Vollblut-Racer Vettel auf dem Weg zur Legende
Von Felix Götz
München - Eine kurze Stadtbesichtigung in Tokio und ein Besuch frühmorgens auf dem Fischmarkt: Mehr Zeit zur Entspannung blieb Sebastian Vettel nach seinem Triumph beim Japan-Grand-Prix nicht.
Der Weltmeister musste bald weiter nach Südkorea reisen, wo das fünftletzte Rennen der Saison ansteht .
"Wir sind nach unseren zwei Siegen mit einem Hoch hierhergekommen. Jetzt wollen wir das Momentum nutzen und wieder eine gute Performance abliefern", sagte der Red-Bull-Pilot.
Sein Rückstand auf den WM-Leader Fernando Alonso beträgt nur noch vier Zähler, für viele gilt Vettel mittlerweile sogar als Topfavorit auf den Titel.
"Sebastian ist im Vorteil"
"Man muss klar sagen, dass Sebastian im Vorteil ist. Ganz einfach deshalb, weil er ein Auto hat, mit dem er mächtig Druck machen wird", erklärte Rekord-Weltmeister Michael Schumacher.
In der Tat machte der Red-Bull-Bolide in den vergangenen Wochen einen deutlich besseren Eindruck als Alonsos Ferrari.
Die Scuderia wirft die Flinte allerdings noch lange nicht ins Korn. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo kündigte an, dass er Alonso dazu auffordern werde, "mit dem Messer zwischen den Zähnen" zu kämpfen.
Auch deshalb will Vettel von seiner Favoritenrolle nichts wissen.
Schritt für Schritt
Der Heppenheimer verwies verständlicherweise darauf, die aktuelle Saison habe gezeigt, dass alles passieren könne.
"Jetzt zu weit und zu gross denken, würde nur nach hinten losgehen", erklärte der 25-Jährige.
Nun komme es darauf an, jedes Training, jedes Qualifying und jedes Rennen Schritt für Schritt anzugehen.
Positive Erinnerungen an Südkorea
Da trifft es sich gut, dass nun der Grand Prix auf dem Korean International Circuit ansteht.
Vettel dominierte die bisher zwei Rennen in Yeongam. 2011 gewann er, 2010 verhinderte lediglich ein Motorschaden den Sieg.
"Die letzten Jahre waren hier immer gut für uns. Wir sollten grundsätzlich konkurrenzfähig sein", meinte Vettel:
"Wir müssen das Maximum aus unseren Möglichkeiten herausholen. Wir führen die WM im Moment nicht an, aber unser Ziel ist es, am Ende der Saison ganz oben zu stehen."
Auf Schumis Spuren
Sollte sich der jüngste Doppel-Weltmeister der Formel-1-Historie am 25. November beim Saisonfinale in Brasilien tatsächlich die Krone aufsetzen, dann hätte er nur noch Schumacher (sieben Titel), Juan Manuel Fangio (5) und Alain Prost (4) vor sich.
Zum Vergleich: Als Schumi 2000 zum dritten Mal Weltmeister wurde, war er bereits sechs Jahre älter als es Vettel heute ist.
Vettel hat das Potenzial und wegen seines Alters von erst 25 Jahren die Zeit, noch viele Rekorde aufzustellen.
Dickes Lob von Lauda
Mit 24 Grand-Prix-Siegen liegt er bereits jetzt gemeinsam mit dem Argentinier Fangio auf Rang neun der ewigen Bestenliste - Schumacher führt mit 91 Triumphen.
34. Pole-Positions fuhr Vettel bisher ein. Nur Schumacher (68) und Ayrton Senna (65) sind in dieser Statistik besser.
"Sebastian ist eben ein Vollblut-Racer", sagte "Bullen"-Berater Helmut Marko.
Und Niki Lauda stellte im "Playboy" klar: "Vettel hat das Zeug zur Legende." Wer weiss: Vielleicht sind sogar acht WM-Titel möglich. Dann würde der Rekord-Champion nicht mehr Schumacher, sondern Vettel heissen.
Vettel bleibt bescheiden
Dem Gelobten selbst geht es allerdings nicht in erster Linie um Rekorde.
"Das ist nicht mein erster Gedanke, wenn ich in den Wagen springe. Als Sportler konzentrierst du dich immer nur auf die nächste Aufgabe und nicht auf das, was einmal sein kann. Die Welt dreht sich weiter, du darfst nicht zufrieden sein", so Vettel.
Und weiter: "Für mich persönlich ist es nur wichtig, dass ich stets 100 Prozent gebe, dann bin ich mit mir selbst zufrieden."
Sollte Vettel dann irgendwann einmal tatsächlich zur Legende werden, wäre er mit sich selbst ganz sicher mehr als zufrieden.
SPORT1










