Parolen statt Power: Bei Alonso wächst der Frust
Von Tobias Wiltschek
München - Lange Zeit führte Fernando Alonso die WM-Wertung mit einem komfortablen Vorsprung an.
40 Punkte lag der Spanier zu Beginn der Sommerpause vor dem Rest des Feldes.
Doch nur vier Rennen später ist das Polster auf den zweitplatzierten Sebastian Vettel auf ganze vier Zähler zusammengeschmolzen .
Entsprechend gereizt reagiert der Ferrari-Star mittlerweile auf den fehlenden Speed und die anhaltende Stagnation in der Entwicklung seines Dienstwagens.
Alonso verliert über eine Sekunde
"Sechs Rennen lang ist bei uns nichts gekommen", ärgerte sich Alonso, nachdem er auch im Qualifying zum Grossen Preis von Japan gegen Vettel keine Chance hatte und auf einer Runde mehr als eine Sekunde auf den Heppenheimer verlor.
Teamchef Stefano Domenicali hat die öffentlich geäusserte Kritik des Asturiers natürlich auch vernommen, beschwichtigt aber:
"Es sei ihm verziehen. Im ersten Frust sagt man schon einmal etwas Unbedachtes."
Domenicali widerspricht Alonso
Das Auto sei in den letzten sechs Rennen sehr wohl weiterentwickelt worden, beteuerte der Italiener, "sonst wären wir viel weiter hinten, weil die Entwicklungsrate aller Teams sehr hoch ist."
Tatsächlich hat die Scuderia nur im Qualifying seit langem Probleme. Doch genau das könnte für das Team aus Maranello in der Schlussphase der Saison von entscheidendem Nachteil sein.
Denn Red Bull hat offenbar in diesem Bereich zuletzt die grössten Fortschritte gemacht. Mit ihrem Doppel-DRS fuhren Vettel und Mark Webber den roten Rennern in der Japan-Qualifikation um die Ohren.
"Wir müssen unsere Qualifying-Pace verbessern. Denn da sind wir nicht auf dem Niveau, auf dem wir sein sollten", stellte Domenicali fest. Er gibt aber zu: "Ich weiss nicht, woran es liegt."
Eines ist ihm dennoch klar: "Wir müssen wieder bessere Startpositionen herausfahren. Denn wenn man nicht vorne startet, kann alles passieren."
Zwei Ausfälle in fünf Wochen
Gleich zwei Mal in den letzten fünf Wochen bekam Alonso am eigenen Leib zu spüren, was passieren kann, wenn man nicht von vorne startet.
Sowohl in Spa als Sechter als auch in Suzuka als Siebter wurde er in Startkollisionen verwickelt und schied aus .
Das Pech will Doemnicali aber nicht als Ausrede gelten lassen: "Wir dürfen keine Entschuldigungen suchen, sondern müssen hart arbeiten." Deshalb ist er nach dem Grand-Prix von Japan sofort nach Maranello zurückgeflogen, um die weiteren Arbeiten am F2012 zu beaufsichtigen.
"Messer zwischen den Zähnen"
Als Mutmacher will sich in dieser schwierigen Phase Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo betätigen. Doch seine Worte sind nicht mehr als Durchhalteparolen.
Er werde Alonso anrufen und ihn auffordern, "mit dem Messer zwischen den Zähnen" in die letzten fünf Rennen zu gehen.
"Wir wissen, dass wir uns auf den stärksten Fahrer von allen verlassen können", sagte di Montezemolo und rief sein Team auf, "die Nerven zu bewahren".
Optimismus im Titelkampf
Auch Alonso versuchte sich nach dem ersten Ärger über den grossen Rückschlag im Titelkampf wieder als Optimist.
"Im Rennen sind wir schneller, wir haben die besseren Starts, die besseren Boxenstopps und meistens auch die bessere Strategie", erklärte der zweimalige Weltmeister.
Das Ergebnis seines Teamkollegen in Japan scheint ihn zu bestätigen.
Felipe Massa raste von Startplatz zehn in beeindruckender Manier bis auf Rang zwei vor und betrieb damit ganz nebenbei beste Eigenwerbung.
Neuer Massa-Vertrag?
Mit seiner besten Platzierung seit mehr als zwei Jahren setzte der Brasilianer seinen Aufwärtstrend der zweiten Saisonhälfte fort und hat nun beste Chancen auf eine Vertragsverlängerung.
Eine ähnlich starke Leistung am kommenden Wochenende, und Massa könnte sich das zweite Cockpit für 2013 endgültig verdienen.
Wie italienische Medien berichten, will di Montezemolo nach dem Grand Prix von Südkorea die Entscheidung bekanntgeben.
SPORT1










