''Das war's'': Hamilton schreibt Titel ab
Von Jakob Gajdzik
München - Mit grossen Hoffnungen war McLaren in den Grossen Preis von Südkorea gestartet.
Lewis Hamilton zeigte sich nach dem Erreichen des dritten Startplatzes in Yeongam optimistisch und sprach davon, Sebastian Vettel und Fernando Alonso schlagen zu wollen.
Nur 24 Stunden später klang der Weltmeister von 2008 ganz anders.
"Ich denke, das war's für uns", sagte der 27-Jährige resignierend nach seinem zehnten Platz auf dem Korean International Circuit zu seinen Chancen im Titelkampf.
62 Punkte Rückstand
Bei 62 Punkten Rückstand auf den neuen WM-Leader Sebastian Vettel und nur noch vier verbleibenden Rennen eine nachvollziehbare Aussage.
"Der Druck ist jetzt weg. Es ist schade, weil das ganze Team viel investiert hat, damit ich den Titel holen kann. Aber jetzt ist er zu weit weg", bilanzierte der McLaren-Pilot.
Drei Rennen zuvor war Hamilton nach seinem Sieg in Italien mit 37 Punkten Rückstand auf Platz eins noch Alonso-Jäger Nummer eins, doch nach elf Punkten aus den vergangenen drei Grand Prix ist dieser Traum geplatzt.
"Hoffe, Fernando macht weiter Druck"
Nun wünscht er sich einen Weltmeister Alonso: "Ich hoffe, Fernando macht weiter Druck."
In Südkorea wurde Hamilton durch den Defekt eines Stabilisators an der Hinterachse bis auf den zehnten Rang durchgereicht und hatte am Ende alle Mühe, den einen WM-Punkt gegen Sergio Perez im Sauber zu verteidigen.
Ein hoher Reifenverschleiss zwang ihn zudem als einzigen Fahrer zu drei Boxenstopps.
Seine Versuche zuvor, erst an Jean-Eric Vergne, dann an dessen Teamkollege Daniel Ricciardo vorbeizuziehen, endeten ebenfalls erfolglos.
Vergeblicher Kampf mit Torro Rosso
"Ein McLaren sollte niemals mit einem Torro Rosso kämpfen müssen", sagte der kommende Mercedes-Pilot, der vor seinem feststehenden Wechsel zu den Silberpfeilen auch Kontakte zu Ferrari zugab .
Sinnbildlich für Hamiltons Pech war die Situation, als sich kurz vor dem Ende des Rennens ein Streifen des Kunstrasens der Auslaufzone an seinem Boliden verhedderte und für zusätzlichen Luftwiderstand sorgte.
Als "beeindruckend und majestätisch" beschrieb Teamchef Martin Whitmarsh die Leistung Hamiltons, trotz dieser Umstände noch einen Zähler ergattert zu haben, sagte aber mit Blick auf das nackte Ergebnis: "Das war heute natürlich kein guter Arbeitstag."
Button sauer auf Kobayashi
Damit meinte Whitmarsch auch den Ausfall von Jenson Button. Von Platz elf gestartet, war für den 32-Jährigen nach einem Crash mit Kamui Kobayashi bereits in der ersten Runde Schluss.
"Angesichts der Tatsache, dass dies die Königsklasse des Motorsports ist, ist das schon ein ziemliches Armutszeugnis", war Button nach der Aktion des Japaners sauer.
"Die Fahrer an der Spitze kämpfen um Siege, um wichtige Punkte. Manche Leute müssen das erst noch lernen. Ob ihnen das irgendwann gelingen wird, weiss ich ehrlich gesagt nicht", ergänzte er mit einem Seitenhieb.
Der Ein-Punkt-Grand-Prix bringt McLaren somit auch in der Konstrukteurs-Wertung ins Schwitzen.
Ferrari zieht vorbei
Die Plätze drei und vier für Ferraris Fernando Alonso und Felipe Massa in Südkorea schraubten das Konto der Scuderia auf 290 Punkte hoch, die damit die Briten von Platz zwei verdrängte.
Mit 284 Punkten muss McLaren im Rücken sogar noch auf Lotus (255 Punkte) aufpassen.
Whitmarsh versucht, für die verbleibenden vier Rennen Optimismus zu versprühen.
Whitmarsh macht Mut
"Wir werden versuchen, Südkorea so rasch wie möglich zu vergessen. Wir können besser sein. Es stehen noch vier Rennen aus und wir wissen: Wir haben ein konkurrenzfähiges Auto und zwei klasse Fahrer. Wir werden dieses Tal gemeinsam durchschreiten."
Auch Hamilton will in seinen letzten Grand Prix für McLaren zumindest den zweiten Platz in der Team-Wertung sichern: "Die Hauptpriorität wird darauf liegen, Punkte für das Team in der Konstrukteursmeisterschaft zu holen. Ich werde mich aus diesem Grund darauf fokussieren, so viele wie möglich zu holen."
Ansonsten kann die Saison, die mit einem Sieg von Jenson Button in Australien so vielversprechend begann, für die Briten ein ganz bitteres Ende nehmen.
SPORT1
