Fettes Minus ''am Arsch der Welt''
Von Felix Götz
München - Zu wenig Zuschauer, ein fettes Minus in den Kassen und eine Regierung, der deshalb das Wasser bis zum Hals steht:
Der Grosse Preis von Südkorea steht auch kurz vor seiner dritten Auflage auf wackeligen Beinen.
Wie die "Korea Times" berichtet, wird die Veranstaltung auf dem Korean International Circuit nach dem kommenden Wochenende insgesamt einen Verlust von 110 Millionen Euro vorzuweisen haben.
"Ich arbeite seit mehr als 30 Jahren in der Sportindustrie. Grossereignisse sind nie kostendeckend durchzuführen. Man muss vielmehr im Auge behalten, welche langfristigen positiven Auswirkungen solche Anlässe auf den Tourismus haben. Und das überwiegt", sagte der Generalsekretär des südkoreanischen Formel-1-Organisationskomitees, Jong-Moon Park.
Aus Steuergeldern finanziert
Doch ob es den Korea-Grand-Prix überhaupt bis zum Vertragsende 2016 geben wird, ist fraglich. Der Pleitegeier kreist über Süd-Jeolla und den Veranstaltern.
Das Problem: Nicht der Staat Südkorea, sondern die Provinz muss für den grössten Teil der Kosten aufkommen.
Letztlich wird das Formel-1-Rennen aus Steuergeldern finanziert, was die Bürger logischerweise nicht erfreut.
Hoffen auf einen Imagegewinn
Park erinnerte an die Olympischen Spiele von 1988 in Seoul, die dem Land zunächst ebenfalls Verluste gebracht hätten.
"Sie waren aber letztlich rentabel, wenn man Effekte in Betracht zieht, die viel wichtiger sind als der Profit", sagte der Funktionär.
Seine Hoffnungen beruhen auf einem Imagegewinn und einem wirtschaftlichen Aufschwung für die Region.
Ausserdem seien die Menschen dort motorsportbegeistert.
Günstigere Tickets, mehr Fans
Dies bestätigte sich in den ersten beiden Jahren allerdings - zumindest was die Zuschauerzahlen angeht - nicht. Die Tickets waren für den Durchschnittsbürger einfach zu teuer. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in Südkorea beträgt pro Jahr rund 15.000 Euro.
"Korea ist eines der noch jüngeren Rennen in unserem Formel-1-Kalender", erklärte Rekord-Champion Michael Schumacher: "Das merkt man leider daran, dass nicht allzu viele Zuschauer zum Rennen kommen."
In diesem Jahr ist die Lage etwas besser. Die Veranstalter bieten Tickets notgedrungen für rund 56 Euro an - 160.000 Karten sind deshalb über das gesamte Wochenende hinweg gesehen bereits verkauft.
Wichtige Sponsoren ziehen sich zurück
Doch deshalb werden die finanziellen Sorgen nicht weniger.
Zu allem Überfluss haben sich mit dem Stahlerzeuger Posco und dem Schmierstoffhersteller SK Lubicrants zwei der wichtigsten Sponsoren zurückgezogen.
Die Suche nach neuen Gönnern gestaltet sich äusserst kompliziert. Die Unternehmen stecken ihr Geld lieber in die bedeutende Yeosu-Messe, die vier Monate im Jahr in der Nähe der Rennstrecke über die Bühne geht.
Reise ins Niemandsland
Ein weiteres Problem ist, dass der Grosse Preis von Südkorea "am Arsch der Welt" stattfindet, wie es der Schweizer "Blick" vor einiger Zeit ausdrückte.
320 Kilometer von der Hauptstadt Seoul entfernt steigt die Veranstaltung in Yeongnam ganz im Süden des Landes.
Um den Fans die Reise ins Niemandsland schmackhaft zu machen, investieren die eigentlich klammen Veranstalter weiter.
So wurde eine Kartbahn und ein Zeltplatz für Fans errichtet. Zudem werden die Zufahrtswege stets verbessert.
Entgegenkommen von Ecclestone
Wer allerdings all die Angebote nutzen soll, falls der Grand Prix nicht bald Gewinne verzeichnet und dann womöglich aus dem Formel-1-Kalender verschwindet, bleibt unklar.
Der Boss der Königsklasse, Bernie Ecclestone, ist den Veranstaltern bereits einen Schritt entgegengekommen.
Er verlangt eine niedrigere Antrittsgebühr als ursprünglich festgelegt.
"Man muss nicht alles haben"
Doch auch Ecclestone ist etwas genervt. "Es gibt viele Dinge im Leben, die man sich nicht leisten kann", sagte der 81-jährige Engländer vor einiger Zeit.
Ecclestones Fazit: "Man muss auch nicht alles haben."
Offenbar auch nicht zwingend ein Formel-1-Rennen "am Arsch der Welt".










