Schumi: Mit einem Bumms auf Abschiedstour
Von Felix Götz
München - Platz zehn im Training zum Grossen Preis von Japan und der Abflug ins Kiesbett mit einer Landung in einem Reifenstapel:
Michael Schumacher hätte nach dem ersten Tag auf dem Suzuka International Racing Course allen Grund gehabt, um mässig gelaunt zu sein .
Doch: Der 43-jährige Mercedes-Fahrer wirkte gelöst und locker wie selten zuvor.
Schumi scheint mit der Bekanntgabe seines Karriereendes eine Last von den Schultern gefallen zu sein.
Schumi freut sich
Noch sechs Mal wird das laut Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug "grösste Renntier aller Zeiten" an einem Grand Prix in der Königsklasse teilnehmen.
Ab dem 26. November, also einen Tag nach dem Saisonfinale in Brasilien, hat der siebenmalige Weltmeister dann jede Menge Zeit.
"Ich freue mich auf diese Zeit", sagte Schumacher, der die "neue Freiheit" mit seiner Frau Corinna und den beiden Kindern geniessen möchte.
Die Balance verbessern
Bis es soweit ist, will der 91-malige Grand-Prix-Sieger aber nichts verschenken. Sein Ehrgeiz ist nach wie vor gross.
Und das, obwohl sein "Silberpfeil" in Sachen Speed wie zu oft in der bisherigen Saison auch beim Auftakt in Japan keinen sonderlich guten Eindruck hinterliess.
Die zehntschnellste Zeit war das Ergebnis.
"Wir müssen die Balance verbessern", meinte der Kerpener mit Blick auf das dritte und letzte Training: "Wir müssen sicherlich eine Menge abseits der Strecke arbeiten, vor den Computern, und versuchen, die beste Herangehensweise zu finden."
Es hat "bumms" gemacht
Den Fahrfehler, der für Schumacher das vorzeitige Ende der zweiten Trainings-Session bedeutete, räumte er ohne Umschweife ein.
"Bei meinem Abflug habe ich mich zu sehr auf die kommende Linkskurve fokussiert und den Streckenrand ausser Acht gelassen. Dann hat es bumms gemacht", erklärte Schumi.
"Das Auto wurde dabei nur leicht beschädigt. Wir haben ein Basissetup für das Qualifying und das Rennen, was wir im dritten Training überarbeiten werden", sagte Haug, der sich auch noch einmal zu Schumachers Zukunft äusserte:
"Die Optionen gehen Michael nach der Karriere sicher nicht aus. Und natürlich bleibt auch Mercedes für ihn eine Option. Aber noch haben wir nicht darüber gesprochen, ob und in welcher Funktion."
Red Bull schneller als Ferrari
Während Schumacher sich also langsam aber sicher auf ein Leben nach dem Rennfahren vorbereitet, geht es für den 18 Jahre jüngeren Sebastian Vettel darum, dem WM-Leader Fernando Alonso auf die Pelle zu rücken.
29 Punkte Vorsprung hat der Ferrari-Star auf den amtierenden Weltmeister.
Im Training in Suzuka deutete sich aber erneut an, dass Red Bull und McLaren schneller als die Scuderia sind.
"Das ist verrückt"
Vettel landete hinter seinem Teamkollegen Mark Webber und Lewis Hamilton auf dem dritten Platz, Alonso musste sich mit Rang fünf begnügen.
"Das Auto läuft gut, doch wir können noch ein paar Dinge verbessern", befand der Heppenheimer: "Im Qualifying wird es sehr eng zugehen. Es ist also entscheidend, alles aus dem Auto herauszuholen."
Vettel freut sich auf das Rennen vor den Toren der 200.000-Einwohner-Stadt.
Denn er weiss: "Suzuka ist mit den schnellen Kurven eine spezielle Strecke. Es macht einfach Spass, hier zu fahren. Ausserdem sind die Fans sehr leidenschaftlich. Das ist in gewisser Weise schon verrückt."
Schumi wird Vettel fehlen
Natürlich wird Vettel in Japan auch immer wieder auf Schumachers Rücktritt angesprochen.
"Mit Michael ist es immer lustig auf der Strecke. Das wird mir fehlen", meinte der jüngste Doppel-Weltmeister der Formel-1-Historie.
Im Gegensatz zu den Kollegen wird sich der 25-Jährige im Dezember in der thailändischen Hauptstadt Bangkok aber noch einmal mit Schumi messen können - und sich persönlich von der Formel-1-Legende verabschieden.
"Beim Race of Champions werden wir es mit Sicherheit noch einmal krachen lassen", kündigte Vettel an.
SPORT1










