Spa und Ehrenbürger Schumi: Besser als im Film
Von Tobias Wiltschek
München - 91 Grand-Prix-Siege, sieben Weltmeistertitel, knallharte Duelle und der Horror-Unfall 1999.
Michael Schumacher hat viel erlebt während seiner Zeit als Formel-1-Pilot. Doch wenn man ihn nach der Strecke fragt, die ihm am meisten bedeutet, überlegt er nicht lange.
"Irgendwie scheint sich immer alles in Spa abzuspielen, meine Karriere kreist sozusagen um Spa", sagte der Rekord-Champion in "Auto Motor und Sport".
300. GP in Spa
Nun tut ihm der Rennkalender den Gefallen, zu seinem Jubiläums-Grand-Prix dahin zurückkehren zu können, wo alles begann und wo er vor seinem ersten Einsatz in einer Jugendherberge schlief.
"Dass ich jetzt auch dort mein 300. Rennen begehe, ist klarer Zufall, aber irgendwie auch erwartbar", erklärte Schumi, der in Spa viele Meilensteine seiner einmaligen Karriere setzte: Erster Grand-Prix-Start 1991, erster Rennsieg 1992, der letzte WM-Titel 2004.
Ehrenbürger des "Wohnzimmers"
Als Rennfahrer sei er dort geboren, Spa sei zu seinem Wohnzimmer geworden, meinte der mittlerweile 43-Jährige in der "Bild"-Zeitung. Mittlerweile ist er sogar Ehrenbürger des 10.000-Einwohner-Ortes.
"In Filmen würde man es vielleicht nicht glauben, aber in der Wirklichkeit ist es so. Es ist wahr und stimmt", sagt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug über die Beziehung zwischen Schumi und der Rennstrecke mit der legendären Vollgas-Kurve Eau Rouge.
"Es ist eine Wahnsinnszahl und spricht für unglaublichen Ehrgeiz und Willen", zollte auch Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel in der "Sport Bild" seinem Kindheitsidol Respekt.
Zehnjährige Durststrecke
Der Grosse Preis von Belgien markiert aber auch ein anderes, weniger erfreuliches Jubiläum für den gebürtigen Rheinländer:
Zehn Jahre ist es nun schon her, dass Schumi in Spa seinen bislang letzten von insgesamt sechs Belgien-GP-Triumphen feierte.
Auch bei seinen ersten beiden Auftritten nach dem aufsehenerregenden Comeback 2010 fuhr Schumi hinterher, verpasste im Mercedes-Silberpfeil als Siebter und Fünfter die Podestränge.
"Tolles Rennen" hinlegen
Diesmal nimmt er sich eher unverbindlich vor, nach der fünfwöchigen Sommerpause "hier ein tolles Rennen" hinzulegen.
Von einem Sieg spricht er nicht. Das wäre angesichts der bisherigen Resultate in diesem Jahr wohl auch vermessen.
Nach einer ersten Saisonhälfte voller Höhen und Tiefen hat Schumacher lediglich 29 Punkte auf dem Konto und muss sich Platz elf mit Williams-Pilot Pastor Maldonado teilen.
Weniger Reifenverschleiss?
Höhepunkte, wie die erste Podiumsplatzierung seiner zweiten Karriere, wechselten sich ab mit Ausfällen und Pannen, wie zuletzt in Ungarn, als er sich zum ersten Mal in seiner Karriere auf dem falschen Startplatz einreihte.
Dazu machte ihm sein Auto mehr zu schaffen als ihm lieb sein konnte. Vor allem der zu schnelle Reifenabbau des F1-W03 verärgerte den Rekord-Champion.
Ein Grund dafür scheint nun gefunden zu sein. "Die Motorcharakteristik hat einen grossen Einfluss auf den Abbau der Reifen", erklärte Teamchef Brawn auf "formula1.com".
Seitdem arbeitet das Team akribisch an einer Verbesserung der Motoreneigenschaften im Hinblick auf die sensiblen Pneus.
Haug zuversichtlich
Haug traut Schumacher in Spa "alles zu", meint aber auch: "Es kommt auf unsere technischen Voraussetzungen an."
Hinweise darauf, ob die Arbeit an Schumis Silberpfeil erfolgreich gewesen ist, wird der 300. Grand-Prix von Schumacher geben.
Ob es auch sein letztes Rennen in seinem "Wohnzimmer" ist, lässt er weiter offen. Eins aber stellt er schon davor klar:
"Bereut habe ich mein Comeback bis jetzt nicht eine Sekunde."










