Spiess umgedreht: Asienmeister Vettel auf Titelkurs
Von Tobias Wiltschek
Yeongam/München - "Wir wollen die WM von vorne gewinnen", hatte Red-Bull-Berater Helmut Marko schon nach dem Sieg von Sebastian Vettel in Suzuka vor einer Woche verkündet.
Nach Vettels Triumph beim Grossen Preis von Südkorea steht fest: Die "Bullen" sind auf dem besten Weg, diese Zielvorgabe umzusetzen.
Der dritte Sieg in Folge bescherte dem Heppenheimer auch die Übernahme der WM-Führung - zum ersten Mal seit dem 27. Mai.
"Ich denke, das war für mich und das Team ein perfekter Tag", jubelte der 25-Jährige, der mit seinem 25. GP-Sieg mit den beiden Formel-1-Legenden Niki Lauda und Jim Clark gleichgezogen hat.
Sechs Punkte vor Alonso
Dass er nun sechs Punkte vor seinem Rivalen Fernando Alonso liegt, hat Vettel aber auch seinem Teamkollegen zu verdanken .
Mark Webber liess den Ferrari-Piloten nicht vorbeiziehen und verwies ihn auf Platz drei, nachdem er das Startduell gegen seinen elf Jahre jüngeren Stallgefährten verloren hatte.
Auf dem Siegerpodest liess sich auch der Mann feiern, der hinter dem steilen Aufschwung der "Bullen" in den vergangenen drei Rennen steht: Adrian Newey.
Chefdesigner mit Skibrille
Mit einer Skibrille ausgestattet, wollte er seine Augen vor Vettels Champagner-Dusche schützen. Was ihm nur mässig gelang .
Umso mehr Erfolg hatte der Chefdesigner zuletzt in seinem eigentlichen Job.
Er verpasste dem Red Bull für die Asienrennen ein neues Aerodynamik-Paket, das in der Formel 1 seines Gleichen sucht. Mit dem von ihm entwickelten Doppel-DRS rasten die beiden Piloten nun schon zum zweiten Mal in Folge in die erste Startreihe.
Besserer Start von Vettel
In Yeongam kam Vettel beim Start eindeutig besser weg als sein australischer Teamkollege. Für den Deutschen war das schon die halbe Miete.
"Die Basis für diesen Erfolg war der gute Start, vor dem ich etwas Bedenken hatte, weil ich auf der schmutzigen Seite startete", erklärte Vettel. "Ich kam jedoch gut weg, hatte eine gute Traktion und einen guten Grip."
Im weiteren Verlauf lief dann fast alles nach Plan für Vettel. Nur die stark abbauenden Reifen hätten dem österreichisch-britischen Rennstall noch einen Strich durch die Rechnung machen können.
Umso erleichterter war Teamchef Christian Horner, dass die Pneus gehalten haben.
"Ich freue mich für das gesamte Team über diesen ersten Doppelsieg der Saison. Am Ende kam es vor allem darauf an, die Reifen zu schonen", sagte der Brite.
"Genau da, wo wir sein müssen"
Vier Rennen vor dem Ende der Saison hat Red Bull endgültig wieder zu der Stärke zurückgefunden, die das Team im vergangenen Jahr ausgezeichnet hat.
"Wir sind derzeit sehr gut in Form und genau da, wo wir zu diesem Zeitpunkt in der Saison sein müssen", freute sich Horner.
Eine Vorentscheidung im Kampf um den Weltmeister-Titel sei der Sieg in Südkorea aber noch lange nicht:
"Es sind noch vier Rennen zu fahren und wir liegen nur sechs Punkte vor Fernando, der heute wieder weit vorne lag. Ferrari war wirklich konkurrenzfähig."
Tatsächlich konnte Alonso im Vergleich zu seinem Ausfall in Suzuka den Rückstand auf Vettel in Grenzen halten und verlor "nur" zehn Zähler.
Massa muss sich beugen
"Es war ein guter Sonntag", sagte Alonso bei "Sky Sports F1"'. "Wir fuhren von der schlechteren Seite der Startaufstellung los. Auch die Reifen waren schwer einzuschätzen. Der Podestplatz ist daher eine klasse Leistung."
Direkt hinter Alonso landete Teamkollege Felipe Massa. Der Brasilianer war phasenweise sogar schneller als der Titelanwärter, musste sich aber der Stallorder beugen.
Alonso blieb trotz des Verlustes der WM-Führung für die restlichen Rennen zuversichtlich:
"Es sind noch 100 Punkte zu holen. Wir haben also noch eine gute Chance, diese Meisterschaft für uns zu entscheiden."
Hamilton schreibt Titel ab
Im Gegensatz zu Kimi Räikkönen und Lewis Hamilton, die nur noch theoretisch in den WM-Kampf eingreifen können.
McLaren-Pilot Hamilton hat nach seinem enttäuschenden zehnten Platz bereits resigniert und erkannt, dass Vettel und Alonso "zu weit weg sind" ).
Der frühe Ausfall von Jenson Button, der von Kamui Kobayashi von der Piste gedrängt wurde, rundete das katastrophale Abschneiden der Chrompfeile ab.
Mercedes-Desaster
Ein neuerliches Desaster erlebte auch das Mercedes-Werksteam, bei dem Nico Rosberg schon zum zweiten Mal hintereinander bereits nach wenigen Metern ausschied und Michael Schumacher bis auf Platz 13 durchgereicht wurde.
Der zweite deutsche Lichtblick neben Vettel war indes Nico Hülkenberg. Der Force-India-Pilot sorgte für das spektakulärste Manöver des Rennens, als er in einer Kurve Hamilton und Romain Grosjean überholte.
Platz sechs war die Belohnung für eine tadellose Vorstellung, mit der sich der Rheinländer in der Gesamtwertung vor seinen Teamkollegen Paul di Resta auf Platz zwölf schob.
SPORT1
