstmals von einem Vorvertrag für 2014 berichtet.
* Was hält Vettel von Ferrari?
Der Champion von 2010 und 2011 wurde in der Vergangenheit nicht müde, zu betonen, wie sehr ihn ein Engagement bei Ferrari reizen würde. "Seinen Namen unter den Weltmeistern zu sehen, ist besonders, aber ihn in der Liste der Ferrari-Fahrer zu haben, ist auch besonders. Ja, es ist mein Traum, eines Tages für Maranello zu fahren."
* Wie lange läuft Vettels Vertrag bei Red Bull?
Bereits vor der Saison 2011 hat der Heppenheimer seinen Kontrakt bei den "Bullen" um drei weitere Jahre bis 2014 verlängert. Konzernchef Dietrich Mateschitz betonte aber stets, dass man den 25-Jährigen nicht um jeden Preis halten würde, sollte es ihn woanders hinziehen. Ausserdem gab Red-Bull-Berater Helmut Marko laut "motorsport.total.com" zu, dass der Vettel-Vertrag - wie in der Formel 1 üblich - an Leistungskriterien geknüpft ist, die das Team zu erfüllen hat.
* Was soll der "BBC" zufolge in Vettels Vorvertrag stehen?
"BBC"-Reporter Andrew Benson will von Ferrari-Insidern erfahren haben, dass sich der Weltmeister auch beim Team aus Maranello eine Vertragsoption hat einbauen lassen. Demnach käme der Kontrakt ab 2014 nur zustande, wenn Ferrari im kommenden Jahr bestimmte Leistungskriterien erfüllt hat, die jedoch nicht genannt werden .
* Warum wird das Wechsel-Gerücht gerade jetzt wieder aufgewärmt?
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist brisant. Gerade erst hat Vettel seinem Ferrari-Rivalen Alonso die WM-Führung abgenommen, nachdem er zwischenzeitlich schon scheinbar aussichtslos zurückgelegen hatte. Wollten die zitierten Ferrari-Insider Unruhe beim Vettel-Team stiften, um den Weltmeister aus dem Konzept zu bringen? Diese Variante wäre vorstellbar, weil es im Finale einer Formel-1-Saison auf die mentale Stärke der Piloten ankommt.
* Wie haben die Verantwortlichen auf die Meldung reagiert?
Sollten die Informationen tatsächlich den Gegner Red Bull in Aufruhr versetzen, ist dies nicht gelungen. Denn es war Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, den die Meldung offensichtlich derart aufschrecke, dass er sie eilig dementierte. Kurze Zeit später bestritt auch Red Bull den Wahrheitsgehalt dieser Informationen. Vettel sagte dazu: "Ich denke gar nicht an einen möglichen Abschied, weil das für mich im Moment gar nicht infrage kommt." Ob ein Abschied für 2014 nicht infrage kommt, liess er offen.
* Was würde Alonso zu einem Teamkollegen Vettel sagen?
Nach Angaben der "BBC" hat der Spanier seine Zustimmung für die Verpflichtung des Heppenheimers gegeben. Er soll vertraglich ein Mitspracherecht bei der Besetzung des zweiten Cockpits haben. Beide sind zwar derzeit Rivalen im Titelkampf, gehen aber sehr respektvoll miteinander um.
Dass der ehrgeizige Spanier einen so harten Konkurrenten wie Vettel in seinem Team haben will, muss dennoch stark bezweifelt werden. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an 2007, als sich Alonso mit dem starken Lewis Hamilton einen erbitterten Kampf um die Nummer 1 bei McLaren lieferte und nach nur einem Jahr das Team wieder verliess.
* Wie wahrscheinlich ist es, dass Vettel 2014 zu Ferrari geht?
Für einen Wechsel im übernächsten Jahr spricht vor allem, dass Ferrari den Vertrag von Felipe Massa höchstwahrscheinlich nur um eine weitere Saison verlängern wird. Damit wäre ab 2014 Platz für Vettel. Doch würde Alonso einen Vettel neben sich dulden, der bis dahin womöglich mehr Titel aufweist, als er selbst? Das kann man sich beim stolzen Asturier nicht vorstellen, der schon seit Jahren die Nummer 1 in seinen jeweiligen Rennställen beansprucht.
Auch di Montezemolo bekommt bei der Vorstellung, zwei Superstars in seinem Team zu haben, das nackte Grauen. "Ich habe in den letzten 20 Jahren immer gesagt, dass ich nicht zwei Hähne in einem Hühnerstall haben will", sagte der Italiener. Diese würden nur zu Problemen und Spannungen führen.
Fazit:
Nach aktuellem Stand ist es nahezu ausgeschlossen, dass Vettel vor Ablauf des Alonso-Vertrages im Jahr 2016 bei Ferrari unterkommt. Umso wahrscheinlicher ist es, dass sich Vettel als Nachfolger von Alonso seinen Ferrari-Traum erfüllen wird.
SPORT1
