Red Bull: Titel 2012 wäre grösster Sieg
Von Marc Ellerich
München - Wer wird Weltmeister 2012?
Die Formel 1 biegt auf die Zielgerade ein, fünf Rennen sind noch zu fahren, und der Titelkampf wird immer intensiver. So auch die Fragen der Journalisten an die Favoriten des 24-köpfigen Fahrerfeldes nach dem wahrscheinlichen Sieger dieser elektrisierenden Saison.
Das Problem dabei: Wer sich die WM-Krone in diesem Jahr aufsetzen darf, ist vor dem Rennen in Südkorea völlig offen. Fest steht lediglich: Die Zahl der Anwärter ist geschrumpft.
Es dürfte wohl auf den Titelverteidiger Sebastian Vettel oder den augenblicklichen WM-Führenden Fernando Alonso hinauslaufen. Aber sicher ist das natürlich nicht. Auch McLaren-Star Lewis Hamilton und der finnische Iceman Kimi Räikkönen haben Grund genug, sich weiterhin gewisse Hoffnungen zu machen.
Vettel im Training vorn
Und eben weil es so eng zugeht, ist die WM-Frage bei den Piloten ziemlich verpönt.
Weltmeister Vettel beantwortet Nachfragen zu diesem Thema nur ungern und wenn, dann nur mit dem Verweis auf die spektakulären Wendungen der vergangenen Wochen.
"Man hat gesehen, wie schnell sich das Blatt wenden kann", so in etwa formuliert es der Doppel-Weltmeister der Jahre 2005 und 2006 dann am liebsten. (Vollblut-Racer Vettel auf dem Weg zur Legende)
Nicht einmal seine starke Trainingsfahrt auf dem koreanischen Kurs in Yeongam wollte Vettel am Freitag als Indiz gelten lassen, dass er sonntags am führenden Alonso im Ferrari vorbeiziehen und die WM-Führung übernehmen könnte.
"Was am Freitag war, interessiert im Qualifying niemanden mehr", urteilte der Hesse nach seiner Bestzeit knapp: "Wir müssen morgen noch eine Schippe draufpacken."
Alonso: Abwarten
Auch sein ärgster Widersacher Alonso wollte sich nach der Ouvertüre zum koreanischen Wochenende nichts von Bedeutung entlocken lassen - schon gar nicht einen Vergleich zur Konkurrenz.
"Es ist schwer zu sagen, wo wir verglichen mit den anderen stehen, weil wir uns nur auf uns selbst konzentriert haben", erklärte Alonso nach seinem vierten Platz im Training: "Wir müssen morgen abwarten, bis wir ein genaueres Bild von der Lage haben."
Die Schmallippigkeit der Besten lässt zusammengefasst nur eines vermuten: Wie sehr die Anspannung in den Rennställen vor den entscheidenden Wochen des Jahres zugenommen hat.
Horner: Grösster Sieg
Immerhin: Einer hat am Rande des Korea-GP verraten, welchen Stellenwert der Titelgewinn 2012 für seinen Rennstall einnehmen würde: Red-Bull-Teamchef Christian Horner.
"Es wäre in vielerlei Hinsicht unser grösster Sieg", räumte Vettels Vorgesetzter gegenüber "autosport.com" ein.
Horner muss es wissen, er führte Red Bull zu den WM-Siegen 2010 und 2011. Besonders Vettels erster WM-Triumph vor zwei Jahre war hart umkämpft und gelang nach einer furiosen Aufholjagd erst im letzten Rennen.
2011 wurde zur dominantesten Saison in der achtjährigen Red-Bull-Geschichte: Vettel kürte sich schon in Suzuka zum Doppel-Weltmeister. Beide Male wurde der österreichisch-englische Rennstall auch Konstrukteurs-Weltmeister.
"Eine echte Herausforderung"
Die beiden Jubeljahre hält Horner dennoch für nicht vergleichbar mit der laufenden Saison.
"Dieses Jahr ist für uns aufgrund der Regeländerungen im Winter eine echte Herausforderung. Wer auch immer am Ende den Titel holt, hat ihn absolut verdient, denn es ist sicher eines der härtesten Jahre in der jüngsten Formel-1-Vergangenheit", urteilte der Teamchef.
In die Favoritenrolle, die die Experten seinem Team angesichts Vettels beeindruckender Aufholjagd zuschreiben, will sich aber auch Horner nicht von aussen hineindrängen lassen.
Auf Vettel-Linie
"Das Einzige, was wir in diesem Jahr wirklich wissen, ist, dass es unmöglich ist, Vorhersagen zu treffen", sagte er. Red Bull habe zwar in Singapur und in Japan starke Rennen gezeigt, die jeweils in einen Vettel-Sieg mündeten. Man werde sich dennoch bei jedem der fünf verbleibenden Rennen ausschliesslich aufs Hier und Jetzt konzentrieren.
Und dann bog Horner vollends auf die Vettel-Linie ein.
Sein Pilot habe Alonso erfreulicherweise 35 Punkte in den beiden vergangenen Grands Prix abgeluchst.
Horner: "Das zeigt, wie schnell die Dinge sich ändern können und dass es falsch wäre, Annahmen oder Vorhersagen zu den kommenden Rennen zu treffen."
SPORT1










